Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Rita Peterl, Matjaž Stopinšek, Christiane Marie Riedl, Thomas Weinhappel © www.christian-husar.com

MADAME POMPADOUR Wiener Operette im Pariser Rokoko

Madame Pompadour Ensemble © www.christian-husar.com

Die Mätresse und ihr Möchtegernliebhaber im Badener Musenstall

Was macht ein König wie Louis XV., wenn seine Bettgefährtin auf Abwege gerät? Ganz einfach, er lässt den Liebhaber hinrichten. Dass es nicht dazu kommt, dafür sorgt freundlicherweise die Dame, die nicht nur in der Politik, sondern sogar über die Eifersucht des Monarchen entsprechend Einfluss auszuüben vermag. Dazu muss der König natürlich ein Trottel sein, der seiner Geliebten einfach alles, auch jeden noch so haarsträubenden Unsinn glaubt. Die beiden Librettisten Ernst A. Welisch und Rudolph Schanzer haben aus dieser Liaison für den Komponisten Leo Fall die Textvorlage einer Operette gemacht und damit Geschichte geschrieben. Madame Pompadour, an sich eine Angelegenheit der Franzosen, ist damit auch in unseren Landen ein Begriff geworden, der weit über die historische Figur hinausgeht. Erstaunlicherweise wird diese an sich machtgierige und gefährliche Dame zu einer sympathischen, liebesbedürftigen Frau, der man es gönnen möchte, dass heut einer sein Glück bei ihr machen könnte.

Maria Penyaz, Tiago Augusto Mendes Silva © www.christian-husar.com

Wenn es sich noch dazu um einen Feschak wie Graf d´Estrades René handelt, ist man beinahe enttäuscht, wenn dieser zuletzt gestehen muss, dass es nichts mit der Liebesnacht geworden ist. Dazu kommt die Hetz, den dümmlichen königlichen Hofschranzen dabei zusehen zu können, wie sie sich zwar schläuer dünken, aber am Schluss die Blöden sind, oder wie der Poet Calicot von der als Frau des Potiphar verkleideten Pompadour zum Schlager „Joseph, ach Joseph, was bist du so keusch?“ entkleidet wird und in eine Kiste flüchtet.

Madame Pompadour Chorensemble ©  	www.christian-husar.com

Das an sich selten aufgeführte Werk (wenn man das bei einer Operette heutzutage überhaupt noch sagen kann) ist vor allem musikalisch immer wieder eine Entdeckung wert. Leo Fall hat auf breite Melodiebögen verzichtet, die Orchester-Tutti erfrischend durchsichtig gesetzt und ist zu einer Zeit (Uraufführung 1922), als viele Kompositionen bereits in abenteuerliche Klangsphären vorgedrungen sind, der klaren harmonischen und ansprechenden Form dieses Genres treu geblieben.

Das Orchester der Bühne Baden unter Oliver Ostermann trägt dieser Tatsache dankenswerter Weise Rechnung. Es wird fein musiziert, die Klangfarben der Instrumente kommen wunderbar zur Geltung und der Zuhörer weiß wie beim Wagnerschen Leitmotiv sofort Bescheid, was im nächsten Moment auf der Bühne passieren wird. Die Melodien sind freilich für die Sänger eine Herausforderung. Wenn aber wie in Baden die Besetzung stimmt, wird ein Abend mit der Pompadour zum Vergnügen.

In der Inszenierung von Volker Wahl und Michaela Ronzoni taucht man bei Wiener Musik ein in die Pracht des Rokoko am Französischen Hof. Gleichzeitig begegnet man aber auch dem niederen Volk an der Klagemauer direkt neben dem Musenstall, einem berüchtigten Pariser Lokal (Ausstattung: Stefanie Stuhldreier). Chor (Leitung: Michael Zehetner) und Ballett (Choreographie: Michael Kropf) fühlen sich sowohl dort unten als auch als Gesellschaft zu Hofe ausgesprochen wohl.

Artur Ortens (Maurepas), Robert R. Herzl (Poulard) © www.christian-husar.com

Christiane Marie Riedl als Kammerzofe Belotte und Thomas Weinhappel als Dichter Joseph Calicot (Die Pom-, die Pom-, die Pompadour ist eine schöne Ha-Ha-Ha) sind das Buffopaar, wobei Weinhappel seine Rolle glaubwürdig als moralischen Revoluzzer anlegt und dem Spaß damit sogar eine Ahnung von Tiefe gibt. Nicht ganz so einfach hat es Ralf Simon. Er soll als König Louis XV. ein absoluter Herrscher, ein Weiberheld und zugleich geistig beschränkt sein. Simon hält es wie sein Polizeiminister Maurepas (Artur Ortens) und dessen Spitzel Poulard (Robert R. Herzl).

