Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Daniel Gran Autora im Triumphwagen © Belvedere Wien

MARIA THERESIA UND DIE KUNST Frei und unverbildet

Maria Theresia und die Kunst Ausstellungsansicht © Belvedere Wien/Johannes Stoll

Eine Förderin der zeitgenössischen Kunst – aus Geldnot

Die Habsburger galten als die Kunstsammler schlechthin. Politische Umstände erlaubten es ihnen, Werke der großen Flamen und Niederländer nach Wien zu schaffen und damit den Grundstein für das heutige Kunsthistorische Museum zu legen. Maria Theresia hatte diesbezüglich nur sehr eingeschränkt Ambitionen. Das Geld war knapp, es mussten teure Kriege geführt und ein Reich in seinen Strukturen gründlich umgebaut werden. Das heißt jedoch nicht, Maria Theresia den Kunstsinn abzusprechen. Sie entschied sich für die günstigere Variante und beauftragte zeitgenössische Künstler. Dass sie damit, wie in vielen anderen von ihr initiierten Reformen, eine Win-win Situation schuf, mag ihr selbst gar nicht bewusst gewesen sein. Man sagt ihr einen freien- und unverbildeten Zugang zur Kunst nach, der durchaus auch unkonventionelle Lösungen ermöglichte. Unter ihrer Regentschaft kamen Maler, Bildhauer und Architekten zum Zug, die damit der Kunst neue Wege eröffnen konnten.

C. Hirsch d.J. Der Krönungsritt Maria Theresias in Pressburg © Galéria Mesta Bratislavy

Durch Aufträge von allerhöchster Stelle befreiten sie sich erfolgreich vom Althergebrachten und trafen dennoch den Geschmack des Kaiserhauses. Dazu kam der Umstand, dass der Sommersitz von Prinz Eugen, das Schloss Belvedere, zum Verkauf angeboten wurde.

Es wurde von Maria Theresia erworben. Nachdem die Hofstallungen für die Sammlungen zu klein geworden waren, wurde der habsburgische Kunstbesitz ins Belvedere transferiert. Dort wurde er von dem dafür engagierten Direktor Joseph Rosa in einer völlig neuen, der Aufklärung und Vermittlung von Kunstgeschichte verpflichteten Art, präsentiert und spätestens seit 1780/81 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Damit war eine Einrichtung entstanden, die, wie es in der Pressburger Zeitung vom 21. Dezember 1776 heißt, „wohl die erste von Europa mit allem Recht genannt werden dürfe.“

Friedrich Heinrich Füger Kaiserin Maria Theresia im Kreise ihrer Kinder © Belvedere Wien

Welche Art von Kunst braucht eine Monarchin eigentlich? Im Vordergrund stehen natürlich die Porträts. Jede von sich überzeugte Persönlichkeit ist auf Memoria angewiesen, also auf das ehrende Andenken, wenn bereits die Nachgeborenen auf dem Thron sitzen. Balthasar Ferdinand Moll wurde mit der Arbeit an den Sarkophagen in der Kaisergruft beauftragt. Er war in Kreisen der Hocharistokratie bestens bekannt und sehr geschätzt und wurde dem Vertrauensvorschuss mehr als gerecht. Er erfüllte, so heißt es im Katalog zur Ausstellung, mit der prachtvollen Aufmachung seiner Werke sichtlich alle Erwartungen und Ansprüche Maria Theresias an die offizielle Bildhauerkunst.

Johann Christian Brand Laxenburg von der Schneiderau gegen Mödling © Belvedere Wien

Martin van Meytens d. J. wurde zum Lieblingsporträtisten Maria Theresias, wie Georg Lechner, Kurator der Ausstellung MARIA THERESIA UND DIE KUNST im Unteren Belvedere (bis 5. November 2017) feststellt. Er malte Maria Theresia bereits als Kind, zu sehen auf dem Familienporträt mit ihrem Vater Karl VI. Er blieb beinahe vier Jahrzehnte ihr Wegbegleiter und wurde zum Schöpfer der berühmtesten Bildnisse dieser Herrscherin und Landesmutter, wie sie heute auf uns gekommen sind.

Posthume Darstellungen von Kaiser Ferdinand I. und Kaiser Matthias hängen den beiden nach dem Leben gemalten Konterfeis von Kaiser Franz I. und Maria Theresia als König (sic!) von Ungarn gegenüber. Die Personen selbst sind mit allen ihren Attributen penibel ausgeführt, der Hintergrund jedoch mutet ungemein modern an, mit wallenden Farbflächen als Andeutung von wehenden Fahnen und einem Baldachin.

Franz Xaver Messerschmidt Franz I. Stephan © Belvedere Wien

Maria Theresias Gatte Franz Stephan von Lothringen hatte als überaus feinsinniger Mensch in dieser Beziehung mit Sicherheit das bessere Urteilsvermögen als seine Frau. Es bedürfte wohl eingehender Forschungen, wie weit sich die beiden Eheleute diesbezüglich beeinflusst haben. Das Resultat benötigt jedoch keine Zuordnung, wer was wann entschieden hat. Fest steht lediglich, dass durch den Frieden von Aachen 1748 die Herrscherrechte für Maria Theresia (sie war niemals Kaiserin, das war ihr Gatte und später Sohn Joseph II.) bestätigt wurden. Es folgten Zeiten höfischer Lustbarkeit, die in der Leidenschaft für die Jagd gipfelten. Einer der Lieblingsplätze des Hofes war die Gegend um das alte Schloss Laxenburg südlich von Wien. Für dessen Ausstattung mit Jagdveduten wurde der junge Wiener Maler Johann Christian Brand (1722-1795) verpflichtet.

Er hielt das Geschehen in einer realen Landschaft fest. Es handelt sich damals durchaus um ein Novum. Brand schuf damit gemalte Zeitzeugen, aus denen die Entwicklung einer Gegend wie des Wiener Beckens auf romantische Weise sichtbar wird. Wenn gerade kein kaiserlicher Jäger durchs Bild reiten musste, ließ Brand seinen Vorstellungen von Landschaftsmalerei freien Lauf.

Dann scheute er auch nicht davor zurück, Schloss Hof vom Thebener Kogel aus hinter einem wilden Steinbruch nahezu verschwinden zu lassen. Brand hatte sich damit entschieden von der Wunschvorstellung einer idealen Landschaft gelöst und der Wirklichkeit Raum gegeben und damit einer Kunstgattung dank der Aufträge Maria Theresias zu einem kaum abschätzbar großen Sprung nach vorne verholfen.

Balthasar Ferdinand Moll Szene aus dem Leben Maria Theresias Blei Zinn © Belvedere Wien
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