Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Detail der Blütenpracht Schlosshofs

Das Barockschloss backstage auf zwei neuen Erlebnispfaden

Magd Johanna und Stallbursch Paul bei der Arbeit in den Gärten

Als Magd und Stallbursch zurück ins Jahr 1731

Auch ein Prinz Eugen kam nicht ohne Personal aus und schon gar nicht ohne den entsprechenden Wirtschaftsbetrieb neben seinen Schlössern. Es musste gebacken und gekocht werden, Pferde wollten gut beschlagen sein, die Orangenbäume und Blumenbeete gepflegt und für die Einbringung des Obstes brauchte es solide Körbe. Dazu waren natürlich eine Menge Leute im Einsatz. Prinz Eugen war nicht nur ein großer Feldherr, sondern auch, glaubt man den Quellen, ein ungemein sozial denkender Arbeitgeber in Friedenszeiten. In Schlosshof, das in den letzten Jahren aus einem langen Dornröschenschlaf wieder zur alten Pracht erweckt wurde, ist eben diese Zeit wieder lebendig geworden, indem das Personal vor den Vorhang geholt wurde.

 

Stellvertretend stehen für die vielen Handwerker und Knechte die Magd Johanna und der Stallbursch Paul. Mit ihnen kann der Besucher nun auf zwei Erlebnispfaden durch Meierhof und Wiesen des Schlosses den Alltag des Jahres 1731 erstaunlich unmittelbar erleben, mit etwas Glück sogar dabei zuschauen, wenn der Gärtnergeselle am Jäten des Zierbeetes ist oder die Kammerjungfer die Garderobe für ihre vornehme Herrin aufbereitet.

Der Korbflechter an der Arbeit

Dazu sind jeweils sechs Spielstationen vorgesehen, an denen sich die Besucher mit einer ausgefüllten Stanzkarte am Ende des Rundgangs auch ohne zu schuften einen Belohnungs-Kreutzer verdient haben.

 

Schlosshof hat gezählte 240 tierische Bewohner. Gehalten werden altösterreichische Haustierrassen wie Kärntner Brillenschafe oder Steinhennen. Die Stars sind freilich die weißen Esel und die Trampeltiere, die nicht zufällig an die siegreichen Türkenschlachten Prinz Eugens erinnern. Am 1. Mai dieses Jahres werden diese Tiere übrigens in einem barocken Umzug den Besuchern vorgestellt.

Frühlingsgefühle bei den weißen Eseln von Schlosshof

Den Kamelen ist am 5. Juni 2016 ein eigenes Fest gewidmet, bei dem sie ein Ballett aufführen und einen Alpaka-Parcours absolvieren werden. Beim Großen Pferdefest am 11. September 2016 stehen die edlen Rösser im Mittelpunkt, die seinerzeit Aushängeschild jedes Adeligen waren. Kennenlernen kann an sie bereits bei interaktiven Workshops zum Thema Kutschenfahren. Am Eseltag (18. Juni, 17. Juli und 17. September 2016) gibt es exklusiv Gelegenheit, Mütter und Fohlen auf der Koppel zu besuchen.

Es gäbe noch so vieles aufzuzählen, was einen Besuch von Schlosshof zu einem erfüllten Ausflugstag macht, aber dafür gibt es schließlich eine Website, auf der unter Aktuelles die Events säuberlich aufgelistet sind (Logo im Anhang anklicken!). Keinesfalls sollte man es aber versäumen, wie einst der Schlossherr in der Gartenanlage mit ihren sieben Terrassen zu lustwandeln, mit dem Duft von Rosen, Zitrusbäumchen, Oleander, Zypresse oder Granatapfelbäumen in der Nase und vor den Augen die Bepflanzung eines barocken Gartens mit raren Sorten wie Löwenmaul, Wunderblume oder Fuchsschwanz aus der Zeit Maria Theresias.

Ambitionierte Gärtner werden in den Themengärten des Meierhofs bei rund 2.000 Gemüse- und Kräuterpflanzen für ihr eigenes kleines Grün fündig. Es darf immer wieder gekostet und genascht werden und die Gärtner des Schlosses stehen gerne mit Rat und Tat bei der Auswahl von Knollenpflanzen oder Samen und bei Erster-Hilfe für Pflanzen zur Verfügung.

