Kultur und Wein

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In Wahrheit ist´s ne Lüge, Szenenfoto © Michael Indra

IN WAHRHEIT IST´S NE LÜGE, die uns Songs so reindrücken wollen

In Wahrheit ist´s ne Lüge, Szenenfoto © Michael Indra

Eine musikalische Revue, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt

„Und wir singen im Atombunker / Hurra die Welt geht unter!“ schmettert das Ensemble und wird für diese Nummer zur Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. Das Schöne daran, es wird nicht sklavisch imitiert, sondern auf eine durchaus neue Weise interpretiert, teils ganz ohne Mikro und Verstärker, denn die Musik im Hintergrund könnte, dezent wie sie ist, in jeder Bar den Besuchern ein paar Cocktails versüßen. Klavier (Klaus David Erharter), Trompete (Alexander Wladigeroff), Kontrabass (Karl Sayer) und Percussion (Elias Krischke) genügen, um einen Abend lang den Studenten des 3. Jahrgangs des Max Reinhardt Seminars jede gewünschte musikalische Farbe zu unterlegen. Es gibt Songs vom schmusigen Guantanamera über Gesellschaftskritik von Bertolt Brecht, vertont von Hanns Eisler oder Kurt Weill, Kabarettistisches wie „Meine Freiheit, deine Freiheit“ von Georg Kreisler, besinnlichen Austropop von Georg Danzer bis zu Ohrwürmern der deutschen Schlagerbranche, bei denen man auch vor Rudi Carell und „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer“ nicht zurückschreckt.

In Wahrheit ist´s ne Lüge, Szenenfoto © Michael Indra

Der Titel des Klassenabends macht nachdenklich: In Wahrheit ist´s ne Lüge. Könnten damit die Lyrics, also die Texte der Lieder gemeint sein, die einen so einiges reindrücken wollen? Die Antwort muss sich wohl jeder geben, der auf der Bühne des Schönbrunner Schlosstheaters sitzt und zwischendurch immer wieder durch die Käfiggitter (Bühne: Hans Kudlich), die Akteure und Band trennen, den Blick über den golden beleuchteten Zuschauerraum dieses herrlichen kleinen Barocktheaters schweifen lässt. Vielleicht ist der strenge Titel auch nur im Spaß gemeint, denn das Ganze nimmt sich nicht so wirklich ernst. Es wird lustvoll und durchaus gekonnt geblödelt, der Elvis-Klassiker „Love me tender“ virtuos um Viertel- und etwas größere Bruchteile von Tönen danebengesungen und in den Kostümen (Clarisse Maylunas) hemmungslos übertrieben.

Jede und jeder des Ensembles hat in den Soli immer wieder Gelegenheit, die Stärken auszuspielen, ohne dass eventuell noch vorhandene Schwächen zu sehr sicht- oder hörbar würden. Für Talente-Scouts ist dieses Stück, das von Klaus David Erharter konzipiert und musikalisch geleitet wird, damit eine wahre Fundgrube, für das Publikum sind´s kurzweilige eineinhalb Stunden ganz in der Nähe des Kaisers, der möglicherweise auch dazu gesagt hätte: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.

In Wahrheit ist´s ne Lüge, Szenenfoto © Michael Indra
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