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Ausstellungsansicht Lawrence Alma-Tadema – Dekadenz & Antike Foto: © Belvedere, Wien 2017

LAWRENCE ALMA-TADEMA Ein Niederländer im Viktorianischen England

Lawrence Alma-Tadema, The Roses of Heliogabalus, 1888 Colección Pérez Simón, Foto: © Piera, Arturo

Der Maler unseres Bildes von der Antike

Der erste Moment ist ein Schock. Über die Wände es Unteren Belvedere ziehen sich Reihen schwülstiger Antikendarstellungen. Der Gestus der auf den Bildern handelnden Personen erscheint gekünstelt pathetisch und deren Umgebung wie eine überbordende Ansammlung römischer und ägyptischer Ruinen. Es sind Gemälde, die man sehr gerne im Fach romantisierender Kitsch verstauen möchte. Bei einem genauen Blick auf die einzelnen Bilder beginnt sich das Vorurteil jedoch rasch in der elegant gedämpften Atmosphäre der barocken Räumlichkeiten aufzulösen. Die Malerei ist meisterlich, Licht und Schatten sind genial aufgeteilt, die Farben harmonisch gesetzt und vor allem die Stofflichkeit der gemalten Materialien faszinierend natürlich. Noch ist es der Inhalt, mit dem die Augen eines mit der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts vertrauten Betrachters hadern.

Lawrence Alma-Tadema, A Votive Offering, 1873

Aber irgendwann erinnert man sich, Ähnliches vom jungen Gustav Klimt gesehen zu haben, von Hans Makart gar nicht zu sprechen. Fast beschämt leistet man Abbitte für die anfängliche Ablehnung, wenn im letzten Raum Ausschnitte aus den Filmen „Quo Vadis?“ von Enrico Guazzoni und von Ridley Scotts „Gladiator“ ablaufen.

Die Regisseure haben sich ohne Genierer an diese Darstellungen des Alten Rom gehalten und es auch zugegeben. War man bis jetzt vielleicht überzeugt, dass es dort eben so ausgehen hat wie man es im Film gesehen hat, kennt man nun den Urheber dieses Bildes der Antike. Er heißt Lawrence Alma-Tadema, dem das Belvedere mit dieser Ausstellung eine umfangreiche Personale widmet, die zweifellos das Zeug zum sensationellen Publikumserfolg hat.

Lawrence Alma-Tadema, The Finding of Moses, 1904

Lourens Alma Tadema wurde 1836 in der niederländischen Provinz Friesland geboren. Gestorben ist er als Sir Lawrence Alma-Tadema 1912, als hoch geachtetes Mitglied der Royal Academy, von Königin Victoria zum Ritter geschlagen und als Träger des von Edward VII. gegründeten äußert exklusiven „Order of Merit“. Dazwischen lag ein Leben, das abgesehen von einigen wenigen Rückschlägen durchwegs von Erfolgen gekrönt war. Er lebte seinen Traum von der Antike mit seiner zweite Frau Laura Alma-Tadema. Sie war sein Modell und selbst eine großartige Malerin.

Lawrence Alma-Tadema, Coign of Vantage, 1895 Foto: © Collection of Ann and Gordon Getty

Ihre Werke werden ebenfalls im Rahmen dieser Ausstellung gezeigt. Lawrence Alma-Tadema hatte sich ein umfangreiches historisches Wissen um diese Zeit zugeeignet, besuchte mit der Gattin archäologische Ausgrabungsstätten und schuf sich mit den von diesen Reisen mitgebrachten Objekten und Möbeln in seinen Häusern die ideale Kulisse für seine Historiengemälde. Mit seiner „archäologischen Genremalerei“ erweckt Alma-Tadema die antiken Säulen und Statuen zu einem idealisierten Leben, bevölkerte sie mit ausnahmslos schönen Menschen und erlaubt damit dem Betrachter eine realistische Vorstellung dieser Epoche. Man hat es ihm gedankt, nicht zuletzt durch die für damalige Verhältnisse sagenhaft hohen Preise, die für seine Werke gerne bezahlt wurden.

Keine Frage, seine Bekanntheit hat sich bis jetzt zumindest in unseren Landen in Grenzen gehalten. Aber für ein solches Manko gibt es eben rührige Kuratoren wie Alfred Weidinger, die von der Bedeutung eines solchen Werks überzeugt sind und neben der Gestaltung einer Ausstellung auch das Wissen um die Kunstgeschichte diesbezüglich erweitern. Nach „Schlafende Schönheit“ 2010 bietet „Dekadenz & Antike“, so der Untertitel der aktuellen Ausstellung, Gelegenheit, die damaligen Forschungsansätze im Belvedere zu erweitern.

Zur Vertiefung gibt es selbstverständlich auch einen Katalog, der in Ausführlichkeit und Umfang der Üppigkeit der Ausstellung durchaus adäquat ist. In vier großen Abschnitten wird das Leben, Wirken und der Einfluss Alma-Tademas auf die Kunstgeschichte dargelegt, nicht zuletzt als ein Plädoyer für einen Künstler, dessen Genie sich selbstbewusst gegen alle möglichen Strömungen in der Malerei seiner Zeit letztlich doch durchgesetzt hat.

Lawrence Alma-Tadema, Unconscious Rivals, 1893 Foto: © Bristol Culture, Bristol Museum and Art G.
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