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Was geschah mit Baby Jane? Szenenfoto © Sebastian David Lehner

Beindruckende Antwort auf die Frage Was geschah mit Baby Jane?

Christine Renhardt, Bettina Soriat © Sebastian David Lehner

Auf ewig ausgeliefert dem Hass aufeinander

Filmstars altern nicht, aber nur auf der Leinwand. Im Leben bleibt ihnen dieser Prozess ebenso wenig erspart wie allen anderen Mitmenschen, trifft sie offenbar aber viel schlimmer als diese, weil sie ständig ihre Jugend vor Augen haben. Für einen ehemaligen Kinderstar, der es später nicht viel weiter brachte als zu Nebenrollen, muss diese Erfahrung noch um einiges härter sein. Sie ist gepaart mit dem Versagen und der zumindest empfundenen Demütigung durch die Erfolgreichen. Wenn nun Ex-Filmdiva und Ex-Kinderstar Schwestern sind, steht gegenseitigen Bösartigkeiten nichts mehr im Wege. Der Romancier und Drehbuchautor Henry Farrell hat der ganzen Misere noch eins draufgesetzt, indem er die Filmschauspielerin an den Rollstuhl fesselt und sie damit hilflos dem Sadismus der ebenso gealterten wie krankhaft eifersüchtigen Schwester aussetzt. Das Ergebnis ist eine an sich ganz verständliche Frage: Was geschah mit Baby Jane? Es interessiert doch die ehemaligen Fans brennend, was aus der kleinen frechen Sängerin geworden ist, die seinerzeit die Massen mit einem Lied an ihren Daddy begeistert hat.

Susanne Pichler, Maksymilian Suwiczak © Sebastian David Lehner

Man sollte sich solche Erkundigungen ersparen, meint Farrell. Die Antwort ist nämlich meist ernüchternd bis gespenstisch. Vom kindlichen Charme ist oft nur das Infantile geblieben, das jedoch vor keiner Grausamkeit zurückschreckt, wenn es darum geht, wieder in die alte, längst verlorene Spur zurück zu finden.

Anna Nowak, Christine Renhardt © Sebastian David Lehner

Im Film „What Ever Happened to Baby Jane?“ von Robert Aldrich waren die beiden Schwestern Bette Davis und Joan Crawford. Crawford machte nach dem Erfolg dieses Streifens kein Hehl daraus, dass er ihrem Image als glamouröser Hollywoodstar immens geschadet hätte. Aber was tut eine mittlerweile beschäftigungslose Schauspielerin nicht alles, um wieder am Set zu sein und drehen zu können. Die beiden Darstellerinnen der Produktion im Theater Center Forum haben es diesbezüglich unvergleichlich besser.

Sowohl Christine Renhardt (Jane Hudson) als auch Bettina Soriat (Blanche Hudson) sind gern gesehene Darstellerinnen von anspruchsvollen Rollen auf den Bühnen Wiens. Das Gleiche gilt für Susanne Pichler, die als nachbarliche Schreckschraube Mrs. Bates die beiden Hudsons gehörig nervt, wie auch als klammernde Mutter ihren etwas unbeholfenen Sohn Edwin (Maksymilian Suwiczak) als Korrepetitor zu Jane schickt. Der erfrischende Gegenpol zur Feindseligkeit des weiblichen Alters ist Edna (Anna Nowak), das junge, an sich resolute Hausmädchen der beiden Schwestern.

 

Christoph Prückner gibt mit seiner Inszenierung eine beeindruckende Antwort auf die Frage, was mit Baby Jane geschehen ist. An den Seitenwänden tauchen die Geister der Vergangenheit auf: Die Gestalt des Vaters der beiden Frauen, ein Regisseur, der mit Zigarre und Bauch sehr an Hitchcock erinnert, die noch junge Blanche Hudson und deren ehemaliger Partner Martin.

Auf der Bühne dazwischen wird mit enormer Intensität gespielt. Der Psychokrieg zwischen den Schwestern schlägt sich auch dem Zuschauer gehörig auf den Magen. Das kindische Grinsen von Jane mit den Mascherln in ihrer Kinderfrisur wird zur hasserfüllten Fratze, die gegen das von Pein gezeichnete Gesicht ihrer querschnittsgelähmten Schwester Blanche makaber absticht, und das nicht einmal der kleine süße Schoßhund, der seinen Auftritt ganz großartig absolviert, entschärfen kann.

Christine Renhardt © Sebastian David Lehner
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