 

Prinz Eugen hätte mit diesem Treiben seine Freude, ganz bestimmt! Eine seiner Leidenschaften war die Pflanzenzucht, je exotischer umso besser. Die Orangerie ist dafür das schönste Beispiel, deren Gärtner, wie man schon auf einem der Erlebnispfade vernommen hat, höher als die anderen gestellt war. Aber Prinz Eugen wäre garantiert nicht ungehalten über die vielen Besucher, die Schlosshof für sich als lohnendes Ausflugsziel entdeckt haben, vielleicht hätte er sie sogar zu einer Partie Kartenspiel eingeladen, um sich die Zeit zwischen seinen Feldzügen in der Idylle von Schlosshof auf kurzweilige Weise zu vertreiben.

Reizvoller Durchblick in den Garten Prinz Eugens
Schlosshof Logo 300

Panroma Schlosshof von der Gartenseite

Eine Ausstellung macht Lust auf einen Besuch beim Prinzen

Schlosshof von der Eingangsseite her

Der Krieger, die Witwe und ihr Sohn im Gespräch

Schlosshof war das geliebte Landschloss von Prinz Eugen, sein tusculum rurale. 1725 hatte er eine bereits bestehende Burg gekauft und ließ diese von einem Stararchitekten seiner Zeit, von Johann Lucas von Hildebrandt zum barocken Schloss ausbauen. Der passionierte Jäger fand am Ufer der March genug Wild für seine ausgedehnten Jagden und im Schloss selbst genügend Platz für die Ergebnisse seiner Sammelleidenschaft. Prinz Eugen gilt der Nachwelt nicht nur als großer Feldherr, sondern auch als der große Mäzen von Kunst und Wissenschaft in seiner Zeit.

Tapisserie © Fritz Simak_Schlosshof_low res

Nach seinem Ableben erbte Nichte Anna Victoria von Savoyen das Schloss. Von ihr gelangte es in den Besitz ihres geschiedenen Gatten Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, der sich wiederum mit diesem Anwesen wenig anfangen konnte und es 1755 in einem geschickt eigefädelten Deal an Maria Theresia verkaufte. Schlosshof sollte einer ihrer Witwensitze werden, aufgehellt nur von der Hochzeit ihrer Lieblingstochter Marie Christine mit Albert Kasimir von Sachsen-Teschen.

Spieltisch © Fritz Simak_Schlosshof_low res

Welches Verhältnis der älteste Sohn von Maria Theresia, Joseph II., zu Schlosshof gepflogen hat, davon ist nicht allzu viel überliefert. Nach dem Tod seiner Mutter wurde Schlosshof jedenfalls kaum mehr genützt, wahrscheinlich sprachen sich die Sparmaßnahmen des aufgeklärten Kaisers gegen kostenaufwändige rurale Lustbarkeiten aus. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Franz Joseph I. die Eignung der Anlage als Ausbildungsstätte für das Heer.

Mittlerweile wurde Schlosshof aber wieder seine barocke Pracht zurückgegeben. Schloss und Garten bieten sich bereits seit Jahren als erstklassiges Ausflugsziel und als besonderer Ort der Begegnung mit Prinz Eugen an. In diesem Sinne tritt der Hausherr auch in der heurigen Ausstellung dem Besucher augenzwinkernd in einem animierten Film gegenüber und lässt diesen von den Silhouetten einstiger Freunde und Kampfgefährten in die neu gestalteten Prunkräume geleiten.

Oben angekommen wird man Zeuge eines fiktionalen Gespräches zwischen dem Feldherrn, der Witwe Maria Theresia und deren Sohn Joseph II. Barocke Ansichten über Wohnen und Tafeln, über Glücks- und Gesellschaftsspiele und das fürstliche Schlafzimmer als öffentlicher Ort stehen dabei im natürlichen Gegensatz zur kühlen Nüchternheit von Josephinismus und Klassizismus.

 

Der Erlebnisfaktor steht in der Gestaltung ganz oben. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die jungen und ganz jungen Besucher gelegt. Für die Kinder gibt es in jedem Raum eine eigens für sie entwickelte Station, die es erlaubt, zum Beispiel eine barocke Perücke zu probieren oder sich bei einem barocken Spiel zu versuchen. Zu allgemeinem Pläsier wurde die „intelligente Kordel“ entwickelt, auf der mittels zwölf interaktiver Tablets, drei in die Rauminstallation integrierter Großprojektoren und einer Reihe von Toninstallationen die Inhalte vertieft werden können. Sogar Prinz Eugen, der Neuem immer offen gegenüber stand, wäre bei so viel gezielt eingesetzter Technik in der Form der Präsentation wohl überaus erfreut und hoch zufrieden gewesen.

Barock lebt in Schlosshof
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