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Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis Ausstellungsansicht

RUELAND FRUEAUF Meisterwerke von Vater und Sohn im Fokus

Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis Ausstellungsansicht

Ein spannender Blick auf die Restaurierung spätgotischer Malerei

Rueland Frueauf d. Ä. war einer der bedeutendsten Maler des deutschen Sprachraums am Ende der Gotik. Zu seinen Lebensdaten gibt es nur Vermutungen. Er dürfte um 1440/1450 geboren sein. Sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt war anfangs Salzburg und ab den 1480er-Jahren Passau. Sein Name war bisher eher nur Insidern für mittelalterliche Kunst geläufig, und zwar hauptsächlich im Zusammenhang mit acht Altartafeln, die sich ursprünglich im Kloster St. Peter in Salzburg befunden hatten und seit 1807 im Besitz des Belvedere sind. Sie stehen im Mittelpunkt der Ausstellung RUELAND FRUEAUF D. Ä. UND SEIN KREIS, die bis 11. März unter Meisterwerke im Fokus im Oberen Belvedere zu sehen ist.

 

Was uns heute als acht einzelne Bilder begegnet, waren ursprünglich vier Seitentafeln eines Salzburger Flügelaltars.

Rueland Frueauf d. J. Kreuzigung Christi

Für welche der Kirchen er gemacht worden war, ist unbekannt. Einigermaßen gesichert erscheint, woher auf der Tafel mit der Geburt Christi der enorme Schaden stammt. Er soll in der Krypta von St. Peter eingetreten sein, als dort Wasser eingedrungen und über die Rückseite der dort aufgehängten Tafeln gelaufen ist. In Wien erging es ihnen anfangs nicht wirklich besser. Um sie einfacher präsentieren zu können, wurden die Tafeln kurzerhand geteilt; das heißt, die ca. 1,35 cm. dünnen Bretter aus Tannenholz wurden zuerst in zwei bis drei Teile zerschnitten und diese Stücke mit einer Handsäge gespalten und Unebenheiten einfach weggehobelt.

Stefanie Jahn, Leiterin der Restaurierungsabteilung des Belvedere, beschreibt im Katalog zur Ausstellung in bewundernswerter Trockenheit, was diesen Bildern im Laufe der Zeit angetan wurde, bevor sie nun im Zuge einer Schaurestaurierung wieder in einen optimalen Zustand gebracht wurden. Das stolze Ergebnis sind acht Tafeln, die nun in ein traumhaftes Licht gerückt wurden. Sie strahlen auf den Betrachter, als wären sie von hinten durchleuchtet.

Flügelaltar Marientod mit Seitentafeln des Meisters von Großgmain

Eine wenn auch stille Sensation ist eine Familienzusammenführung. Neben den Werken von Rueland Frueauf d. Ä. sind die hierzulande besser bekannten Bilder von Rueland Frueauf d. J. vollzählig vertreten. Bis auf eines im Belvedere, und das bezeichnet Wolfgang Christian Huber, Kustos der Kunstsammlung des Stiftes Klosterneuburg, als Dorn im Fleisch, befinden sich alle anderen im Besitz der Abtei jenseits des Leopoldsberges. Jedes Schulkind in Niederösterreich kennt zumindest die „Sauhatz“ oder den Schleierfund durch den nachmaligen Landespatron St. Leopold.

In der Zusammenschau mit den Werken seines Vaters bemerkt man an Rueland Frueauf d. J. bereits den Zug zur Renaissance. Der früher goldene Himmel ist nun natürlich blau und Details der Landschaft sind bereist konkreter zu identifizieren als noch auf Bildern von ein paar Jahrzehnten vorher.

 

In einer Reihe anderer Werke, die im Zuge der Vorbereitungen zu dieser Ausstellung erforscht und restauriert wurden, befindet sich auch der Altar mit Seitentafeln des Meisters von Großgmain, zu dem Röntgenaufnahmen, Vorzeichnungen u. ä. an einer hands on-Station durchgegangen werden können. Kurator Björn Blauensteiner erzählt, dass jüngste Archivfunde auch Sicherheit über einen von Rueland Frueauf d. Ä. porträtierten Mann gewinnen ließen. Es handelt sich um den Passauer Maler Jobst Seyfrid, möglicherweise einem Mitarbeiter in der Werkstatt von Frueauf. Er ist nur ein Beispiel von vielen für den neuen Blick, der nunmehr auf eine bisher noch nie so vollständig gezeigte Ausstellung zu den Werken des spätgotischen Malers Rueland Frueauf d. Ä. und seinem Kreis möglich ist.

Rueland Frueauf d. J. Sauhatz
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