Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Grand Hotel Szenenfoto © Christian Husar

GRAND HOTEL Ganz normale Menschen im Hotel

Sona MacDonald und Ensemble © Christian Husar

Nostalgischer Luxus und Broadway-Glamour auf der Bühne Baden

Berlin 1929: Noch haben die Nazis nicht allzu viel zu reden, die Menschen, ob sie es sich leisten können oder nicht, gieren nach Unterhaltung, nach einem Hauch von Luxus und einem Leben abseits der Tristesse einer Wirtschaftskrise, die Deutschland in diesen Jahren zu Boden gerissen hatte. Hotspot dieses allgemein verständlichen Verlangens war zweifellos das Grand Hotel, ein Haus, das mehr als eine Herberge war. Nacht für Nacht konnte man dort zu den Klängen einer Jazzband tanzen, sich in der eleganten Bar mit feinen Cocktails betrinken und der großen Welt, die dort täglich ein und ausging, ganz nahe sein. Die Schriftstellerin Vicki Baum hat diesen Menschen eine Persönlichkeit gegeben und Prototypen für Gäste eines Luxushotels geschaffen. Ihr Roman „Menschen im Hotel“ beschreibt in berührender Weise Schicksale, zum Beispiel das eines Barons, der abgesehen von seinem Adelstitel mittellos ist und dennoch auf das Leben in Saus und Braus nicht verzichten will. Als Krimineller versagt er kläglich. Anstatt die bereits gealterte Tänzerin zu bestehlen, verliebt er sich in sie.

Bettina Mönch (Flämmchen) © Christian Husar

Seine Zufallsbekanntschaft ist ein todkranker Jude, der in seinen letzten Jahren und mit seinem letzten Geld in diesem Ambiente noch eine Spur von Leben erhaschen will. Eine kleine Sekretärin träumt von der großen Karriere in Hollywood und bringt es dennoch nicht über sich, dafür mit einem unsympathischen Generaldirektor ins Bett zu gehen. Abseits des bunten Treibens mokiert sich ein alter Militärarzt darüber, dass hier nichts, aber schon gar nichts passiert und verschiebt dennoch jeden Tag seinen Auszug aus dem Hotel, um sich hier ungestört Heroin spritzen zu können.

Hannes Muik (Otto Kringelein), Martin Berger (Preysing © Christian Husar

Aus dieser Vorlage wurden ein Film, ein Theaterstück und ein Musical, das am Broadway von 1989 an über 1000 Mal gelaufen ist und fünf Tony Awards errungen hat. Der Erfolg ist mit diesem Stück also verbunden und sollte sich auch auf die Produktion in Baden übertragen. Die Voraussetzungen sind gegeben. Unter der Regie von Werner Sobotka hat ein tolles Leading Team und eine beachtliche Besetzung „Grand Hotel“ mit seinem ganzen nostalgischen Glamour auf die Bühne gestellt.

Der Star des Abends, nicht nur im Stück, ist Sona MacDonald, die ihrer Elisaweta Gruschinskaja das Flair einer ehemals großen Tänzerin verleiht. Das einzige, das sie in diesem Stück nicht machen muss, ist kurioserweise tanzen, obwohl Sona MacDonald auch das bestens könnte. Dafür wirbeln um sie herum im Charleston-Rhythmus Personal und Gäste des Hotels, dass nur so die Fetzen fliegen (Choreographie: Natalie Holtorn). Ausnehmend gekonnt schwingt Bettina Mönch als Flämmchen ihre hübschen Beine und lässt sich von den ungemein impulsiv tanzenden Jimmys (Leon de Graaf, Lukas Weinberger) zur wirklich sehenswerten Pyramide hochstemmen.

Der patscherte, aber dennoch liebenswürdige Baron Felix von Gaigern ist mit Julian Looman bestens besetzt, ebenso wie Otto Kringelein mit Hannes Muik, der als farbloser Buchhalter rührend ungeschickt tanzt und mit dem man sich von Herzen freut, dass er an der Aktienbörse gewonnen hat. Martin Berger lässt Generaldirektor Preysing glaubwürdig vom reellen Geschäftsmann und Familienvater zum windschiefen Bankrotteur und Sekretärinnen-Abstauber absteigen. Oberst Dr. Ottenschlag ist Wolfgang Pampel, der mit beinahe väterlicher Ruhe das turbulente Geschehen immer wieder beruhigt, dabei auch dem Rezeptionisten Erik (Nicolas Huart) beisteht. Der arme Kerl kann nur am Telefon die mit Komplikationen verbundene Geburt seines Kindes verfolgen. Das Orchester, das für dieses Musical zur Jazzkapelle des Hotels geworden ist und auf einem Podest hinter einem dünnen Vorhang aufspielt, wird von Michael Zehetner geleitet und begleitet auf dem Badener Broadway mit entsprechend schwungvoller Musik die Akteure sowohl bei heißen Tanzeinlagen als auch bei den durchwegs gekonnt gesungenen Songs.

Alexander Donesch (Chauffeur), Julian Looman (Baron Felix von Gaigern) © Christian Husar
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