Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Blechfrösche "Frantic Frog" Milton Bradley 1965

„Mechanische Tierwelt“ – eine Ausstellung voll Nostalgie

"Mama Paak" aus der Werkstatt von E. P. Lehmann 1960

Blechtiere sind eine aussterbende Spezies!

Wer kann sich noch an den Schlüssel erinnern, mit dem man sein Spielzeug aufziehen konnte!? Mittlerweile sind es Batterien, die man fallweise wechseln muss und ein Schalter, mit dem alles Mögliche einfach aufgedreht werden kann. Schon macht das frappant einem Hund ähnlich sehende Ding aus Japan Männchen, bellt sogar und lässt sich kraulen. Es kommt also ganz auf das Alter des Betrachters an, wie es um seine Erinnerung steht, wenn von Blechspielzeug die Rede ist. Die Kinder werden es als kurios empfinden, dass man damals mehr machen musste als über das Handy zu streichen, um bunte Gestalten mit künstlichen Stimmen zu erleben. Für die Menschen am anderen Ende der Lebensskala werden die Blechtiere Erinnerungen erwecken, an den Besuch der Tante, die feierlich einen Frosch auspackte und ihn über den Tisch hüpfen ließ. Dabei konnte es schon passieren, dass dieses Subjekt sich selbständig machte und in einem Schuh verschwand und dessen kleinen Träger ordentlich drückte, so wie es dem Autor dieses Artikels passiert ist, der an einem Blechfrosch unter seinen Sohlen litt.

Eine Kohlmeise, festgemacht am Glas der Vitrine

Blöderweise war er grün gekleidet und wurde beim unbeholfenen Versuch, die Erwachsenen mit einem kläglichen „Fosch!, Fosch!“ darauf hinzuweisen, nur als ganz lieber kleiner Frosch bezeichnet. Mit den vielen Jahrzehnten seither hat er sich mit dem Blech versöhnt und gedenkt mit einem Schuss schlechten Gewissens der Zeiten, als er sein Spielzeug so lange aufgezogen hat, bis die Feder abgerissen war.

Eines der Fotos von Sebastian Köpcke und Volker Weinhold

Um 1890 waren die ersten industriell gefertigten mechanischen Spielzeuge entstanden. Autos und Flugzeuge waren damals noch nicht erfunden, bzw. nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert, also wurden Tiere aus Blech gefertigt. Das Spielzeug war sowohl günstig zu erzeugen als auch zu erwerben und belebte bald die Kinderzimmer. Was damals einfach hergenommen und aufgezogen wurde, damit es sich klappernd und hüpfend über den Boden bewegte, ist mittlerweile jedoch zum kleinen Kunstwerk geworden.

Sebastian Köpcke und Volker Weinhold, im Internet zu finden unter www.sammlungsfotografen.de, haben derlei Blechspielzeug gesammelt und damit eine überaus reizende, kleine Ausstellung gestaltet. Sie macht unter dem Titel „Mechanische Tierwelt“ bis 13. November 2016 im Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten Station und verführt zu einer nostalgischen Reise in die Kinderwelt vor mindestens 50 Jahren und noch weiter zurück. Auf kunstvollen Fotos haben die beiden Kuratoren zusätzlich die Blechtiere, die mit Garantie eine hochgefährdete Tierart sind, in den Lebensraum ihrer natürlichen Vorbilder gestellt.

Sie haben ihnen damit wieder Leben verliehen, so zum Beispiel einer strengen Eule im Baum, einem fröhlichen Hund vor einem Haufen Knackwürste, einer verspielten Katze auf Wollknäueln oder einer Schar Schnecken, die sich auf einem Kohlkopf gütlich tut. Spielen kann der Besucher freilich nicht mit den Objekten, aber sich daran erfreuen, dass das blecherne Pferd, der prächtige Schmetterling oder die bunte Entenschar durch diese Sammlung vor dem Aussterben gerettet wurden.

Fips Springmaus aus der DDR 1970

Der Wolf, Vorläufer unsere Hundes

MuH – Mensch und Haustier, eine lange gemeinsame Geschichte

So ganz todernst geht´s in der Ausstellung nicht zu

Wissenswertes zu Zimmertiger, Waldi & Co

Wann sind alle diese selbstlosen Kreaturen zu uns gestoßen, die wir heute streicheln, melken oder aufessen. In seiner naturkundlichen Ausstellung bietet das Landesmuseum Niederösterreich darauf bis 12. Februar 2017 eine ganze Reihe von Antworten. Der Titel „MuH – Mensch und Haustier“ verrät bereits, dass dabei auch ein Augenzwinkern und ein Lächeln erlaubt sind. Freilich werden auch ernste Themen angesprochen, die gerade im Zusammenhang mit Nutztieren genügend Stoff zum Nachdenken liefern. Im Großen und Ganzen ist die von Erich Steiner gestaltete Einführung in die Welt unserer bepelzten und gefiederten Mitbewohner aber positiv ausgefallen.

 

Ausgestopfte Tiere, lebensgroß auf Spanplatten aufgezogene Kühe und ein Elefant, der laut Muh trompetet, sind die Hauptdarsteller. Das Wissen ist dazwischen auf kurzen, übersichtlichen Tafeln nachzulesen. Trotzdem ist es besser, man nimmt auf den Rundgang auch die eigens zur Ausstellung erschiene Broschüre mit.

Viel Programm für Kinder bei MuH

Dieses schlaue Buch erklärt sogar die Anwesenheit eines Zebras, das sich neben Bienenstock, Hasenstall und Geflügelhof doch recht seltsam ausnimmt. Es werden unglaubliche Geschichten erzählt, unter anderem vom Kuhstechen zwischen besonders kampflustigen Rindern im Zillertal oder von der Taube als Symbol der Götter. Höchts gefährdete Rassen werden vorgestellt. Egal ob Rind, Schwein oder Schaf, sie sind dem gegenwärtigen Leistungsdruck nicht mehr gewachsen.

Die Gans, ein Haustier, das Martini selten überlebt.

Nach vielen Hundert Jahren treuer Dienste werden sie vom Menschen kaltherzig ausgemustert und gegen Hochleistungsrassen ausgetauscht. Der Blick richtet sich aber auch weit zurück in die Zeit, als sich Mensch und Tier entschlossen haben, eine Schicksalsgemeinschaft einzugehen. Man schätzt an die 12.000 Jahre, als die ersten Tiere domestiziert wurden, um unseren Vorfahren Milch, Fleisch und Wolle zu liefern, aber genauso bei der Jagd und bei der Arbeit behilflich zu sein.

Es stellen sich auch Fragen ein, zum Beispiel: Was wäre ohne Haustiere aus der Menschheit geworden? Gäbe es überhaupt eine Zivilisation ohne diese selbstlosen Begleiter unseres Aufstiegs?

Man könnte lange darüber diskutieren, wird aber immer wieder auf das Haustier als Basis des Fortschritts gelangen. Wie hätte man früher das Feld bestellt, hätten nicht Ochsen den Pflug gezogen, wie hätte man Kriege geführt ohne die Schnelligkeit des Pferdes? Und heutzutage, da wir Traktoren und Düsenjäger haben? Es gäbe kaum genügend Psychotherapeuten, hätten wir nicht für unser Selbstbewusstsein die treuen Augen eines Hundes und das weiche Fell einer verschmusten Katze, um angestaute Streicheleinheiten loszuwerden.

Kühe in Lebensgröße dominieren das Ausstellungsbild
Landesmuseum NÖ Logo 300

Statistik