Tiefschürfender Blick in den Untergrund von NÖ: Kiesel & Klunker
Wie kommen die Steine in den Boden?
Oder anders gefragt: Wie sind die Steine entstanden? Im Landesmuseum Niederösterreich finden sich gleich einige Antworten und sogar launige Rezepte zum Nachkochen von Gestein und Mineralien. So benötigt man für einen wohlgeratenen Wachauer Marmorkuchen nichts als etwas Kalkstein aus Calzit, ein wenig Dolomit und nach Geschmack Spurenelemente. Das Ganze auf 700° bei 700 Mio. Pascal Druck erhitzen, usw., schließlich das Ganze einige Mio. Jahre lang abkühlen lassen. Fertig!
Ganz ehrlich, irgendwann hat man im Chemieunterricht gelernt, wie Kristalle entstehen, in der Geographiestunde gehört, wo in der näheren Umgebung dieses oder jenes Mineral vorkommt. Jedoch, die Zeit bringt´s mit sich, dass sich vieles davon ins Vergessen verabschiedet. Die Ausstellung „Kiesel & Klunker – Vielfalt aus Niederösterreichs Boden“ (bis 13. März 2013) versteht es auf unterhaltsame Weise, schlafendes Wissen wieder zu wecken und dieses mit einer Fülle an Neuem zu bereichern.
Man staunt, wie „steinreich“ Niederösterreich ist, nicht nur das Waldviertel, dem diese Eigenschaft bekanntlich nachgesagt wird. Jeder der vier Landesteile verfügt über seine spezifischen „Bodenschätze“. Über eine geologische Karte wandert man auf kurzem Weg zu den einzelnen Vorkommen, von denen Beispiele In kleinen Vitrinen präsentiert werden. Nicht umsonst wurde der Hauptraum der Ausstellung zur Schatzkammer erklärt, wo Kostbarkeiten aus privaten Sammlungen erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Neben „Klunkern“ wie Citrin, Amethyst, Lazulith oder Quarz und den „Kiesel“, also den „einfachen“ Steinen, stammen auch Fossilien aus dem Untergrund. Niederösterreich kann an solchen Relikten diverser Erdalter eine ganze Menge aufbieten, von den Zähnen eines Hais bis zu ganzen Muschelbänken. Besonders stolz ist man jedoch auf den Oberschenkelknochen eines Mammuts. Er trägt die Aufschrift 1443, dem Jahr, als er beim Bau von St. Stephan, Wien, gefunden wurde und dem Riesentor zu seinem Namen verholfen hat.
l.o.: Collage Kiesel & Klunker Fuhrer, Foto Amethyst Andreas Gießwein, Foto Kiesel Bernard Angerer
r.o.: Ammonit, Hohe Mandling, A. Thinschmidt
r.u.: Calcit, Bad Deutsch Altenburg, GBA Wien
Auf die Kinder wartet ein wahrer Experte für Fragen des Untergrunds: Gustav Schürfer, oder kurz, Gustl, ein Maulwurf. Er wird die Kleinen auf ihrer Schatzsuche durch Niederösterreich begleiten. Er könnte zwar ein paar gute Augen brauchen, aber, so Gustl, „meine Nase wird uns sicher durchs Erdreich führen, das steckt nämlich voller Geheimnisse.“
Seit gut 20 Jahren hat das kleine Egon Schiele Museum an der Donaulände in Tulln stromabwärts Radelnde zu einer kurzen Kulturrast eingeladen. Schließlich ist die Stadt Tulln Geburtsort eines der Großen in der Malerei des 20. Jahrhunderts, dem diese einen Gedenkraum in einem stillgelegten Gefängnis gewidmet hatte. Aber viel mehr als Erinnerung war es nicht. Abgesehen von der Arrestzelle, in der Schiele eingesperrt gewesen war, es fehlte an originalen Zeugnissen, vor allem an Werken. Man hatte sich mit Reproduktionen behelfen müssen.
Dieser Mangel wurde nun behoben. Gemeinsam mit dem NÖ-Landesmuseum, das sich dieses Museums angenommen hat, wurde ein thematischer Schwerpunkt gesetzt. Unter dem Motto „Die Anfänge des Künstlers“ werden Kindheit und Jugend von Egon Schiele erzählt. Man erfährt von seinem Vater, einem Bahnhofsvorstand, der für den sensiblen jungen Mann viel zu früh verstorben ist, man lernt die Familie kennen, seine Mutter, deren Porträt gezeigt wird, und seine Schwestern.
Erstaunlich ist die Menge an Spielzeug, das den in guten Verhältnissen aufgewachsenen Schiele von der Kindheit weg bis zu seinem frühen Tod mit 28 Jahren begleitet hat. „Ich ewiges Kind“ sagte der Künstler über sich selber und legte noch im Erwachsenenalter eine umfangreiche Sammlung von exotischen Gegenständen und Spielzeug an. Sein Förderer Arthur Roessler hat festgehalten, dass Schiele stundenlang spielen konnte ohne zu ermüden.
Von der Eisenbahn war Schiele besonders fasziniert. In seinen Kinderzeichnungen, die zum Teil erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden, hat er bereits mit genialem Strich Lokomotiven skizziert. Man kann sich nun den Buben vorstellen, wie er am Fensterbrett liegt, statt Schulaufgaben zu machen ein dickes Buch mit Zeichnungen füllt und mit Pfeifen und den sonstigen Geräuschen täuschend echt die Eisenbahn imitiert.
Der erst spät von Prof. Rudolf Leopold entdeckte Maler ist mittlerweile weltbekannt, eine Marke für österreichische Kunst, vertreten in den größten Häusern vertreten oder von ihnen zumindest begehrt. Das Museum in Tulln kann sich diesbezüglich nun mit einem Guggenheim oder einem MOMA auf die gleiche Stufe stellen. An seinen Wänden hängen Originale von Egon Schiele!
Teils Studienzeichnungen, die während der nicht reibungsfreien „Lehrjahre“ Schieles an der Akademie entstanden sind. Anhand der Texte, vor allem aber an den Zeichnungen kann man großartig verfolgen, wie nach dem selbstbestimmten Ende seines Studiums, die Gründe dafür werden in der Ausstellung ausführlich erläutert, aus dem mäßig erfolgreichen Kunststudenten der große Expressionist Egon Schiele wird. Allein die Möglichkeit, das Werden eines Genies so unmittelbar nachvollziehen zu können, macht einen Besuch des Egon Schiele Museums in Tulln an der Donau, ab nun auch Egon Schiele Stadt, mehr als einen kurzen Abstecher vom Donauradweg wert.