Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Blitze © Daniel Loretto

GEWALTIG! Naturkatastrophen in NÖ und auf der übrigen Welt

  	 Illustration eines Asteroideneinschlages auf der Erde © Don Davis

Hochwasser, Hagelschlag und ein Jahr ohne Sommer

Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Menschheit auf diesem Planeten überlebt hat. Die Erde und das sie umgebende Weltall stecken voll von bösen Überraschungen. Von oben kann ein riesiger Meteorit die kleine Erde jederzeit aus ihrer Bahn werfen. Sie selbst hat in ihrem Inneren soviel Feindseligkeit gelagert, die sie durch Vulkane nach oben schleudert und nicht nur die Anwohner vernichtet, sondern auf der ganzen Hemisphäre den Sommer ausfallen lassen kann und damit bittere Hungersnöte auslöst. Die Sintflut ist schon lang vorbei, aber ihre kleinen Geschwister, die Hochwässer, überfluten mit ätzender Regelmäßigkeit Häuser und Felder. Die Weinernte wird Jahr für Jahr vom Hagel dezimiert und Erbeben verheeren, nicht selten im infernalischen Verein mit einem Tsunami, ganze Landstriche. Auch in Zeiten, in denen wir glauben, alles im Griff zu haben, zeigt uns die Natur ihre grässliche Fratze. Meistens können wir ihr nichts anderes entgegen setzen als ein flehendliches Gebet und den Glauben daran, alles wieder aufbauen zu können.

Ausstellungsansicht Gewaltig! © Museum Niederösterreich/Lackinger

Das Museum Niederösterreich bringt es auf den Punkt: „Gewaltig!“ ist eine Ausstellung, die extreme Naturereignisse thematisiert (bis 11. Februar 2018). Mit einem im Schlamm einer Überschwemmung gefangenen Auto wird gleich beim Eintreten in das Gruselkabinett der Katastrophen die emotionale Ebene angesprochen. Da steckt das Symbol unserer technischen Überlegenheit hilflos im Dreck. Die raffinierten Hochwasserbauten waren doch nicht hoch genug, um die heranrollende Flut zu bändigen.

Hagelkorn © Hannes Goldgruber

Zum Glück, oder was gerade noch ein Glück ist, sind alles vernichtende Einschläge von Himmelskörpern eine eher seltene Erscheinung. Um sie geht es im ersten Teil, wo man unter anderem den Moldavit bewundern kann, ein in der Gluthitze des Aufpralls auf natürliche Weise entstandenes Glas. Weiter geht es mit den Vulkanen. 1815 bescherte der Tambora im fernen Indonesien den Europäern ein Katastrophenjahr. Berührend ist eine Aufschrift auf dem Hungertaler aus Kufstein:

Der kalte Regen im Sommer erzeugte das Schröcklichste was die Menschen treffen kan, einen allgemeinen Miswachs, und den aus ihm entspringenden Brodmangel. Auch in Niederösterreich, lange vor unserer Zeit, als noch das Meer am Waldviertel anbrandete, hat ein Tsunami mit Skeletten von Seekühen seine tödlichen Spuren hinterlassen. Mit den Stürmen gehen nicht selten Gewitter und Hagel einher. Penibel wird die Größe der Eiskörner gemessen, die durch eine böse Laune der Natur in den Wolken zur Größe eines Hühnereis und darüber hinaus anwachsen, bevor sie die Schwerkraft zu Boden holt.

Die extremen Naturereignisse, denen man hier begegnen kann, sind damit noch lange nicht erschöpfend aufgezählt. Aber man wird auch über den Kampf dagegen unterrichtet. Drei Namen – Carl Friedrich Gauß (1777-1855), Karl Kreil (1798-1861) und Victor Conrad (1876-1962) – stehen hier stellvertretend für das Bemühen der Wissenschaft, Katastrophen zumindest rechtzeitig entgegentreten zu können. Die dafür entworfenen Messgeräte mögen wunderschön antiquiert aussehen, lassen aber an Präzision nichts missen. Nach Conrad wurde ein Observatorium auf dem Trafelberg nahe Pernitz benannt, zwei unterirdische Stationen, die von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, kurz ZAMG, betrieben werden. Erforscht wird die Physik der Erde, wobei es im SGO um Seismologie geht und im GMO, eine Art „Hohe Warte“ für das „Weltraumwetter“, um Erdmagnetismus, also um das Erdmagnetfeld, das als (dringend benötigter) Schutzschild unseres ohnehin selbst voll Katastrophen steckenden Planeten angesehen wird.

Lloydsche Waage, erfunden um 1880 © Peter Melichar
Landesmuseum NÖ Logo 300

Statistik