Kultur und Wein

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Kaelyn Schmitt © Palazzo

PALAZZO Toni Mörwalds aufregende Dinner-Show

Palazzo im Wiener Prater © Palazzo

Glücksjäger, ein Abenteuer in vier genüsslichen Gängen

Der Spiegelpalast im Wiener Prater wird zum nostalgischen Casino-Hotel im Wilden Westen. Am Pokertisch versuchen einige Typen einander abzuzocken. Ein eleganter Herr mit weisen Gedichten und flotten Sprüchen auf den Lippen dreht die Zeit zurück ins Amerika der Glücksritter, in die Tage, als alles möglich war, vom plötzlichen Reichtum bis zum Ende mit einer Kugel zwischen den Rippen oder beidem zusammen. Sven Riemann spielt den Hoteldirektor und gleichzeitig den Zirkusdirektor. Denn auch heuer ist wieder atemberaubende Akrobatik angesagt, die gemeinsam mit den vier Gängen aus Toni Mörwalds Küche ein großartiges Zusammenspiel aus Unterhaltung und Haute Cuisine schafft. Das Thema sind die „Glücksjäger“, zu denen nicht nur die Darsteller, sondern zweifellos auch die Menschen im Publikum gehören. Damit kann sich jeder zwischen „Reef ´n´ Beef“, „Fish ´n´ Bacon“, „Rib ´n´ Corn“ und „Choco ´n´ Nut“ zumindest emotional an der Jagd nach dem Glück beteiligen und wird es, so versichert der Küchenchef, mit Garantie für sich auch finden.

Colm O´Grady und Simon Llewellyn in Naked Lunch © Palazzo

Apropos Küchenchef, ganz ungeniert gibt sich der Ire Colm O´Grady als solcher aus. Er ist ein hinreißend tollpatschiger Koch, der mit Porreestangen auf Töpfen den Bolero intoniert und gemeinsam mit seinem Landsmann Simon Llewellyn die Damen mit der Nummer „Naked Lunch“ begeistert. Nur mit Pfannen bekleidet jonglieren die beiden so gekonnt mit diesem Kochgerät, dass fast nichts von dem zu sehen ist, was ihre Männlichkeit ausmacht, und wenn doch, dann begleitet von anerkennenden Zwischenrufen seitens der Zuschauerinnen.

Der Auftritt der Kanadierin Kaelyn Schmitt ist von überraschender Kraft und Eleganz geprägt, wenn sie hoch über den Köpfen des Publikums an einem Trapez mit fliegenden Haaren im Kreise wirbelt. Als eigenwillige Stehlampe wandelt der US-Amerikaner Joel Baker durch die Tischreihen, um dazwischen immer wieder Comedy und Artistik auf unnachahmliche Weise zu verbinden. Während Mandi Orozco gemeinsam mit Lorant Markocsany ihren Strapaten-Act in luftiger Höhe absolviert, hört man an den Tischen keinen Mucks.

Fish ´n´ Bacon als zweiter Gang © Palazzo

Ebenso still ist es auch beim ukrainischen Duo Heartbeat. Yuliia Lytvynchuk und Valerii Volynets begeistern mit unfassbarer Körperbeherrschung, ebenso wie der Chinese Kai Hou, für den die Grenzen der Schwerkraft aufgehoben zu sein scheinen. Rasant springt das Duo Step Out auf einem Schleuderbrett zu seinem Glück, nicht ohne sich davor mit Body-Percussion gegenseitig imponiert zu haben. Zusammengehalten werden die einzelnen Auftritte von der Band The Prater Brothers & Marion Feichter, einer Sängerin und Cellistin.

Für die Idee, das Konzept und die Regie zeichnet Maximilian Rambaek verantwortlich, einem Spezialisten für diverse Show-Formate, der mit den „Glücksjägern“ Dinner und Zirkus auf routinierte Weise zu einem genussvollen Gesamtkunstwerk verbunden hat, einem Abend soll Spaß, dem auch die stolzen Preise vom Eintritt inklusive Menü angefangen über die Weinbegleitung bis zum Verdauungsschnapserl danach keinerlei Abbruch zu tun scheinen.

Chef des Palazzo Wien © Palazzo
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