Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ulli Maier © Herbert Neubauer

FREMDENZIMMER gibt´s ja doch noch in unseren Tagen

Ulli Maier, Erwin Steinahuer, Tamim Fattal © Herbert Neubauer

Ein sehr milder Turrini zur Flüchtlingsproblematik

Kein Mensch weiß, wie Samir in diese Wohnung im 22. Bezirk gekommen ist. Er hätte es besser treffen können, nicht im Erdgeschoss mit Blick auf den Innenhof, und die Sonne sieht man nur, wenn man sich nach ihr rausstreckt. Aber dem jungen Mann scheint das egal zu sein. Er ist in Sicherheit. Nach einer abenteuerlichen Flucht hat er Wien erreicht und scheint noch einmal geflohen zu sein; in diesem Fall vor der Polizei, die ihn wohl in ein Flüchtlingslager verbracht hätte. Was wirklich passiert ist, kann er nicht erzählen. Er kann ja nicht Deutsch und die beiden Bewohner seiner neuen Bleibe nicht Englisch, seine Muttersprache schon gar nicht. Herta Zamanik und Gustl Knapp sind ein nicht mehr junges Paar, die so irgendwie nebeneinander herleben. Er spielt mit Plastikflugzeugen, sie trinkt recht gerne, singt Karaoke und verspielt ihr Geld bei Admiral, in der Hoffnung einmal soviel davon zu gewinnen, dass sie ihren seit Jahrzehnten verschollenen Sohn suchen lassen kann. Der sprachlose Flüchtling bleibt bei ihnen, nicht zuletzt deshalb, weil er den beiden Leutchen Gelegenheit gibt, an ihm ihre Problemchen abzuarbeiten.

Erwin Steinhauer © Herbert Neubauer

Herta ist ja gleich begeistert vom neuen Mitbewohner. Er kann im Gästezimmer schlafen, das sie für ihren Sohn stets in Bereitschaft gehalten hat. Gustl, ein frühpensionierter Post-Oberoffizial, ist anfangs nicht sonderlich angetan von dieser Nähe zu einem Flüchtling. Er kennt diese Spezies nur aus dem Fernsehen und hat so seine Meinung über solche ungerufene Zuwanderer. Als ihm Samir aber die Fernbedienung für seine Cessna repariert und eine Flasche Bier ex austrinkt, schließt auch er den jungen Mann ins Herz. Der muss dableiben, wie ein zugelaufenes Hunderl, davon sind beide überzeugt, nachdem sie selbst auch wieder zueinander gefunden haben, und sie heben am Schluss einfach zu dritt in eine neue Freiheit ab.

Ulli Maier, Tamim Fattal © Herbert Neubauer

Man möchte es nicht glauben, aber der Autor dieses Stückes ist Peter Turrini. Ist es Altersmilde, was ihn dazu bewegt hat, oder ein Versuch, sich mit Herrn und Frau Österreicher wieder zu versöhnen? Von Erwin Steinhauer als Gustl werden die sattsam bekannten Ressentiments gegenüber Flüchtlingen in heiterer Selbstironie abgespielt. Ulli Maier lässt ihre Herta das Herz öffnen, mit all dem Jammer, den ihr ein unerfülltes Leben beschert hat. Herrlich, wie die beiden über den Kopf von Samir Nablisi (Tamim Fattal) hinweg reden.

Dabei sind sie stets der Meinung, dass ihr Schützling gerade das, was sie sagen, auch denken müsste. Da Herta als schwangeres Mädchen vom Klopeinersee nach Wien gekommen ist, dürfen auch Kärntner Lieder nicht fehlen, wie überhaupt kein Klischee, das nur irgendwie zu Österreich passt. Wenn zuletzt noch das goldene Wienerherz zu schlagen beginnt, wird die Geschichte sogar süßlich. Aber dem Premierenpublikum hat es gefallen, was ihnen da Turrini vorgesetzt hat.

