Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Arbeit von Rudolf Polanszky

RUDOLF POLANSZKY & HARIS EPAMINONDA Kunst zum Behirnen

Apollo von Haris Epaminonda

Sperrmüll contra Japan und Antike

Der Hauptraum der Secession vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck, als hätten die Arbeiter, die derzeit gerade mit dem Aufpolieren des Krauthappels zugange sind, diverse gebrauchte Baumaterialen zwischengelagert. Es handelt sich um verbogene Blechplatten, Drähte, um Kunststoffteile nicht näher bekannter Provenienz und gerahmte Spiegelfolien. Tatsächlich ist es das Werk von Rudolf Polanszky, einem österreichischen Künstler, der mit derlei ungewöhnlichen Materialen „Ad-hoc-Synthesen“ geschaffen hat. Indem er sie aus ihrem ursprünglichen Zweck oder vorgesehenen Nutzen entkoppelt und, wie es heißt, befreit hat, sollten durch Überlagerung, Schichtung, Überschneidung, Verschachtelung oder Faltung „translineare“ bzw. „transaggregate“ neue Strukturen entstehen. Polanszky selbst nennt es „ein über einen scheinbar stabilen Zustand hinausweisendes, instabiles Konstrukt einer subjektiven Realität.“ Er selbst versucht dem Betrachter den Zugang zu eröffnen, wenn er diesen doch sperrigen Gedanken ausführt:

Arbeit von Haris Epaminonda

Meine Arbeit ist ein Versuch, Entsprechungen von Vorstellungsmustern neu zu ordnen, zu verändern und meine Denkstrukturen umzuorganisieren. ... Im Spiel von Wahrnehmung und Erfahrung scheint man dazu angehalten, das angebotene Außenbild auf rationale Weise zu entschlüsseln. Und bedient sich am Erinnerungsmaterial, an den zur Verfügung stehenden Ähnlichkeitsmustern, die so weit modelliert werden, bis sich ein kongruentes, das heißt, deckungsähnliches Referenzmodell bildet.

Arbeit von Rudolf Polanszky

Um darin Kunst zu entdecken, braucht es also eine gute Portion Hirnschmalz, aber nicht weniger als im Grafischen Kabinett, das von der jungen griechischen Künstlerin Haris Epaminonda gestaltet wurde. Die Gegenstände und räumlichen Collagen sind durchwegs ansprechend. Sie enthalten, Arbeit für Arbeit, für den Betrachter eine Menge Erinnerungspotential. Sie selbst stammt aus Zypern, ist also mit der klassischen Antike vertraut. Als Versatzstück dieses Genres steht ein Kopf des Gottes Apollo.

Ganz der eitle Unsterbliche, darf er sich in einem Spiegel betrachten. Die Mitte des Raumes beherrscht die unbequeme Nachbildung eines japanischen Futons, dessen Liegefläche aus hartem, glänzendem Material besteht. Am Fuß des Nachtkästchens treiben zwei Reiher ihr Liebesspiel und oben zieht ein Bonsai den Blick auf sich. Über eine Anlehnung an Giorgo de Chirico stolpert man beinahe, da sie sich vom weißen Fußboden mit ihren weißen Arkadenbögen kaum abhebt, wäre da nicht der Rappe, der wie auf anderen Bildern Eidechsen oder Schlangen, die Szene belebt.

Die Interpretation der einzelnen Installationen, so die Künstlerin, steht jedem frei. Sie will ihn nicht zu bestimmten Ansichten zwingen, aber doch dazu, über ihr Werk nachzudenken, was durchaus als ernsthaftes Anliegen aufgefasst werden soll. Immerhin hat man Eintritt bezahlt, um Kunstgenuss zu erleben, den man aber nur dann gewinnt, wenn man sich sowohl mit Rudolf Polanszkys harschen Arbeiten als auch mit den durchwegs freundlichen Ideen von Haris Epaminonda intensiv einzulassen bereit ist.

Haris Epaminonda, VOL. XXIII, Ausstellungsansicht © Foto: Sophie Thun
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