Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


  	 Simplicissimus – 28. Jahrgang, Nummer 49, Titelblatt  "Wiener Mode“ 1924 © Simplicissiums/Info
Simplicissimus – 10. Jahrgang, Nummer 38 © © www.simplicissimus/info
Simplicissimus – 43. Jahrgang, Nummer 43 © www.simplicissimus/info
Simplicissimus – 3. Jahrgang, Nummer 43 © simplicissimus/info

EDUARD THÖNY Meisterzeichner des Simplicissimus

Gegensätze, 1922 © Privatsammlung

Der Witz vergeht, die Kunst besteht

Den Besucher des Karikaturmuseums Krems empfangen dicht gehängte Titelblätter des Simplicissimus. Erschienen ist diese Zeitschrift von 1896 bis 1944 in München. In Karikaturen und Satiren wurde anfangs die Politik der Wilhelminischen Epoche mit spitzer Feder attackiert, genauso aber auch bürgerliche Moral, die Kirchen, Juristen und Beamte, bis zum Aufkommen der Nationalsozialisten, die bekanntlich mit derartiger Kritik wenig Freude hatten und das Blatt für ihre Machenschaften einzusetzen versuchten. Einer der bekanntesten Zeichner aus einer namhaften Riege von Mitarbeitern war Eduard Thöny, 1866 als Sohn des Herrgottschnitzers Christian Thöny aus St. Valentin auf der Haide in Brixen geboren. Mit 17 Jahren wurde er an der Münchner Kunstakademie aufgenommen, also mitten in einem pulsierenden Kunstzentrum. Begonnen hat Thöny mit dem Studium von Genre- und Historienmalerei, bevor es ihn nach Paris zog, sozusagen in die damalige Hauptstadt der europäischen Kunst.

Ein Wiedersehen, 1908 © Privatsammlung

An der Seine absolvierte er ein Praktikum beim Schlachtenmaler Éduard Detaille. Vor allem eines der schwierigsten Handwerke eines Zeichners, nämlich Pferde in dramatischen Situationen zu malen, lernte er dort so gründlich, dass mit etwas genauerem Hinschauen sogar die von ihm gestalteten Titelblätter des Simplicissimus ihm zugeordnet werden können.

Weaner G'müat, 1925 © E.Thöny Nachlass Dr. Dagmar von Kessel, München

Entdeckt und engagiert wurde er für den Simplicissimus 1896, also in der Geburtsstunde dieser Zeitschrift, und er blieb ihr treu bis zur letzen Ausgabe. Er fertigte über 3.500 Gesellschafts- und Militärkarikaturen, wobei Thönys Leutnants zum Begriff für wilhelminisches Preußentum avancierten. Aber er verstand es auch, Menschen aller sozialen Schichten in deren Milieus zu studieren und damit Wahrheiten deutlich zu machen, die gerne von oben her ignoriert worden wären. Eduard Thöny war ein kritischer Künstler, einer, der virtuos mit Zeichenstift und Pinsel umgehen konnte. Er schaffte es aber nicht, den Strudeln seiner Zeit zu entkommen. Er meldete sich 1915 freiwillig beim k. u. k. Kriegspressequartier als „Kriegsmaler“ und liefert Bildberichte von der Karpaten- und Isonzofront. Als 1933 die Redaktionslinie des Simplicissimus den Wünschen des NS-Regimes (Gleichschaltung) angepasst wird, bleibt Eduard Thöny.

Ein Jahr darauf wird er sogar zum Prof. h.c. ernannt, was ihm den Ruch eines Nazikünstlers eingebracht hat. Seine Rehabilitation erfährt er jedoch durch ein Spruchkammerverfahren zu Klärung der NS-Belastung, das nach Vorprüfung der Fakten eingestellt wird. Am 26. Juli 1950 stirbt Thöny, bleibt aber als Künstler mit einer Reihe von Ausstellungen im Gedächtnis der Kunstwelt lebendig.

Das Karikaturmuseum erinnert mit EDUARD THÖNY Meisterzeichner, Zeichenmeister (bis 10. September 2017) erstens an die Karikaturzeitschrift Simplicissimus, mehr aber noch an den Künstler, der mit diesem Blatt zeitlebens verbunden war. Die Pointen auf den Titelseiten sind längst erklärungsbedürftig und einzelne, nicht im Druck erschiene „Vorratszeichnungen“ Thönys hat man mit Begleittexten versehen, die aber nicht immer passen wollen. Das Faszinierende an dieser Ausstellung ist jedoch die Begegnung mit einem hierzulande wenig bekannten Meister. Architekt und Karikaturist Gustav Peichl, der gemeinsam mit Hans Haider als Kurator verantwortlich zeichnet, bringt es auf den Punkt, wenn er eindringlich die Besucher auffordert, doch jedes Bild genau anzuschauen, um die Genialität im Strich und der Komposition zu sehen: „Jedes einzelne ist für sich ein großartiges Kunstwerk!

Christmettengang, 1924 © Privatsammlung
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