Die Botschaft „Mir san ja do net gar so schlecht, wia ma uns immer hinstellen will, auch wenn ma alle Trotteln san“ kommt an. Einen guten Teil zur positiven Grundstimmung trägt die Inszenierung von Herbert Föttinger bei. Er hat das ganze auf der nackten Bühne und nicht in einer biederen Kleinwohnung angesiedelt. Die einzelnen Szenen werden durch Black, umrahmt von grellen Lichtbalken, getrennt und den Zuschauern sogar trotz der ernsten Problematik erlaubt, einige Male herzlich zu lachen.

Fremdenzimmer Szenenfoto © Herbert Neubauer

Elisabeth Rath (Maria Stuart), Sandra Cervik (Elisabeth) © Moritz Schell

MARIA STUART Schiller kurz, verständlich und beeindruckend

Sandra Cervik (Elisabeth) © Moritz Schell

Die roten Haare hat ausnahmsweise einmal die andere

Eine Heilige war auch Maria Stuart nicht, daran lässt sie selbst keinen Zweifel. Im gewaltigen Monolog in der Gefängniszelle gibt sie unumwunden zu, dass es ihr nicht unrecht war, dass man ihren Gemahl ermordete. Womit sie aber nicht rechnen konnte: Sie flieht nach England zu Elisabeth, um Schutz zu suchen, wird von dieser aber kurzerhand eingesperrt. Immerhin geht von ihr Gefahr aus, dass sie die beiden Kronen von Schottland und England auf ihrem Haupt vereinigen möchte. Das Problem, das sich ihrer Widersacherin stellt, liegt in der Beseitigung der Rivalin. Lässt Elisabeth Maria einfach hinrichten, dann geht sie als Mörderin einer Königin in die Geschichte ein. Auch die meisten ihrer Hofschranzen haben keine besonderen Ambitionen, die Drecksarbeit zu erledigen, abgesehen von Wilhelm Davison, dem Staatssekretär, der kurzen Prozess macht. Elisabeth hat das Todesurteil unterschrieben, also lässt er es vollstrecken. Zurück bleibt eine verunsicherte Königin von England. Sie weiß um ihren Mangel der Herkunft. Das hat ihr Maria Stuart deutlich gemacht und sie damit erniedrigt.

Sandra Cervik (Elisabeth), unter ihrem Rock Tonio Arango (Leicester) © Moritz Schell

Ihr ist auch bewusst, was sie von ihrem Volk zu halten hat, von ihren Untertanen, die wohl der anderen gerade so zugejubelt hätten wie sie es ihr tun, und wohl zufriedener gewesen wären, da die Frau Maria Stuart von sexueller Abstinenz nichts gehalten hat, im Gegensatz zu Elisabeth, die von ihrem Vater Heinrich VIII., wie sie sich selbst erinnert, in den finsteren Gewölben des Towers zum Amt des Regierens als jungfräuliche Königin erzogen wurde.

Elisabeth Rath (Maria Stuart) © Moritz Schell

Regisseur Günter Krämer hat in seiner Fassung der „Maria Stuart“ diese Aspekte in einer unvergleichlichen Deutlichkeit herausgearbeitet. Er hat Schillers Text schonungslos gerafft und die Akzente treffsicher auf die schmerzenden Punkte gesetzt. Das Fleisch auf das von ihm skelettierte Drama setzen die Darsteller. Sie wurden ebenfalls bis zur Übersichtlichkeit reduziert. Geblieben sind neben den beiden Frauen nur vier Männer, abgesehen von den Soldaten und Wachen in den Uniformen einer südamerikanischen Junta. Florian Carove bringt als Graf Aubespine, seines Zeichens französischer Gesandter, einen wohltuenden Schuss Komik ins tragische Geschehen. Roman Schmelzer trägt dunkle Brille mit Tellerkappe und schaut die meiste Zeit recht finster, um dem Staatsekretär Wilhelm Davison entsprechende Härte zu verleihen. Robert Dudley, Graf von Leicester, wird mit Tonio Arango ein sowohl in politischen wie emotionalen Dingen elastischer Mann, dem keine Frau vertrauen sollte. Der gute Mortimer, dem Raphael von Bargen Charakter gibt, ist da schon einer anderes Kaliber.

