Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

PARTY FÜR EINE LEICHE Gänsehaut, die nachdenken lässt

Party für eine Leiche Ensemble © Österr. Theatergemeinde

Mord ist mehr als ein Spaß

Im Grund genommen ist Johanna ein Stümperin, glaubt aber in eitler Selbstüberschätzung, in Sachen Mord ein Profi zu sein. Sie ist Studentin, wohnt mit ihrer Freundin Charlotte irgendwo in Hamburg in einer hübschen Wohnung und hat den Drang in sich entdeckt, irgend einen x-beliebigen Menschen umzubringen. Natürlich muss es für sie der perfekte Mord sein, ganz ohne jedes Motiv, rein aus dem Bedürfnis heraus, das Gefühl, Herrin über Leben und Tod zu sein, in vollen Zügen auskosten zu können.

Die Truhe, die eine Hauptrolle spielt © Österr. Theatergemeinde

Eva, die hübsche Tochter des honorigen Professor Paulsen, wird als Opfer auserkoren und lässt sich auch strangulieren. Die Tote wird in eine Truhe verpackt, die das ganze Stück hindurch die Hauptrolle spielt. Prominent steht sie in der Bühnenmitte und wird zum Tisch und Themengeber für den Smalltalk einer lockeren Dinnerparty, die dem ganzen makaberen Geschehen noch eins draufsetzen soll. Eingeladen sind dazu die zwei Freundinnen Vera und Leila, der junge Dichter Tobias und der Vater von Eva, der natürlich keine Ahnung hat, dass sich seine geliebte Tochter in der Truhe befindet und sich an einer geerbten Bibliothek gütlich tut.

 

Der englische Schriftsteller Patrick Hamilton hat in seinem Stück „Rope“ die verqueren Gedanken einer Frau, die aus reinem Vergnügen an der eigenen Herausforderung einen Mord begeht, ursprünglich mit zwei Männern besetzt. Im Theater Center Forum wird daraus unter der Regie von Erich Martin Wolf eine „Damenstück“, eine „Party für eine Leiche“, die auf beeindruckende Weise Spannung mit Gänsehautgarantie und Nachdenken über die philosophischen Zugänge zum Mord verbindet.

 

Die einzelnen Darsteller sind ausgezeichnet ausgewählt. Anna Dangl ist eine hinreißend naive Vera, die dem eigentlich bösen Stück frische Komödientöne verleiht, ebenso wie Kerstin Raunig als Leila, die ebenfalls für unverbindliche Unterhaltung fernab vom Verbrechen sorgen soll. Thomas Bauer wundert sich zwar, dass er auf einer Truhe das Essen anrichten soll, kümmert sich aber, ganz englischer Butler, nicht um die wahren Hintergründe dieses merkwürdigen Auftrags. Professor Paulsen hat mit Michael Mischinsky die ideale Verkörperung des etwas lebensfremden Wissenschaftlers und doch liebenden Vaters gefunden. Tobias findet in Tobias, in diesem Fall mit Familiennamen Reinthaller, den wahren Grübler, der zuerst in philosophischen Höhenflügen leichtfertig über den Wert menschlichen Lebens urteilt, um im Lauf der Handlung zum gnadenlosen Rächer einer wahrhaft unschuldigen Toten zu werden. Hoffentlich ist damit nicht zuviel ausgeplaudert, spannend bleibt ja, ob der den Überredungskünsten von Johanna (Beate Gramer) widerstehen kann. Diese Frau verfügt über eine ungemein kalte Attraktivität, die jedem Mann den Kopf verdreht. Aber sie hat ihre Freundin Charlotte in der Person von Andrea Nitsche als Klotz am Bein, die sich in einem Mix aus schlechtem Gewissen und mangelnder Nervenstärke zusehends dem Alkohol ergibt. Damit bringt sie die pikfein ausgeklügelte Strategie der Spaßmörderin, fast möchte man sagen, absichtlich ins Wanken.

Offen bleibt bis ganz zum Schluss, ob die beiden es schaffen, die Leiche in der Truhe (Leonie Reiss stirbt in einem einleitenden Video einen eindrucksvollen Tod durch Strangulieren) rechtzeitig nach Lüneburg in Sicherheit zu bringen. Aber das wird hier wirklich nicht verraten. Um den Ausgang zu erfahren, hat man täglich außer So. und Mo. bis 29. April 2017 im Theater Center Forum in der Porzellangasse im 9. Bezirk noch genügend Gelegenheit.

Beate Gramer (Johanna), Andrea Nitsche (Chralotte), Tobias Reinthaller (Tobias) © Österr. Theaterge
Theater Center Forum Logo 600

Statistik