Keiner der bedeutenden Politiker Österreichs ist seiner Feder entkommen. Freilich sind unter seinen „Opfern“ auch manch Unbedeutende, damit nur ja keiner auf die Idee kommen könnte, dass er, nur weil ihn der Ironimus gezeichnet hat, politisch schon was geleistet hat. Im Strich reduziert auf die wesentlichen Züge, versehen mit einem kleinen Attribut, wie die Nase vom Sinowatz und das Römerglasl mit dem Burgenländer, so kennt man Ironimus und seine täglichen politischen Kommentare in den großen Zeitungen Österreichs seit 1949.
So hat es begonnen, 1949
Kaum ein Politiker dürfte ihm seinen unbestechlichen Blick wirklich übel genommen haben. Nie verletzend, nie hämisch, sondern fast liebevoll nähert er sich dem politischen Getriebe, heißt es zur Ausstellung, die bis 1. September 2013 im Karikaturmuseum Krems zu sehen ist. An deren Titel „Die Qual der Wahl“ wird mancher heuer noch qualvoll denken, schließlich stehen wir in einem sogenannten Superwahljahr, das wohl wie alle anderen Wahljahre die alte Weisheit bestätigen wird: „Es kommt nichts besseres nach“, oder anders gesagt: „Von Figl bis Faymann“.
Er will es wissen, 1979
Begleitet werden die 50 gezeigten Karikaturen von humorvollen Texten. Hans Werner Scheidl bietet darin zeithistorische Erklärungen zu unvergesslichen Szenen vergangener Wahlen, Wahlversprechen, politischen Persönlichkeiten und ihren Wahlpannen – inspiriert vielleicht durch einen Zitat des Meisters höchstpersönlich: „Der Kreisky war ja nicht nur der Journalistenkanzler, sondern auch der Karikaturistenkanzler.“ Für ihn, also für Kreisky, hätte Ironimus sogar die Karikatur erfunden, wenn es sie nicht schon gegeben hätte.
Ironimus schafft damit eine Art politische Erinnerung. Was hätten wir nicht alles vergessen, wenn sich nicht seine Zeichnungen in unser Hirn eingeprägt hätten. Kürzer kann kein Kommentar sein, aber auch kaum treffender. Geblieben ist das gelassene Lächeln über eine Vergangenheit, in der es in unseren Regierungen nicht anderes zugegangen ist als in unseren Tagen. Und worüber könnten wir den matschkern, wenn nicht über diejenigen, die wir selber wählen und die bis heute offenbar nichts, aber schon gar nichts von Leuten wie Ironimus gelernt haben.
Eine neue Ausstellung für den Hausherrn im Karikaturmuseum Krems
Für immer Deix!
Warnung des Unterhaltungsministers: Nach dem Besuch des Deix-Museums kann man sich von Deixfiguren umzingelt sehen! Vorsicht ist also angebracht, wenn man sich den Zeichnungen von Manfred Deix aussetzt. Man findet sie lustig und kommt erst eine ganze Weile später dahinter, dass man im Wirtshaus nebenan oder vor dem Spiegel im eigenen Badezimmer steht. Deix macht keine Ausnahmen, auch nicht bei sich selbst, und hat damit die Freiheit, über alle anderen herzuziehen.
In den meisten der Arbeiten der neuen Ausstellung handelt es sich vom Thema her um Politik und sonstige Missstände von Gestern. Eine gewisse Zeitlosigkeit kann man Manfred Deix dennoch nicht absprechen. Die „Untiefen der österreichischen Seele“, die er auslotet und in allen ihren Facetten freilegt, wurden seit den 1980er Jahren um keinen Zentimeter eingetieft, eventuell abgründiger in ihrer Bosheit und dümmer durch Errungenschaften wie Handy oder Facebook.
Das Aussehen der Deixfiguren hat sich gleichermaßen nicht wesentlich verändert. Die Modelle lernte er in seiner Kindheit kennen. Der Zeichner erinnert sich: „Schon als Zwölfjähriger hatte ich das Privileg, als Schankbursche im elterlichen Gasthaus die Menschen wirklich hautnah erleben zu können. Es waren überwiegend die sogenannten ‚kleinen Leute´, die bei uns zu Gast waren“ und nicht ahnten, dass sie gnadenlos ausgehorcht und beobachtet wurden, um viele Jahre später als „Deixfiguren“ sogar im Duden aufgenommen zu werden.
