Kultur und Wein

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ein Käfig voller Narren Ensemble © www.christian-husar.com

EIN KÄFIG VOLLER NARREN Große Travestie-Show mit der göttlichen Zaza

Ein Käfig voller Narren Ballett © www.christian-husar.com

Ich bin, was ich bin oder wenn Männer nicht nur Fummel tragen, sondern selbst zu Frauen werden

Die Liebesgeschichte von Albin bzw. Zaza und dem eleganten Georges hat seinerzeit die Welt verändert. Anfang der 1970er-Jahre war ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen. Die westliche Welt hat in einer bis dahin undenkbaren Weise ihr Sexualleben geöffnet und befreit, die körperliche Liebe sozusagen aus der Heimlichkeit des abgedunkelten Schlafgemachs heraus in die Wohnzimmer geholt, offenherzig darüber gesprochen und sie auch praktiziert. Da kam 1973 das Theaterstück des Franzosen Jean Poirets gerade recht, um auch diejenigen Menschen an dieser Freiheit teilhaben zu lassen, die bis zu dieser Zeit aufgrund ihrer sexuellen Neigung Ausgestoßene waren. Es hat sie immer gegeben, die Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlten und lieber glitzernde Frauenkleider als harte Anzugsakkos getragen haben. In „La Cage aux Folles“ spielten sie plötzlich die Hauptrolle, die Transvestiten und Dragqueens, die ein Publikum aus Heteros unterhalten und verwirrt haben. Ort des Geschehens ist St. Tropez, Treffpunkt der Reichen und Schönen.

René Rumpold © www.christian-husar.com

Zehn Jahre später wurde daraus ein Musical mit eingängigen Melodien, unter anderem dem Song „I am what I am“, der in der Schwulenszene Kultstatus genießt. Es wurde zum Broadway-Erfolg, der dazu beigetragen hat, dass das gleichnamige Sprechstück bis vor kurzem nicht aufgeführt werden durfte. Mittlerweile beherrschen Theater und Musical nebeneinander die Bühnen und bringen sich gegenseitig Publikum, weil man einfach beide Versionen gesehen haben muss, nicht ohne die jeweilige Produktion zwanghaft mit dem Film mit Ugo Tognazzi und Michel Serrault zu vergleichen.

René Rumpold, Matthias Schuppli © www.christian-husar.com

Bei der Bühne Baden gibt es weder einen so charmanten Italiener noch einen so gefühlvollen Franzosen, um sie gemeinsam den Club „La Cage aux Folles“ führen zu lassen. Aber man hat dafür Schauspieler mit einem großen Herz, die sich mutig in diese Zwischenwelt der Geschlechter schmeißen und St. Tropez nach Baden holen. Leonard Prinsloo hat in seiner Inszenierung im ersten Teil mehr oder weniger auf die ausführliche Handlung verzichtet. Er begnügt sich mit Andeutungen.

Stattdessen lässt er auf stets voller Bühne die Transvestiten (Ballett der Bühne Baden) zu den gewohnt professionellen Klängen des Orchesters der Bühne Baden (Ltg. Michael Zehetner) mitreißend tanzen und singen. Der Zuschauer wird damit zum Gast eines Clubs, der seinerzeit schon das Jet-Set bestens unterhalten hat. Erst nach der Pause wird die Tragödie des alternden Stars, der sich so ganz als Frau fühlt, ausgespielt, um in der humorigen Konfrontation mit Edouard Dindon (Franz Josef Koepp), dem künftigen Schwiegervater von Jean-Michel (Benjamin Plautz) schließlich zum guten Ende und damit zur Hochzeit mit der reizenden Anne (Ulrike Figgener) zu gelangen. Etwas befremdlich ist die Aussprache zwischen Albin und Georges (Matthias Schuppli) in ihrem Stammcafé, in die sich anstelle der persönlichen Intimität nicht nur die beiden Wirtsleute (Dessislava Filipov, Mario Fancovic), sondern auch ein Haufen lustiger Matrosen einmischen. Als Jacob, der viel lieber eine Zofe als ein Butler ist, zeigt Stefan Konrad verführerische Beine und wäre, wenn man´s nicht besser wüsste, ein hübsches Mädchen, für sein gesetztes Herrenpärchen allerdings etwas zu aufgedreht.

 

Der Star des Abends, und das nicht nur in der Handlung, ist Albin, besser Zaza in Gestalt von René Rumpold. Er lässt keinen Moment Zweifel daran aufkommen, dass er keine Frau sei.

Er liebt George und seinen Ziehsohn Jean-Michel mit einer solchen Innigkeit, dass man einfach nicht verstehen will, warum sich der junge Mann plötzlich für ihn schämt, wenn er vor den erzkonservativen Dindons als seine Mutter auftritt. Mit Rumpold hat man das Gefühl, dass nichts normaler auf der Welt zu sein kann, als in großer Damengarderobe mit Federn und pompöser Frisur vor Publikum aufzutreten und beeindruckend hinaus zu singen, dass man einfach ist, was man ist und nichts anderes.

