Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Volpone Emsmble © Rolf Bock

VOLPONE, ein Fuchs in der eigenen Falle

Rafael Witak, Kurt Wittmann © Rolf Bock

Es gibt kein besseres Geschäft: Die Männer bringen Geld und ihre Frauen offene Beine

Stefan Zweig dürfte großen Spaß dabei gehabt haben, als er die Komödie Volpone von Ben Jonson (1572-1637) überarbeitete und ihr ein neues, überraschendes Ende gab. Genüsslich führt er uns eine Palette an großartigen Typen vor, Leute, wie sie uns täglich begegnen, ohne dass unsereins etwas dafür könnte. Es gibt den geizigen Wucherer Corbaccio, den gierigen Rechtsverdreher Voltore, Corvino, den impotenten Kaufmann und dessen unbefriedigte Gattin Colomba sowie den cholerischen Soldaten Leone und Canina, die Hure. Sie alle, ob Krähe, Geier, Rabe, Taube, Löwe oder Hündchen, sind nicht imstande, der Schmeißfliege, hier im Stück auf Italienisch Mosca, Herr zu werden. Der listige Bursche ist Diener von Volpone, dem geschäftstüchtigen Fuchs, der sich am Reichtum an sich erfreut, Sätze wie „Sag, was ist schöner, als in Gold zu baden“ oder „Es gibt kein besseres Geschäft: Die Männer bringen das Geld und ihre Frauen offene Beine“ von sich gibt und seine Hetz daran hat, diesen Zoo potentieller Erbschleicher an der Nase herumzuführen und ihnen Geld, Gold und Frau abzunehmen.

Robert Sadil © Rolf Bock

Es funktioniert bestens, bis er den Bogen überspannt und sich selbst ableben lässt, nicht ohne Mosca als Alleinerben in das begehrte Testament einzusetzen...

Lisa Perner, Rafael Witak © Rolf Bock

Für das Sommertheater Mödling, seit heuer mit einem Smiley im Logo, bietet diese Commedia dell´arte aus dem Jahr 1926 eine wunderbare Gelegenheit, den ungemein stimmungsvollen Platz vor der Pfarrkirche St. Othmar mit einem durchaus moralisierendem Stück zu bespielen. Es ist Satire vom Feinsten, die Stefan Zweig der Gesellschaft aller Zeiten ins Tagebuch geschrieben hat, um ihr einen Spiegel vorzuhalten und sich selbst in einer der Rollen zu finden. Bei der Besetzung hat Prinzipal und Regisseur Andreas Berger bekanntlich noch nie Probleme gehabt, auch nicht diesmal, als es darum ging, den raffgierigen Tieren menschliche Gestalt zu verleihen und das Venedig der Renaissance vor den gotischen Bögen, wie es schon die Bezeichnung für diese Stilperiode ausdrückt, wieder geboren werden zu lassen.

Für die entsprechende musikalische Stimmung sorgen „Die Wandervögel“, ein Trio mit Bryan Benner an der Mandoline, David Stellner mit Gitarre und Raphael Widmann als vazierender Geiger.

Die Wandervögel, David Stellner, Raphael Widmann, Bryan Benner © Rolf Bock

Voltore wird mit Andreas Roder der richtig schleimige Notar, der sich darauf versteht, Testamente zu formulieren, um letztlich seinen Namen als Erbberechtigen darin zu finden. Der vertrocknete Corbaccio (Robert Sadil) und Victor Kautsch als krankhaft eifersüchtiger Corvino haben jedoch noch ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Verlassenschaft des angeblich todkranken Volpone geht. Sie tun tatsächlich alles, um an der Stelle des Begünstigen ihren Namen zu finden.

Lisa Perner ist die bildhübsche Kurtisane Canina, die einen heiratswilligen Vater für ihr noch ungeborenes Kind sucht und sogar den gebrechlichen Corbaccio diesbezüglich ins Kalkül zieht. Die Unschuld per se ist Colomba in Gestalt von Kristina Zöchbauer, die zwar ganz gern einmal von einem Mann so richtig hergenommen würde, aber ausgerechnet bei Volpone standhaft bleibt. Die wahre Gefahr geht von Leone (Klemens Dellacher) aus, dem militanten Sohn von Corbaccio, der aber den strengen Richter (Gerald Speckner) nicht von den Umtrieben der feinen Herrschaften überzeugen kann und selbst am Pranger landet.

Kurt Wittmann gibt den reichen Levantiner Volpone, der sich schlauer als alle anderen dünkt und zwischen Absterbensamen und einer auch für ihn verhängnisvollen Brunft virtuos pendelt. Nur einer ist ihm gewachsen. Rafael Witak als Mosca ist ein Arlecchino, ein ernsthafter Spaßmacher, wie er im Büchl der Commdia dell´arte steht. Was aus ihm wird, das gibt´s in Mödling bis 5. August 2017 zu erleben, übrigens mit einer Zusatzvorstellung am Montag, 31. Juli, die aufgrund des großen Andrangs extra noch eingeschoben werden musste.

Klemens Dellacher, Kurt Wittmann, Kristina Zöchbauer © Rolf Bock
Sommertheater Mödling Logo 500

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