Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Fürstin vom Weinberg Ensemble © Rolf Bock

DIE FÜRSTIN VOM WEINBERG Wachauer G´schichten

Soffi Schweighofer, Marcel-Philip Kraml © Rolf Bock

Wie in Weißenkirchen die Revolution niedergeliebt wurde

Die Aufregung ist groß. Angesagt ist ein (möglicher) Besuch der jungen Sisi, die auf dem Weg von Possenhofen nach Wien auch in Weißenkirchen Station machen könnte. Wir schreiben das Jahr 1854, knapp sechs Jahre, nachdem im Kaiserreich eine Revolution in die Hosen gegangen war. Die reaktionären Mächte waren wieder erstarkt und allerorten fanden sich Leute, die für etwas Einfluss und Geld dem Kaiserhaus Spitzeldienste leisteten. Auch die Wachau war davon nicht verschont geblieben.

Die Fürstin vom Weinberg Ensemble © Rolf Bock

 Solche Typen gab´s und wird´s immer und ewig überall geben. Die Bevölkerung selbst war eher dem Kaiser zugetan. Man war scheinbar weit vom Schuss und konnte sich eigenen, weltpolitisch weniger interessanten Problemen widmen. Im konkreten Fall waren es die Erstellung eines Zeremoniells für den hohen Besuch, das für den Bürgermeister von Weißenkirchen, vor allem für dessen Frau eine gewaltige Herausforderung darstellte, und das Ableben des größten Grundbesitzers im Ort. Drehscheibe des Gedankenaustausches war das Wirtshaus.

Geführt wird es von einer reschen Junggesellin mit lediger Tochter. Dass der potentielle Erbe, ein Schriftsteller aus Wien, ein Revoluzzer ist und dessen Freund ein Maler, die in diese Idylle einbrechen, sind feine historische Details. Damals wurde die Wachau tatsächlich von der Wiener Kulturszene als Zeitkapesel entdeckt, als ein Ort, in dem die Zeit stehen geblieben war, mit alten romantischen Häusern und freundlichen Menschen, die sich auf den pittoresken Terrassen dem Weinbau widmeten.

Verena Scheitz, Rudi Larsen © Rolf Bock

Peter Hofbauer und seine Tochter Florentina haben daraus ein herzliches Stück Theater geschrieben, eben „Die Fürstin vom Weinberg“, keine adeligen Dame, sondern jene Wirtin mit dem bürgerlichen Namen Regina Fürst. Verena Scheitz gibt ihr die Bodenständigkeit einer selbständigen Frau und gleichzeitig das bisserl Verschämte einer Mutter, die den Vater ihres Kindes nicht nennen will.

Andreas Sauerzapf, Marcel-Philip Kraml © Rolf Bock

Das nicht ganz zufällig auf den Wachauer Vornamen Marilli (Mariella) getaufte Mädchen (Anna-Sophie Krenn) neigt zur Bigotterie und fühlt sich zum Pfarrer hingezogen. Felix Kurmayer mit Soutane und Birett macht wahrlich gute Figur als Hochwürden, dem seine zum Teil im wahrsten Sinn des Wortes Pfarr(er)kinder auch in schwerer Zeit vertrauen können. Er sitzt, wenn´s sein muss, mit dem Bürgermeister (Stephan Paryla-Raky als Karl Zottl, den man sofort wieder wählen würde) beim Weine.

Frau Bürgermeister ist Leila Strahl, der das Autorenduo eine urbane Herkunft zugedacht hat. Mit Grandezza bemüht sie sich, den braven Weißenkirchnern einen Hauch von städtischer Kultiviertheit beizubringen und reüssiert gleichzeitig als deren Retterin. Es gibt nämlich noch den Bösewicht, den finsteren Hermann Miesbauer (Rudi Larsen) aus Spitz, der jede noch so unbedeutende Kleinigkeit wider den Kaiser anzeigt und gleichzeitig seine Niederlage bei der Wirtin nicht verschmerzen kann.

Dpe Fürstin vom Weinberg Ensemble © Rolf Bock

Für ihn ist das Auftauchen von Franz Federspiel, dem freidenkerischen Neffen des Verblichenen, ein gefundenes Fressen. Von seinem üblen Treiben kann ihn auch die großartige Stimme von Andreas Sauerzapf nicht ablenken. Der beste Freund vom Federspiel ist nicht nur im Glas sondern auch als Mensch ein Smaragd. Ferdinand Smaragd (Marcel-Philip Kraml) ist der Maler, der nicht nur die Landschaft, sondern auch das Bürgermeistertöchterl Sophie (Soffi Schweighofer) liebgewonnen hat.

Diese musikalische Komödie ist den Darstellern also auf den Leib geschrieben. Für die Bühne hat Martin Gesslbauer stimmungsvolle Ortsansichten des Wachaumalers Erich Giese als Kulissen verwendet und damit eine Verbeugung vor dem Originalschauplatz Weißenkirchen gemacht. Mit der Nähe der blauen Donau lagen als Musik die Melodien der Straußdynastie auf der Hand.

Das Zusammenspiel von eingespielten Walzern, der Klavierbegleitung von Elena Gertcheva und den Gesangssolisten hat bei der Premiere noch nicht so recht geklappt, aber ausnahmslos alle Beteiligten haben mit Verve diese kleinen Probleme gemeistert. Intendant und Regisseur Marcus Strahl hat damit auch heuer den Wachaufestspielen ein Stück geschenkt, das einem so recht das Herz aufgehen lässt, und damit einmal mehr die Überzeugung stärkt, dass ein Ausflug in die Wachau Labsal für Körper, Geist und Seele ist.

Stephan Paryla-Raky, Soffi Schweighofer © Rolf Bock
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