Auch am Karikaturmuseum Krems sind mittlerweile mehr als zehn Jahre vorübergezogen und mit den Jahren eine Reihe von großen Karikaturisten, die in Sonderausstellungen gefeiert wurden. Manfred Deix allerdings ist das Alpha und wahrscheinlich irgendwann auch das Omega dieser ungewöhnlich heiteren Musenstatt. Er stellt klar: „Immerhin war das Karikaturmuseum ja meine Idee, und Landeshauptmann Erwin Pröll hat sie anno 2001 gottlob Realität werden lassen. Das Haus hat also uns beide als Väter.“
Gnadenlos geniale Erinnerungen an Erich Sokol im Karikaturmuseum Krems
Zum Belächeln vereint:
American Natives und hiesige Originale
Über kaum eine andere Kunst fegt die Zeit derart vernichtend hinweg wie über die politische Karikatur. Die Pointen sind zwar von fern noch zu spüren, allein, man muss sie den Nachgeborenen erklären, und selber, so man sich noch erinnern kann, wird man kaum mehr als ein flüchtiges Schmunzeln aufbringen. Insofern ist das Karikaturmuseum tatsächlich ein Ort des Bewahrens und Hütens eines Humors, der sich geänderter Umstände halber überlebt hat und dennoch aufgrund seiner immens hohen künstlerischen Qualität sehens- und erhaltenswert geblieben ist.
g.o.l.: At the Wheel, aus: American Natives, um 1958/59
g.o.r.: Kreiskys Geldscheisser, 1981
l.o.: Schoolgirl, aus: American Natives, um 1958/59
l.u.: Peter Turrine o.J.
r.u.: Die Wiener Sängerknaben, 1979
Leiste: Karl Merkatz als Edmund "Mundl" Sackbauer, 1978
So hat man in den 1970er und 80er Jahren Woche für Woche gespannt auf die Kronen Zeitung, besser gesagt, auf das Titelbild der Samstagausgabe gewartet. Erich Sokol hatte in einer technisch aufwändig gemalten Karikatur das Tagesgeschehen treffender kommentiert, als es je irgendein schreibender Kollege in seiner Glosse geschafft hätte. Zwei Fliegen wurden damit auf einen Schlag getroffen. Der Leser war mit einem Blick profund informiert und war gleichzeitig auf subtile Weise mit einem Stück ernsthafter Gegenwartskunst konfrontiert.
Legendär sind die Porträts von Karl Merkatz als Edmund „Mundl“ Sackbauer, von Herrn Strudl im Kaffeehaus als Inbegriff des gemütlich raunzenden Wieners oder von Bruno Kreisky, der das Lieblingsmotiv von Erich Sokol gewesen sein dürfte. Sie alle sind, ob echt oder gut erfunden, „Eingeborene“, genauso wie die „American Natives“, die Sokol während seines Amerika-Aufenthaltes 1957-1959 in satirischen Zeichnungen eingefangen hat. Die kleine alte Dame hinter dem großen Lenkrad, der kastenförmige Immigration-Officer, das zierliche farbige Mädchen mit den Büchern in den Händen, sie alle sind Teil des Amerikabildes in den Augen eines „Auswärtigen“.
Am 31. März 1933 wurde Erich Sokol in Wien geboren, am 20. Februar 2003 ist er in seinem Haus in Mödling verstorben. 2013 ist also ein denkwürdiges Jahr, dem das Karikaturmuseum Krems mit der Ausstellung ERICH SOKOL, GNADENLOS GENIAL gerecht wird (bis 20. Mai 2013). Zu sehen sind 200 Exponate, außergewöhnliches dokumentarisches Material und vor allem die Originale der „American Natives“, die nun auch als Titel eines zur Ausstellung erschienen Buches entlehnt wurden: ERICH SOKOL AMERICAN NATIVES (Brandstätter Verlag), mit Textbeiträgen von Erich Sokol, Wolfgang Krug (Kurator und Herausgeber) und Steve Allen.