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I Love Deix“ (bis 2. Februar 2025), Ausstellungsansicht

I Love Deix (bis 2. Februar 2025), Ausstellungsansicht

I LOVE DEIX Jubiläumsausstellung zum 75. Geburtstag

„I Love Deix“, Ausstellungsansicht

„I Love Deix“, Ausstellungsansicht

Die von ihm gezeichneten Zeitgenossen haben bis heute überlebt.

Als Sechsjähriger verdiente er die ersten Honorare mit „Nacktzeichnungen“, die er an seine Mitschüler um 10, 15 Groschen verkaufte. Sex interessierte auch den Bub mit neun Jahren bereits, als er in einem Daumenkino eine Frau Striptease machen ließ. „Das Höschen hat sie anbehalten“, erzählte Deix später, „weil ich nicht wusste, wie es darunter aussieht.“ Im Alter von elf Jahren wurde er von einem Zeichenwettbewerb des ORF ausgeschlossen mit der Begründung, dass der Sender „Zeichnungen von Kindern, aber nicht von Erwachsenen oder Profis“ wolle. Im selben Jahr veröffentlichte Deix erste Cartoons in der St. Pöltner Kirchenzeitung. Unglaublich, aber wahr: Manfred Deix studierte an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, mit Kommilitonen wie Gottfried Helnwein, Josef Bramer oder Bernhard Paul. Schon eher seinem Naturell entsprechend: Zweieinhalb Jahre später gab es für ihn den Schulverweis, dem 1975 der Rausschmiss aus der Akademie der Bildenden Künste Wien folgte.

Manfred Deix, Paar mit Wurstsemmel, undatiert © Manfred Deix/Karikaturmuseum Krems

Manfred Deix, Paar mit Wurstsemmel, undatiert © Manfred Deix/Karikaturmuseum Krems

Dialog Manfred Deix, Werner Berg, Ausstellungsansicht

Dialog Manfred Deix, Werner Berg, Ausstellungsansicht

Aber Manfred Deix kümmerte sich nicht um derlei Beckmessereien. Er war längst ein gesuchter Karikaturist, der in Profil, Trend und Economy seine ätzenden Kommentare veröffentlichte. Mit seinem Aufstieg konnte selbst eine Rakete nur schwer mithalten. Titelblätter für Stern, Spiegel, Pardon, Tempo oder Playboy brachten ihm die Bekanntheit, die es ihm erlaubte, 1980 sein erstes Buch mit dem Titel „Cartoons von Manfred Deix“ erfolgreich auf den Markt zu bringen. Seine Landsleute verehrten ihn, obgleich sie als typische Deix-Figuren auf den ersten Blick bis heute klar auszumachen sind. 2001 durfte er das von ihm angeregte Karikaturmuseum Krems miteröffnen (freilich musste dem Landeshauptmann mit der auffallend kargen Frisur dabei der Vortritt gegeben werden). Am 25. Juni 2016 schloss der so scharf sehende Künstler für immer die Augen. Das Museum und seine Zeichnungen sind jedoch geblieben. Heuer wäre er 75 Jahre alt geworden.

Manfred Deix © Privatbesitz Marietta Deix

Manfred Deix © Privatbesitz Marietta Deix

Die Verbeugung ist eine Ausstellung mit dem Titel „I Love Deix“ (bis 2. Februar 2025), die ein Best-of seiner Werke zeigt, wie den Katzenkönig, den Lichtermann oder den Nasenbohrer, der „endlich allein“ in seinem Riechorgan mit dem Zeigefinger wühlen kann. Jeder Schritt ein Schmunzeln! Jeder Blick eine Erinnerung an einen, der uns mit der eigenen Lächerlichkeit veersöhnt hat! Dazu gibt es eine postume Begegnung mit Werner Berg (1904-1981). Dessen Bilder scheinen grundverschieden zu den Zeichnungen von Deix zu sein, geben sich aber bei genauem Hinschauen als grandiose Zerrspiegel ihrer Mitmenschen, die ein von Berg formuliertes Bekenntnis mit dem Jubilar verbindet: „Mir graust vor dem tausendfältig nur zu gut Gemachten. Der Grund des Lebens, auf dem ein Werk der Kunst sich erheben soll, kann nicht breit genug gelegt, dieses Leben nicht weit und voll genug sein.

Wolfgang Ammer, Dialog mit der Welt, Ausstellungsansicht

o.: Wolfgang Ammer, Dialog mit der Welt, Ausstellungsansicht

r.: Wolfgang Ammer, Das Beste aus zwei Welten, 2019 © Bildrecht, Wien 2023

Wolfgang Ammer, Das Beste aus zwei Welten, 2019 © Bildrecht, Wien 2023

Das Obergeschoss gehört bis 30. Juni 2024 dem politischen Karikaturisten Wolfgang Ammer. Sein „Dialog mit der Welt“ ist eine Hommage anlässlich des 70. Geburtstages. Die Zeichnungen sind pointierte Analysen der Tagespolitik, deren Protagonisten auf Anhieb erkennbar sind. Über manche von deren Streichen ist die Zeit gnädig hinweggezogen, denn der Rahmen der gezeigten Arbeiten erstreckt sich über 30 Jahre. Gedruckt wurden sie weit über die Grenzen seiner österreichischen Heimat hinaus, von Deutschland über Japan bis in die USA. Dabei bewies Ammer einen erstaunlichen Weitblick, da er Themen wie Klimawandel, Rassismus oder Konsumkritik mit spitzer Feder anprangerte, lange bevor sie die Schlagzeilen der Tagespresse bestimmten.

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