Stefan Konrad, René Rumpold © www.christian-husar.com

Maske in Blau Ensemble © www.christian-husar.com

MASKE IN BLAU Mitreißender Schwung im Frühling von San Remo

Jevgenij Taruntsov © www.christian-husar.com

Eine Operettenrevue der feinsten Sorte, rasant leichtfüßig und voll wunderbarer Melodien

Fred Raymond hatte das G´spür für Melodien, die direkt ins Ohr gehen. So hat er „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“ geschrieben, das bald zu einer Art Volkslied geworden ist. Auch die Operette „Maske in Blau“, die nach einem Buch von Heinz Hentschke komponiert wurde, ist eine Sammlung populärer – fast möchte man sagen – Schlager. Wer kann nicht sofort mitsingen, wenn ein paar Takte „Die Juliska, die Juliska aus Buda-, Budapest“ erklingen oder keine Gänsehaut kriegt, wenn der Tenor in seiner Verzweiflung mit dem lyrischen „Schau einer schönen Frau nicht zu tief in die Augen“ anhebt?! Weil es trotz einer ergreifenden Liebesgeschichte im Grund ganz unsentimental zugeht, haben auch Nummern wie „Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche“ oder „Ich hab´ das Fräulein Helen baden seh´n“ ihren berechtigten Platz. Es lässt sich dazu so schön tanzen und ohne große Stimmakrobatik singen. Was nun Budapest, eine Hazienda in Argentinien und San Remo gemeinsam haben, das wird von einer Handlung erklärt, die wie bei der Uraufführung 1937 auch heute das Publikum in eine mondäne Traumwelt entführt.

Caroline Frank, Uli Scherbel © www.christian-husar.com

Eine reiche südamerikanische Landwirtin verliebt sich im noblen Seebad an der italienischen Riviera in den Maler ihres Porträts. Das Bild ist genial, hat aber den Fehler, dass man die Frau darauf nicht erkennt, weil diese eine blaue Maske trägt. Hätte die Gute bei der Sitzung sich diesbezüglich bereits enthüllt, hätte es nicht den ganzen Schwanz an Missverständnissen gegeben, die zwischen Kennenlernen und Heirat stehen. So aber gibt´s am Schluss sogar drei Paare, die sich mehr oder weniger freudig das Jawort geben.

Maya Boog © www.christian-husar.com

Thomas Enzinger hat für die Bühne Baden eine Inszenierung maßgeschneidert. Die Bühne wird zum Tanzboden, auf den je nach Bedarf Kulissen geschoben werden, um daraus ein Strandcafé, das Atelier oder eine Hazienda zu machen. Dazwischen ist Platz genug, damit sich das diesmal besonders geforderte, aber auch ausgezeichnete Ballett produzieren, sich der Chor entsprechend bewegen kann und Caroline Frank als Juliska und Uli Scherbel als Josef Fraunhofer ihr Temperament ausleben können.

Ergänzt werden die beiden von Jens Janke, dessen Kilian gleichzeitig der ungemein komische Erzähler der Story ist. Er gerät in die Fänge der resoluten und mit Gewaltwitz ausgestatteten Gonzala (Uschi Plautz), die im zweiten Teil während des Umbaus mit frechen Zusatzstrophen von Robert Kolar bei „Was nicht ist kann noch werden“ vor dem geschlossenen Vorhang dem Publikum die Zeit vertreibt. Dass er ungemeinen Spaß an seiner Rolle als böser Pedro dal Vegas hat, sieht man Stephan Paryla-Raky an der Nase an, die er ungefragt in die Handtasche von Evelyne steckt, um daraus einen ganz besonderen Ring zu klauen. Eigentlich ist es seinen finsteren Machenschaften zu verdanken, ohne die eine solche Geschichte wie die des Traumpaars Armando Cellini und Evelyne Valera zu dieser schwungvollen Operettenrevue entstanden nie entstehen hätte können.

Jevgenij Taruntsov ist der Mundharmonika spielende Maler, ein Feschak, der das Herz von Evelyne (Maya Boog) erobert hat. Als Wiedererkennungszeichen hat er ihr den Ring seines Vorfahren Benvenuto Cellini anvertraut und bekommt diesen ausgerechnet von dal Vegas wieder in die Hand gedrückt. Es geht wie nicht anders zu erwarten dennoch alles gut aus, nicht zuletzt durch das Orchester der Bühne Baden, das unter der Leitung von Oliver Ostermann mit zündendem Schwung diesen bedeutungsvollen Frühling von San Remo begleitet.

Stephan Paryla-Raky, Nina Tatzber © www.christian-husar.com
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