Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Jean-Luc Moulène, The Secession Knot Foto: Iris Ranzinger

Die unbekannten Drei: Jean-Luc Moulène, Rosa Barba, Anoka Faruqee

Rosa Barba, The Colour Out of Space Foto: Peter Harris © Rosa Barba

Ein Blick hinaus in eine nicht einfach zugängliche Welt der Kunst

Es handelt sich, ganz entgegen der Annahme bei der Lektüre der drei englischen Titel The Secession Knot, Spacelength Thoeght & The Visible Spectrum, um Ausstellungen in der Wiener Secession. Die Titel sind auch wenig hilfreich, wenn es darum geht, Verständnis für die Arbeiten und Ideen des Künstlers und der beiden Künstlerinnen aufzubringen. Der in Reims (Frankreich) geborene Jean-Luc Moulène lässt den Besucher im strahlenden Weiß des Hauptraumes überhaupt mutterseelenallein zwischen ein paar wenigen Objekten herumirren. Ein Sessel mit einer Sense, ein auf dem Boden liegender Hut und ein in Wasser eingefrischter Blumenstrauß, gerahmt mit gelben Bändern, damit hat´s sich im Großen und Ganzen eigentlich schon. Der hierzulande bis dato eher unbekannte Künstler selbst sieht sich als Autor seiner Kunstwerke. Angeblich arbeitet er mit einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien und in Medien wie Fotografie, Malerei, Skulptur und Installation, gibt aber (siehe Foto ganz oben) in Wien nur wenig von seinem Werk preis.

Jean-Luc Moulène, The Secession Knot (5.1) Foto: Iris Ranzinger

Man muss schon nachlesen, um zu erfahren, dass beispielsweise seine Fotografie zwischen Medium und Kunst oszilliert und seine Objekte den Status zwischen Skulptur und Produkt einnehmen.

 

Wie die Italienerin Rosa Barba mit Spacelength Thought mit den Filmen im unteren Stockwerk der Secession verbindet, bleibt ebenfalls rätselhaft. Es handelt sich um eine Auswahl ihrer Filme, die sich mit dem Begriff des Archivs beschäftigen. Gezeigt werden eingangs alternierend die Filme Somnium und Disseminate and Hold.

Man sollte vor deren Betrachtung den Begleittext der Secession lesen, um zu erfahren, dass es darin um zwei wesentliche Aspekte in ihrem Schaffen geht: zum einen um die Verbindung zur Literatur als Quelle für und Referenz in ihren Arbeiten, zum anderen um ihr Interesse an einem offenen Begriff des Archivs. Somnium liegt ein Text von Johannes Kepler zugrunde, der eine imaginierte Mondfahrt mit Blick auf die Erde beschreibt. Spannung oder Unterhaltung, wie man sie von Kinofilmen erwarten darf, ist natürlich nicht vorhanden. Stimmung macht lediglich der Aufbau ihrer Ausstellung, das Rattern der Filmmaschinen und die Dunkelheit des „Kinosaals“, durch die man sich zu den einzelnen Leinwänden kämpfen muss.

Anoka Faruqee, 2016P-12 (Circle), 2016

Es flirrt vor den Augen, wenn man den Bildern der amerikanischen Malerin Anoka Faruqee entgegentritt. The Visible Spectrum sind abstrakte Malereien mit erstaunlichen optischen und chromatischen Effekten. Es sind eher Gedanken und Anliegen denn Gemälde. Faruqee versucht darin die Gesetzmäßigkeiten der Malerei auszuloten, eine Spannung zwischen atmosphärischen Lichteindrücken und Illusionen sowie der Materialität von Farbe zu erzeugen.

Wer mag, kann zu verstehen suchen, was sie mit ihrem Statement zur Ausstellung meinen könnte: „Ich interessiere mich dafür, wie die Wiederholung modularer Informationseinheiten, die Auflösung von Figur und Grund, die Integration von Farbe und Form und die Verwendung mehrerer Blickpunkte und Symmetrieachsen eine alternative Geschichte zur Starrheit des Blicks in perspektivischer Zeichnung und analoger Fotografie erkennen lassen.

Jean-Luc Moulène, The Secession Knot (5.1) Foto: Iris Ranzinger
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