Aber auch er scheitert, wenn es darum geht, sich gegen das Ränkespiel einer mit allen Wassern gewaschenen Frau anzulegen.

 

Elisabeth Rath ist Maria Stuart, Königin von Schottland. Ihr wurden in dieser Inszenierung die roten Haare verpasst, die üblicherweise ihre Rivalin zieren. Sie ist die Frau, die das Träumen nicht verlernt hat und die es bedauert, dass man sie daraus wecken will. Die wahre Hauptfigur ist aber Elisabeth, die Königin von England. Sandra Cervik hat Mut zur Hässlichkeit, wenn sie sich vor einem Spiegel bis zur weißen Fratze mit verschmierten roten Lippen schminkt und so zum Monster auf dem Königsthron mutiert. Sie lässt ihrer Elisabeth keine Chance zur Erotik, auch dann nicht, wenn sie Leicester unter ihren goldenen Rock bugsiert oder mit ihm SM-Spielchen anzettelt

Aber sie muss sich öffnen, nicht zwischen ihren Schenkeln, sondern mit ihrer Seele, die ihr auch ein Friedrich Schiller zugestanden hat, trotz aller Sympathie für seine Titelheldin. Symbolhaft hängt zwischen den beiden Frauen ein erlegtes Wildschein (Bühne: Herbert Schäfer), das die Frage offen lässt, wer nun die Siegerin in diesem gnadenlosen Kampf zweier Frauen ist. Ist es Elisabeth oder doch die von ihr durch die Hinrichtung befreite Maria Stuart?

Sandra Cervik (Elisabeth), Tonio Arango (Leicester) © Moritz Schell

Professor Bernhardi Ensmeble © Sepp Gallauer

PROFESSOR BERNHARDI Der einzige Gerechte unter so vielen Sündern

Matthias Franz Stein, Herbert Föttinger © Sepp Gallauer

Schnitzlers feinsinnige Abrechung mit der anderen Gesellschaft

Hat sich seit 1912, als das Stück „Professor Bernhardi“ in Berlin uraufgeführt wurde, die Einstellung der Menschen – gemeint sind damit die Bewohner Mitteleuropas – grundlegend geändert? Damals tat sich zwischen der jüdischen und der katholisch-christlichen Elite der Habsburgermonarchie ein unvorstellbar tiefer Graben auf. Für uns Heutige sind es eher nur die Spitzenleistungen jüdischer Künstler, Komponisten, Wissenschaftler und Dichter, die einem zu dieser Zeit einfallen. Arthur Schnitzler ist einer davon. Ohne seine Dramen wäre ein österreichischer Theaterbetrieb kaum denkbar. Er war auch Arzt und wusste, wie es zuging, wenn um einen Posten wie die Leitung eines Instituts gerittert wurde. Sein Held ist der jüdischstämmige Professor Bernhardi, Direktor des Elisabethinums. Eine umstrittene Entscheidung dieses Arztes wird zum Gegenstand einer schonungslosen Darstellung des moralischen Zustands seiner Umgebung. Nach einer illegalen Abtreibung liegt in seiner Abteilung ein Mädchen im Sterben. Allein, sie spürt nichts von der Nähe des Todes.

Christian Nickel, Herbert Föttinger © Sepp Gallauer

Sie schwebt in ihren letzten Momenten in einem Glücksgefühl, einer Euphorie, die ihr ein zur letzten Ölung gerufener Geistlicher zerstören könnte. Bernhardi verwehrt ihm den Zugang zum Krankenbett. Der Vorfall entwickelt sich schnell zum Politikum, das seinen Höhepunkt in einer Interpellation des Parlaments findet und in der Folge für Professor Bernhardi zu einer zweimonatigen Gefängnisstrafe wegen Religionsstörung führt. Der frei denkende und keineswegs in Konfessionen verhaftete Bernhardi wird damit zur Galionsfigur der Liberalen, will sich aber auch von dieser Seite nicht vereinnahmen lassen, sondern lediglich seinen durch die Verurteilung verloren gegangenen Doktorgrad und das Recht zur Berufsausübung als Arzt zurück haben.

