Kultur und Wein

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Anonym Werner Krauss in Der Student von Prag, 1926 Österreichisches Filmmuseum

FILM-STILLS Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino

Sam Shaw Marilyn Monroe und Tom Ewell in Das verflixte siebente Jahr © Sam Shaw Inc.

„Stehende Bilder“ als Erinnerungen an bewegende Filmerlebnisse

Sie sehen aus wie dem Film entnommen, einzelne Kader, die man in den Zeitungen abdrucken oder für Plakate verwenden konnte. Fotos aus Filmen, die sogenannten Film-Stills, sind jedoch keineswegs so einfach entstanden. Das kleine Bild aus dem Streifen wäre aufgrund mangelnder Schärfe ungeeignet zur Vergrößerung. In der eigens mit solchen Fotos gestalteten Ausstellung (FILM-STILLS Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino bis 26. Februar 2017) in der Albertina in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum ist zu erfahren, dass sie zwar während der Dreharbeiten auf Filmsets aufgenommen wurden, jedoch auf aufwändigen Verfahren basieren und von den Fotografen eigens für die Fotokamera inszeniert wurden. Sogar Marilyn Monroes hochgewehter Rock ist auf diese Weise entstanden, um als Reklame für den Film „Das verflixte siebente Jahr“ um die Welt zu gehen.

Karl Struss Gloria Swanson in Male and Female © The John Kobal Foundation

Ein Foto zeigt die Entstehung dieses Bildes mit den Scharen von Fotografen, die für dieses Shooting akkreditiert waren.

 

Die gezeigten 130 Film-Stills wurden zwischen 1902 und 1975 aufgenommen. Sie haben damit ihren ursprünglichen Zweck als Werbe- und Pressematerialen längst eingebüßt. Aber sie sind Erinnerungen an Filme, die man in besonderen Sendungen im Fernsehen oder bei cineastischen Schwerpunkten erleben durfte. Jedes einzelne Foto steht für die gesamte Handlung, die man als Besucher mühsam zusammenzureimen versucht. Der durchdringende Blick des blinden Ballonverkäufers in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist unvergessen.

Posiert hat der Schauspieler Georg John für Horst von Harbou, einem Meister dieses Genres. Dass eigentlich Peter Lorre in diesem Film von Fritz Lang (1931) die Hauptrolle gespielt hat, kommt erst nach einem Blick in die Besetzungsliste zurück ins Bewusstsein. „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ mit einem Hauptdarsteller mit dem passenden Familiennamen Schreck aus 1922 erweckt ebenso die Lust auf einen Klick in You Tube wie Werner Krauß als ein von Stürmen umtoster Scapinelli in „Der Student von Prag“ (1926).

Horst von Harbou Georg John in M – Eine Stadt sucht einen Mörder, 1931 © © Horst von Harbou

Nebenbei wird man anhand ausführlicher Saaltexte in das Wissensgebiet „Film-Stills“ eingeführt. Sie verbinden funktionale Ansprüche mit fotografischen und filmischen Bestrebungen, das heißt: Die Standfotografie bietet die einzige Möglichkeit, visuelle Spuren außerhalb des filmischen Ereignisses, also dem Sitzen im Kino, sichtbar zu machen.

Für den Betrachter dürfte es jedoch überhaupt kein Problem darstellen, dass dadurch der Film von einem bewegten zu einem statischen Medium transformiert wird, ebenso wenig die Tatsache, dass Film-Stills zwischen Film und Foto angesiedelt sind und vielfach auch künstlerische Züge aufweisen und vieles mehr. Für den Käufer einer Kinokarte waren sie seinerzeit schlicht das Lockmittel, der Honig im Schaufenster, der die Menschen in einer noch recht bilderarmen Zeit wie Bienenschwärme um die Fotos summen ließ und sie auf bewegende und vor allem bewegte Erlebnisse im Dunkel des Kinosaales einstimmte.

Anonym Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens © Deutsche Kinemathek
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