Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Schnittmodell „AKW Zwentendorf“ © Technisches Museum Wien

ON/OFF Erzeugung, Verteilung und Speichern des Stroms

Photovoltaikanlage „smartflower POP“ © Technisches Museum Wien

Einfach hingreifen! Sie elektrisieren sich nicht, werden womöglich aber elektrisiert sein

Elektrischer Strom ist ein verlässlicher Begleiter unseres Daseins. Der Radiowecker mahnt uns mit flotter Musik zum Aufstehen, das Lamperl am Nachtkastl wird aufgedreht und die Kaffeemaschine filtert den Morgentrank, während der Fön die vom Duschen nassen Haare trocknet. Ohne elektrischen Strom wären allein die Morgenverrichtungen eine mühsame Sache, ganz zu schweigen, was während des Tages auf uns zukäme, hätten wir nicht alle die Arbeitsgeräte, die ohne Stromanschluss nichts als Ziergegenstände wären. Aber wie bei allen selbstverständlichen Dingen fragt man sich allzu selten, was dahinter steckt, woher sie kommen und wieso sie funktionieren. Der alte Witz, was brauchen wir Kraftwerke, der Strom kommt ja eh aus der Steckdose, hat nach wie vor seine Berechtigung. Das Technische Museum Wien richtet deshalb den Fokus einmal auf diese geheimnisvolle Kraftquelle, auf ihre Herkunft, auf deren Verteilung und auf die Möglichkeiten, etwas so flüchtiges wie elektrischen Strom in entsprechender Menge zu speichern.

Pelton-Turbine © Technisches Museum Wien

ON/OFF ist der kurze und prägnante Titel dieser neuen Dauerausstellung. Auf 500 m² werden die wichtigsten Fragen rund um das österreichische Stromnetz der Gegenwart und mutigerweise auch der Zukunft behandelt. Die Devise für den Besucher lautet: Hingreifen! Oder im aktuellen Museumssprech: Hands-On! Mitmachen, wenn es darum geht, komplizierte Sachverhalte spielerisch zu erarbeiten.

Hochspannungsleitung © Public Domain

Ein guter Teil der Ausstellung ist den heimischen Querelen um die Erzeugung dieses Wundersafts gewidmet. Auhirsch, flankiert von Schwarzstorch und Eisvogel erinnern an die legendären Kämpfe um die Stopfenreuther Au. Dort sollte ein Kraftwerk entstehen, das die Naturschützer verhindern wollten. Die Bevölkerung war damals zweigeteilt, ebenso wie später bei Zwentendorf, das als eine der teuersten, aber nichts desto weniger sichersten Reaktor-Ruinen das Tullnerfeld ziert.

An einem Modell kann man in das Möchtegern-Atomkraftwerk hineinschauen und über die angeblich so saubere Technik staunen, die sich in der Zwischenzeit allerdings als global zerstörerisch herausgestellt hat, man denke nur an Tschernobyl. Derlei Auseinandersetzungen leben in der Gegenwart fort und werden auch in Zukunft diskutiert werden. Heute sind es eben Windräder, die nicht jedem Auge zum Wohlgefallen dienen und in den windigsten Gegenden für stürmische Bürgerproteste sorgen. Das Museum selbst geht mit gutem Beispiel voran und hat an der denkmalgeschützten Südfront Sonnenkollektoren und eine Smartflower angebracht. Die Smartflower dreht sich mit der Sonne und erzeugt auf kreisrunden 18 m² genug Strom für den bestimmt nicht unbeträchtlichen Eigenbedarf des Hauses. Gegen diese hübsche „Blume“ nehmen sich die ebenfalls gezeigten Stromerzeuger wie Pelton-Laufrad, Kaplan- und Gasturbine wahrhaftig wie Dinosaurier aus, die allerdings nach wie vor den größten Teil unserer elektrischen Energie liefern.

An einem „Spieltisch“ nimmt der Besucher die Verteilung von Strom selbst in die Hand. In verschiedenen Schwierigkeitsgraden hat man mit Zu- und Wegschaltung von Kraftwerken den Verbrauch so zu regeln, dass die Kunden zufrieden sind, was sich am Ende jedes Spiels in Prozentpunkten ausdrückt. Ob man dabei auch an Umspannwerke und Hochspannungsleitungen denkt, ohne die es keinen Stromtransport gäbe?

 

An Modellen, die der Besucher selbst einschalten soll, wird auch die Problematik der Speicherung von Strom dargestellt. Was macht ein Kraftwerk, das zuviel erzeugt? Es pumpt mit dem Überschuss beispielsweise Wasser in einen hochgelegenen Speicher zurück. Angedacht sind auch andere Technologien, und Ideen sind durchaus erwünscht. Nicht zufällig ist dieser Teil der Ausstellung als Black Box gestaltet, gehüllt ins Dunkel einer ungewissen Zukunft, in der wir aber ebenso frisch drauflos wie jetzt den Schalter On/off betätigen werden und uns die gewünschte Leistung aus der Stromleitung erwarten dürfen.

An dieser interaktiven Station kann die Effizienz unterschiedlicher Wind¬räder erprobt werden © TMW
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