Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Foto auf S. 106 im beschriebenen Buch

Wiener Bier-Geschichte: Überraschend groß und vielfältig

Bild von S. 106 im beschriebenen Buch

Wien und das Bier, eine lange und innige Verbindung

Ernsthafte Geschichtswerke laufen Gefahr, zu trockenen Abhandlungen von Jahreszahlen und Namen zu werden. Bei einem Gegenstand wie dem Bier wäre es jedoch, sanft ausgedrückt, eine Schande, wenn es zwischen den Seiten des Buches nicht appetitlich schäumen würde, ohne dabei jedoch die Seriosität eingehender Forschung vermissen zu lassen. Die drei Herren Christian M. Springer, Alfred Paleczny und Wolfgang Ladenbauer haben das Kunststück zuwege gebracht, die Bier-Historie von Wien, fast möchte man sagen, geradezu so unterhaltsam wie einen Nachmittag im Biergarten zu gestalten.

 

Der Leser kommt nicht aus dem Staunen heraus, wo überall in Wien und in der nächsten Umgebung in großem Stil Bier gebraut wurde. Fast jeder Bezirk hatte seine Brauerei und damit sein eigenes Bier. Die Betriebe waren durchwegs innovativ und einige von ihnen waren international vorne mit dabei, wenn es um die neuesten technischen Errungenschaften ging. Aber all das spielte sich erst im 19. Jh. ab.

Bild auf S. 129n im beschriebenen Buch

Die Anfänge des Wiener Biers liegen 600 Jahre vorher im späten Mittelalter, also in der Zeit, als vor den Stadtmauern noch so weit das Auge reichte die Weinstöcke gediehen. Erst 1211 wurde nachweislich Hopfen in die Stadt gebracht und in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entwickelte sich das Handwerk des „prew“, von dessen Meistern sogar noch Namen überliefert sind. Als öffentlich zu Verkauf und Ausschank angebotenes Getränk wird es erstmals 1340 im Wiener Stadtrecht von Herzog Albrecht II. erwähnt.

Bild auf S. 161 im beschriebenen Buch

Seinen großen Aufschwung als Getränk der Massen erlebte das Bier durch Persönlichkeiten wie Anton Dreher, Adolf Ignaz Mautner von Markhof oder Ignaz von Kuffner. Sie schafften den Sprung vom üblen Gesöff aus zu dunklem Malz, das in kürzester Zeit verdorben war, zum untergärigen haltbaren hellen Blonden, das dem Wein ernsthaft Konkurrenz und beim Trinken Freude machte.

Immer wieder liest man dabei auch den merk-würdigen Satz, dass die die Leute auf Wein und Bier angewiesen waren, wollten sie nicht vom verseuchten Wasser in der dicht bevölkerten Stadt alle möglichen Krankheiten abfangen. Biertrinken gehörte und gehört aber auch zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung.

Gelegenheit dazu gab es genug. Im Uhrzeigersinn führt das Buch durch die Vorstädte, die heute längst Bezirke oder zumindest Teile von Stadtbezirken sind. In St. Marx wurde bis 1916 erfolgreich Bier gebraut, auch auf der Landstraße, wo ein gewisser Vinzenz Neuling nicht nur Bier herstellte, sondern den Wienern mit seinem extravaganten Lebensstil auch genügend Stoff zum Tratschen lieferte. In Margareten, am Hundsturm, in Gumpendorf, Gaudenzdorf und im Lichtental wurde auf Teufel komm raus Bier gebraut, ebenso wie in Liesing, Neuerlaa, Hütteldorf, Nussdorf und Jedlesee. Geblieben ist von ihnen allen nur das Ottakringer, das sich jedoch selbstbewusst im internationalen Haifischbecken der Biervermarkter und -fusionierer behauptet. Begleitet werden die Texte von antiken Bierdeckeln, teils kolorierten Stichen und stimmungsvoll vergilbten Fotos, auf denen stolz die Brauereien, aber auch die Brauherren abgebildet sind, die durch ihren Pioniergeist Wien zu einer Stadt des Biers gemacht haben.

Bild auf S. 195 im beschriebenen Buch
Böhlau Verlag Logo 250

Statistik