Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Geymüllerschlössel

DUNNE & RABY: Die Schule für konstruierte Wirklichkeiten

Dunne & Raby, Communo-Nuclearist Train aus The United Micro Kingdoms, 2013

Was wäre, wenn die Unwirklichkeit zu etwas Brauchbarem würde?

Eingefügt in Biedermeier und Empire ist bis 04.10.2015 in der MAK-Expositur Geymüllerschlössel die durchaus überlegenswerte Unklarheit, wo die Grenzen zwischen wirklichen Wirklichkeiten, unwirklichen Wirklichkeiten, wirklichen Unwirklichkeiten und unwirklichen Unwirklichkeiten gezogen werden. Ratsam für die Annäherung an eine Antwort, die irgendwie schlüssig klingt, ist ein Besuch der Schule für konstruierte Wirklichkeiten des Designerduos DUNNE & RABY. Anthony Dunne, Professor und Leiter des Design Interactions Departments am Royal College of Art in London, und Fiona Raby, Professorin für Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst Wien, gelten als Speerspitzen einer konzeptionellen und kritischen Designbewegung, die Spekulationen über alternative Lebensformen anstellt.

 

Dieses Stadium der Designfindung, der Nachdenkprozess und das Wälzen von Philosophien, kratzt den Normalbürger kaum. Ihn interessiert erst die entstandene Wirklichkeit in Form eines gelungenen Designs.

Bildtext siehe unten

MAK-Ausstellungsansicht, 2015 DESIGN SALON #04 DUNNE & RABY. The School of Constructed Realities Sitzung 7: Jenseits des Realismus, 2015 © MAK/Georg Mayer

Dennoch ist es nicht uninteressant, sich in die Anfangsgründe einer solchen von der Wirklichkeit noch weit entfernten Wirklichkeit zu begeben. So propagieren auch die Arbeiten von DUNNE & RABY, wenngleich eine zukünftige Umsetzung noch schwer auszumachen ist, einen Ansatz, der plausible Szenarien veranschaulicht und verhandelbar macht. Fiktiv ist auch die erwähnte von den beiden gegründete „School of Constructed Realities“, an der es nur den Abschluss als MA (Master of Arts) in „konstruierter Wirklichkeit“ gibt.

 

Was sich in diesem unbeholfenen Erklärungsversuch eines Laien wie ein kabarettistischer Text der Unsinnigkeiten ausnimmt, wird im Geymüllerschlössel überraschend sichtbar und begreifbar. Im Grunde ist jede Idee vor ihrer materiellen Umsetzung unwirklich, jede Brücke, jedes Haus und jedes Küchengerät. Wenn man aber einmal darauf von einem Ufer zum anderen fahren, drinnen wohnen und damit arbeiten kann, wird niemand mehr ihre Realität bestreiten.

Spannend wäre es, die von DUNNE & RABY in dieser Ausstellung des MAK DESIGN SALON #04 angedachten, spekulativen Designs bis zu ihrer Verwirklichung zu verfolgen, um zu sehen, wie tauglich sie tatsächlich für die Bewältigung der im Ausstellungstext angesprochenen Herausforderungen und Perspektiven im 21. Jahrhundert sind.

Bildtext unter dem Bild

Dunne & Raby, Digicars aus The United Micro Kingdoms, 2013 © Dunne & Raby

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