Er hält sich aus dem Klamauk, der in diesen Rollen geboten wäre, größtenteils heraus, ebenso politisch clever der österreichische Gesandte Graf Kaunitz (Robert Sadil). Verlässlich komisch ist Beppo Binder, der als Hauhofmeister und Meldeamt auf zwei Beinen im innersten Kreis des Hofes den ganz Wichtigen mimt. Madeleine, Gräfin d´Estrades, hat mit Rita Peterl eine Idealbesetzung gefunden. Sie schafft es mit Leichtigkeit, sich in den Händen der Pompadour von der Landpomeranze in eine Hofdame zu verwandeln. Die Pompadour selbst wird souverän von Bea Robein gesungen und vor allem auch dargestellt. Die Wärme ihrer Stimme entspricht so ganz der von ihr sehr herzlich interpretierten Marquise. Matjaž Stopinšek ist ein René, dem man mit Wonne zuhört, wenn ihm der Komponist Gelegenheit gibt, seinen Tenor in der Höhe strahlen zu lassen. Kein Wunder, dass sich die Pompadour Knall auf Fall in ihn verliebt und ihn als zwangsrekrutierten Soldaten umgehend zum Tete-A-Tete in ihrem Boudoire abkommandiert.

Bea Robein (Marquise de Pompadour), Matjaz Stopinsek (René) © www.christian-husar.com

Der Carneval in Rom Ensemble © www.christian-husar.com

Es lebe das Leben und DER CARNEVAL IN ROM

Michael Fischer (Toni), Jerica Steklasa (Marie) © www.christian-husar.com

Durchaus geglückte Neubearbeitung einer beinahe vergessenen Operette von Johann Strauß

Die Musik geht einem runter wie Öl; man badet richtiggehend in den Melodien von Johann Strauß. Sie sind zwar keine Ohrwürmer, aber sie sind gefällig und kunstvoll, und man wundert sich, warum diese Operette so selten auf dem Spielplan steht. In Baden war es der scheidende Direktor Sebastian Reinthaller, der damit ein persönliches Anliegen verwirklicht hat, nicht zuletzt deswegen, weil ihm die Hauptfigur, der Maler Arthur Bryk, Gelegenheit gibt, sein ganzes Repertoire angefangen vom Herzensbrecher mit strahlender Tenorstimme bis zum Komödianten auszuspielen, der seiner Angebeten ein teures Armband schenken will und dafür anstatt mit dem Verkauf seiner Bilder als Kapuziner verkleidet mit gefälschten Reliquien aus dem Heiligen Land Geld zu machen versucht. Im Gegensatz zur Musik ist die Handlung, besser gesagt das Libretto eines gewissen Josef Braun alles andere als ein Meisterwerk, ebenso wenig wie die Gesangstexte von Richard Genée, der ein Jahr später mit der Fledermaus Musik- und Literaturgeschichte geschaffen hat.

Ballett der Bühne Baden © www.christian-husar.com

Letztendlich kümmern sich aber die wenigsten Zuschauer um die innere Logik eines Stückes, wenn sie vom Gefühl und Tempo der Aufführung mitgerissen werden. Genau dieser Effekt dürfte auch bei der Premiere am 17. Dezember 2016 im Stadttheater der Bühne Baden eingetreten sein. Der Begeisterung an der von Monika Steiner behutsam inszenierten Operette wurde mit etlichen Bravo Rufen und sattem Applaus deutlich Ausdruck verliehen.

Einen der überzeugendsten Gründe dafür lieferte wohl die Gräfin Falconi. Barbara Payha ist, falls das Kostüm es zulässt, eine attraktive Frau, die mit einem Zwinkern und einem Lächeln den Männern den Kopf verdreht und den ihres Gatten (Stephen Chaundy als rührender Hahnrei) mit einem Geweih verziert. Zudem zeigt diese Frau, was ein großer Sopran aus einer Buffo-Rolle machen kann und präsentiert beeindruckende Koloratur in einer Nummer, die schon 1873 für Marie Geistinger eingeschoben worden war.

Sebastian Reinthaller (Arthur Bryk), BArbara Payha (Gräfin Falconi) © www.christian-husar.com

Stets unterhaltsam sind auch die beiden Maler Robert Hesse (Sebastian Huppmann) und Benvenuto Rafaeli (Beppo Binder), die als ungleiches Paar – der eine kann und will, der andere kann und will nicht malen – sowohl im Kärntner Bergdorf wie auch in der Ewigen Stadt ihr heiteres Unwesen treiben. Aber nebenbei sie verhelfen auch der lieben Marie (Jerica Steklasa) zur Romreise. Da hat sich doch glatt dieses Landmädchen in den großen Maler Arthur Bryk verliebt und denkt, er wird sie heiraten. Warum sie in ihrem Heimatdorf wie eine Heiligenfigur in weißem Kleid und Blumenkranz im Haar auftritt, erklärt sich eben so wenig wie die Tatsache, dass sie, obwohl von Bryk einst porträtiert, dieser sie in einer einfachen Verkleidung als Bursch nicht erkennt. Steklasa hat keine mächtige Stimme, aber eine hübsche, auf die man eben hinhören muss, und da sie noch jung ist, in Zukunft noch gerne hinhören wird.

Das Ballett war ein wunderbarer Begleiter der Ereignisse, ebenso wie der Chor, der in verschiedensten Aufmachungen, von der ländlichen Hochzeitgesellschaft bis zu den feierwilligen Römern, die von Friedrich Despalmes gelungen ausgestattete Bühne bunt belebte. Das Orchester unter Franz Josef Breznik muszierte diesen Strauß mir viel Wärme, dennoch klar durchsichtig und machte auf seine Weise eventuelle kritische Gedanken zum Inhalt völlig vergessen.

B. Binder (Benvenuto Rafaeli), K. Raunig (Sofronia), S. Huppmann (Robert Hesse) © christian-husar
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