Florian Teichtmeister, Holger Schober, Alma Hasun © Sepp Gallauer

Von der Liste der handelnden Personen her mutet dieses Stück seltsam an. Neben der einen Krankenschwester (Alma Hasun als Ludmilla) sind 19 Männerrollen zu besetzen. Regisseur Janusz Kica hatte damit im Theater in der Josefstadt selbstverständlich kein Problem. Auf einer Bühne, steril wie ein Krankenhaus, lässt er mit den Herrn Doktoren das Staraufgebot des Hauses aufmarschieren. Florian Teichtmeister ist Dr. Ebenwald, ein Deutschnationaler, der nur darauf zu warten scheint, dass seinem Direktor ein entscheidender Fehler unterläuft.

Dieser ist seiner Ansicht nach auch passiert, als statt eines christlichen Arztes der Jude Dr. Wenger (Alexander Strömer) einen Posten im Institut erhält. Vertreten im medizinischen Stab sind auch André Pohl (Dr. Cyprian), Michael König (Dr. Pflugfelder), Christan Nickel (Dr. Filitz), Michael Schönborn (Dr. Tugendvetter), Johannes Seilern (Dr. Löwenstein), Wojo van Brouwer (Dr. Schreimann), Peter Scholz (Dr. Adler), Nikolaus Barton (Dr. Oskar Bernhardi), Alexander Absenger (Dr. Kurt Pflugfelder), Bernhard Schir (Minister Dr. Flint), Oliver Rosskopf als der glücklose Landarzt Dr. Feuermann und alternierend Michael Dangl und Alexander Strobele als Rechtsanwalt Dr. Goldenthal. Der angehende Arzt Hochroitzpointner ist Holger Schober. Ebenfalls als Doktor, aber seines Zeichens Hofrat im Kultusministerium, lässt Martin Zauner tief in die österreichische Beamtenseele blicken.

 

Die moralisch über jeden Zweifel erhabene Figur des Professor Berhardi hat sich Herbert Föttinger, Direktor der Josefstadt, selbst vorbehalten. Stets souverän, auch in der Erniedrigung einer gerichtlichen Verurteilung, steht sein Bernhardi zur Überzeugung, im kritischen Moment das Richtige getan zu haben.

Seine wichtigste Frage, ob man auch ohne Religion existieren könnte, wird jedoch von den anderen Beteiligten geflissentlich überhört, obwohl gerade dort eine schlüssige Antwort zu finden wäre. Man sieht den inneren Kampf, wenn ihm der Priester (Matthias Franz Stein) die Hand hinstreckt, und spürt die Überwindung, die es ihn kostet, durch diesen Handschlag einen Abgrund zu überbrücken, der uns heute längst unverständlich sein sollte, von seiner Tiefe offenbar aber nichts verloren hat.

Professor Bernhardi Ensemble © Sepp Gallauer

Wie man Hasen jagt Ensemble © Erich Reismann

WIE MAN HASEN JAGT und einen Bock abschießt

Roman Schmelzer, Pauline Knof © Erich Reismann

Treu sein? Völlig sinnlos!

Das Theater in der Josefstadt hat mit „Wie man Hasen jagt“ unter der Regie von Folke Braband eindrucksvoll bewiesen, dass man einen Feydeau auch ausgesprochen elegant spielen kann. Immerhin geht es in dieser Komödie nicht um Kleinigkeiten. Auf dem Spiel steht die eheliche Treue. Und wenn die gebrochen ist, könnte sich durchaus eine Tragödie daraus entwickeln. Natürlich nicht bei Georges Feydeau. Der französische Theaterautor hat die Menschen gekannt wie kaum ein zweiter und den allgemein verbreiteten Wunsch nach der Unmoral zum Hauptthema seiner hinreißenden Stücke gemacht. Aber er schenkt seinen nach Erfüllung strebenden Liebesgenossen nichts. Bevor es zur sinnlichen Erfüllung kommt, hat er immer noch ein Hindernis eingebaut. Es gibt genügend Türen und Fenster, durch die seine Protagonisten verschwinden, erscheinen oder durchklettern müssen. Turbulenz ist garantiert, genauso wie Lachen, wenn denen auf der Bühne das gleiche misslingt wie vielleicht einem der Zuschauer oder Zuschauerinnen am Abend davor.

