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Wer heiratet schon freiwillig Ensemble © Rolf Bock

WER HEIRATET SCHON FREIWILLIG und hat sogar noch Spaß?

Wer heiratet schon freiwillig Ensemble © Rolf Bock

Auch 150prozentige Ideen können in die (Unter)Hose gehen

Ein großer Maestro darf Allüren haben, zumindest ist Bernhard Nudel davon überzeugt. Sein Selbstbewusstsein überragt bei weitem die Intelligenz, die offenbar auch für einen guten Dirigenten nicht zu den lebensnotwendigen Talenten gehört. Der erste Geiger seines Orchesters, Tim Tomas, ist, abgesehen von mangelnder Klugheit, genau das Gegenteil: verklemmt und unterwürfig, vor allem aber leichtgläubig was seinen Chef betrifft. Just an dem Abend, als er in seiner schmucken Bleibe ein Date erwartet, das er sich mühsam über eine Heiratsannonce angelockt hat, taucht jener Bernhard Nudel mit seiner Freundin Karin Bach auf und nistet sich bei ihm ein. Dem kleinen Orchestermusiker erscheint es unmöglich, den angebeteten Dirigenten zu vertreiben, was dieser auch mit dem Hinweis auf die Niedrigkeit der sexuellen Gelüste von Tim Tomas deutlich macht. Nachdem es sich bei „Wer heiratet schon freiwillig“ (von Gerry Jansen) um eine übrigens köstliche Boulevardkomödie handelt, muss es zu einer unglaublichen Häufung von allzu komischen Missverständnissen kommen.

Ingo Paulick, Michael Mischinsky © Rolf Bock

So erscheint ein stotternder Installateur in Person von Karl Sack, der das ohnehin bestehende Durcheinander noch einmal kräftig aufmischt. Dass die Erwartete, die Russin Natascha Engel, eine Barfrau ist und dennoch ihr Herzensglück via Inserat sucht, fällt dabei schon unter den Tisch.

Beate Gramer, Michael Mischinksi, Adrian Kraege © Rolf Bock

Allein ihr Äußeres lässt in Bernhard abenteuerliche Pläne reifen, um die Schöne quasi in Ausübung des jus prima noctis für sich zu erobern, da ihn die SM-Spiele mit Karin scheinbar nicht mehr vollends befriedigen. Tausend dumme Ideen mit 150prozentiger Erfolgsgarantie sollen ihm dazu verhelfen. Es ist eine wahre Hetz, dabei zu sein, wenn der aufgeblasene Meister des Taktstocks den Überblick über die Partitur verliert und sich in der selbst komponierten Kakophonie verstrickt.

Schauplatz dieses Untergangs eines „Jahrhundertgenies“ ist das Theater Center Forum, ein verlässliches Haus für beste Unterhaltung. Regisseur Erich Martin Wolf hat für dieses Quintett aus weiblicher Raffinesse und männlicher Einfalt ein großartiges Ensemble zusammengestellt und lässt es, ganz im Gegensatz zu schlechten Dirigenten, einfach frisch drauf los spielen. Für die Rolle des Installateurs Karl Sack wurde Adrian Kraege engagiert.

Er hat es wunderbar drauf, so richtig anzüglich zweideutig zu stottern und dabei so blöd drein zu schauen wie einer, der einen ganzen Keller unter Wasser zu setzen versteht. Leila Müller im gefährlich kurzen Mini bleibt ihrem russischen Akzent auch in den turbulentesten Szenen treu, in denen ihre Natascha Engel zuschauen muss, wie dem geliebten Tim Tomas ein Rohr über den Schädel gezogen wird. Ingo Paulick ist der brave Geiger, der wie besessen seine Wohnung putzt, um nur ja einen guten Eindruck auf die Zukünftige zu machen, und dennoch auf die Schnapsideen (Wodka und Gin fließen reichlich) von Bernhard Nudel einzugehen. Michael Mischinsky ist der geborene Maestro und unverbesserliche Schürzenjäger, der allerdings seinen Namen französisch ausgesprochen haben will, so in der Art von Bernard Nüdél. Charmant entzaubert wird sein obskures Dirigat von Karin Bach (Beate Gramer), die mit großer Brille und toller Figur, vor allem aber mit Witz dem Ehemuffel nach seinen missglückten Eskapaden ein Eheversprechen abringt, ganz nach dem Motto: Wer heiratet schon freiwillig.

Ingo Paulick, Beate Gramer © Rolf Bock
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