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„Die Wirtin“: Peter Turrinis Verbeugung vor Carlo Goldoni

Die Wirtin Ensemble © Foto aus dem Programmgheft

Diese Unschuld, diese Tugend, diese Beine!

Mirandolina hält sich an ein altes Florentinisches Sprichwort: „Selbst ist die Frau!“, was sie aber nicht davor bewahrt, selber auf die Nase zu fallen. Bis es aber so weit ist, wird eine ganze Reihe von Männern ordentlich zerzaust. Das Resümee: Es gibt keine Guten, weder in der männlichen, noch in der weiblichen Hälfte der Menschheit. Carlo Goldoni hat diese Erkenntnis zu „La locandiera“ inspiriert (uraufgeführt in Venedig 1753). Erzählt wird darin die Geschichte der Wirtin Mirandolina, die von unterschiedlichsten Männern umschwärmt wird, aber (heutzutage verständlicherweise) der Meinung ist, dass sie selbst die Wahl treffen könne. Ein verarmter Marchese und ein stinkreicher Graf buhlen ebenso um sie wie der Kellner, ein kleiner, jedoch ungemein listiger Gauner. Jeder von den dreien hat dafür so seine guten Gründe. Der Marchese sieht das Geld der Frau und prahlt mit seiner Möglichkeit zu Protektion. Der Graf will der in jeder Beziehung bestens gestellten Frau an die Wäsche und wirft dafür mit Zechinen um sich. Fabrizio, der Kellner, will schlicht und einfach Wirt und damit Herr im Hause werden.

Gabriele Schuchter (Mirandolina) © Foto aus dem Programmheft

Als Draufgabe mischt sich ein schrulliger Cavaliere ins Geschehen. Er hasst die Weiber, nennt sie sogar eine Krankheit, vor der sich jeder vernünftige Mann hüten sollte. So einer muss ein Vollweib wie Mirandolina reizen, bis zum eigenen Sündenfall, der in einer überraschenden Wendung aus der Siegerin ein Opfer ihres Selbstbewusstseins macht.

Franz Suhrada (Graf von Fortinpopoli), C. Spatzek (FAbrizio Venturrini) © Foto a.d. Programmheft

Peter Turrini hat den Stoff 1973 aufgenommen und die unterhaltsamen Gehässigkeiten zwischen den Geschlechtern in „Die Wirtin“ sprachlich auf die Spitze getrieben. Christian Spatzek, Prinzipal der Theater Sommers Parndorf und Mauer, hat heuer Turrinis Fassung in einer allseits stimmigen Inszenierung auf die Pawlatschen gestellt (Schauplatz in Mauer ist der Hof im Alten Rathaus an der Speisinger Straße). Mit ein paar genialen Kunstgriffen werden das Florenz des 18. Jahrhunderts und die Gegenwart ineinander verquickt.

Die Kostüme (Barbara Langbein) sind historisch, vertragen aber bestens den zeitgemäßen Text eines Turrini. Das Pünktchen auf dem i sind die Monologe, die von den Hauptfiguren in Prosa zur Begleitung eines Keyboards gesungen werden (Musik und Lieder: Peter Uwira).

 

Für ein solches Unterfangen braucht man das entsprechende Ensemble. Christian Spatzek, diesbezüglich ein alter Hase, hat es gefunden. Gabriele Schuchter verdreht als resche Wirtin Mirandolina den Herren um sich den Kopf bis zu deren Lächerlichkeit. Zwei Schauspielerinnen (Linde Prelog und Irene Budischowsky), die vom Kellner für die beiden adeligen Anbeter seiner Herrin engagiert werden, spielen rührend ihre Unkenntnis im Umgang mit Edelleuten aus. Allein schon deswegen genießen sie die Sympathien von Wirtin und Zuschauern.

 

Fehlen nur mehr die Herren: Ein bereits sehr gebrechlicher, aber angesichts seines Alters erstaunlich geiler Marchese von Albafiorita ist Bernd Spitzer.

Sein mit ekelhaftem Reichtum prahlender Konkurrent, Graf von Fortinpopoli, wird durch Franz Suhrada zum verdienten Träger jener Schadenfreude, die als gerechte Strafe für solcherlei Benimm vorgesehen ist. Der Frauenfeind Cavaliere von Rippafratta hat im stimmgewaltigen Georg Kusztrich die ideale Besetzung gefunden. Dieser Mann behält seine überhebliche Steifheit sogar in dem Moment bei, als er stockbesoffen den erotischen Verlockungen der Wirtin zu erliegen droht. Ob einer von ihnen Chancen gegen den durchtriebenen Kellner Fabrizio hat, der allein von seinem Familiennamen Venturrini her vom Autor bevorzugt wurde, wird nicht verraten. Diese Rolle hat Christian Spatzek sich selbst vorbehalten, trotz der Doppelbelastung als Intendant und Schauspieler. Bis zum letzten Augenblick vor der Aufführung organisiert er für die zahlreich anströmenden Zuschauer ausreichend Sitzplätze, um unmittelbar darauf, noch an seinem Kostüm nestelnd, mit Neapolitanischem Temperament seine Mitbewerber und eventuell auch die Wirtin aufs Kreuz zu legen.

Georg Kusztrich (Cavaliere von Rippafratta), G. Schuchter (Mirandolina) © Foto aus dem Programmheft

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