Pauline Knof, Martin Niedermair © ERich Reismann

So knapp vor dem Erlegen eines Hasen hat man dennoch einen Bock geschossen! Wenn sich das Ganze dazu noch in herrlich witzigen Dialogen (aus dem Französischen in ein pikantes Deutsch übersetzt hat das Stück Elfriede Jelinek) abspielt, voller Pointen und schlüpfriger Anspielungen, dann steht der Schadenfreude nichts mehr im Wege. Warum soll es den Helden bei Feydeau besser als unsereinem ergehen?! Andererseits, was wäre das Leben ohne das Prickeln der Gefahr erwischt zu werden. Man sollte sich lediglich genügend gute Ausreden dafür zurecht legen, um letztlich schadlos zu überleben.

Roman Schmelzer, Pauline Knof © Erich Reismann

In der „Herrenjagd“, wie der Untertitel lautet, wird die schöne Léontine (Pauline Knof) vom Hausfreund Moricet (Martin Niedermair) stürmisch umworben, während sich ihr Gemahl Duchotel (Roman Schmelzer) angeblich mit dem g´scherten Cassagne (Holger Schober) auf der Jagd befindet. Dass er sich möglicherweise auf Abwegen befindet, will sie erst bewiesen haben. Dafür genügen ihr nicht einmal die fein verpackten Wildpasteten, die er als eben erlegte Jagdbeute nachhause bringt.

Denn so lange sie nicht hundertprozentig sicher ist, kann und will sie sich nicht rächen und lässt gnadenlos ihren Verehrer zappeln und ihn die Patronen für ihren Mann stopfen. Ihm helfen alle Liebesschwüre nichts. Sie bleibt unnahbar, wenngleich nicht ohne ständig kleine erotische Aufmunterungen wie Knallerbsen in Richtung Moricet abzufeuern.

Pauline Knof, Martin Niedermair © Erich Reismann

Das Wohnzimmer ist hell und groß, sogar mit einem Flügel ausgestattet, auf dem bestenfalls geklimpert wird (Bühnenbild und Kostüme: Stephan Dietrich). Und es gibt das obligate Stubenmädchen Babet (Gioia Osthoff), das für sich gesehen schon eine Sünde wert wäre. Man weiß zu leben, wenngleich Kultur nicht die Stärke des Hausherren ist, der sich nicht einmal mit einem von Moricet verfassten Gedichtband was anzufangen weiß und diesen als Unterleger bei einem Möbelstück verwendet.

Gemütlicher ist es da schon im Stundenhotel, das von der abgefrackten Gräfin Madame Latour (Elfriede Schüsseleder) geführt wird. Das Licht ist gedämpft, ein rundes Fenster gaukelt den Mond vor und die Wände sind zwecks Schalldämmung mit abgestepptem Samt verkleidet. Léontine, die sich mit Moricet dort zum Tête-à-Tête trifft, kommt trotzdem nicht in Stimmung. Sie zögert ihre Hingabe so lange hinaus, bis sich irgendwann die gesamte Gesellschaft, inklusive des frühreifen Neffen Gontran (Tobias Reinthaller) dort trifft. Diese Szene ist ein Paradebeispiel für Tür auf, Tür zu, das sogar den strengen Polizeikommissar Bridois (Alexander Strobele) zu verwirren imstande ist.

Dann gibt´s Pause, um alle Beteiligten wieder ihre Plätze im Wohnzimmer einnehmen zu lassen, wenn auch mit vertauschten Hosen und einem inkriminierenden Brief im Gilettascherl des Falschen. Erst als sich die Ausreden von Duchotel ins Absurde versteigen, sieht Léontine ein, dass eheliche Treue ein vollkommen sinnloses Unterfangen ist. Wie sie ihre Überzeugung äußert, das hat allerdings Noblesse, die nur die Josefstadt in dieser Form über die Rampe bringen kann.

Roman Schmelzer, Martin Niedermair © Ericht Reismann
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Foto © Theater in der Josefstadt

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