Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Heinrich Dunst Ohne Titel, 1996–2011 Foto: Sammlung Liaunig

Farbengrübeleien, Malerei im Raum und das donaufestival

Saint Genet_Who With Their Fear Is Put Beside Their Part

Eintauchen in eine Kunst, die nicht verstanden werden will

Bis 19. Juni 2016 ist die Kunsthalle Krems wieder Schauplatz eines selbstbewussten Auftritts von (wie man sagt) brandaktuellen Positionen künstlerischen Schaffens. Gleich im ersten Raum, dem sogenannten Oberlichtsaal, will der in Wien lebende Künstler Stefan Sandner mit „Farben“ einen Malereidiskurs auslösen. Großformatige Leinwände scheinen kindisch bekritzelt, handgeschriebene Zeichen füllen samt Korrekturen und Streichungen die Fläche, viel mehr ist nicht zu sehen. Es handelt sich dabei jedoch um Sandners Arbeitsmaterial, mit denen spontane Gedankengänge oder gedankenverlorene Momente festgehalten sind, heißt es wortreich zum Inhalt dieser Ausstellung. Erst wenn man sich mit den in der abgehobenen Kuratorensprache artikulierten Grübeleien (nachzulesen im Begleitheft zur Ausstellung) zu Farben und Inhalten intellektuell auseinanderzusetzen bereit ist, könnte sich die immanente Bedeutung des Universums von Stefan Sandner zum Kunsterlebnis öffnen.

Stefan Sandner Ohne Titel, 2015 Foto: Lisa Rastl

Die Säle im oberen Stockwerk stehen im Zeichen von ABSTRAKT SPATIAL und meinen damit „Malerei im Raum“. Laut Begleitheft versteht sich diese Ausstellung „als Agglomerat künstlerischer Positionen, die jeweils auf spezifische Weise Malerei im Raum praktizieren und einander auf der Ebene der abstrakt geometrischen Formensprache begegnen.“ (Was imer das heißt) Arbeiten von 12 Künstlern, die zum Teil eigens für die Kunsthalle Krems konzipiert wurden, bewegen sich vom Tafelbild zwanglos über die dreidimensionale Erscheinung bis zu Lichtinstallationen.

Peter Sandbichler DIE ZEIT, DOSSIER, 4. DEZEMBER 2014, 2015 Foto: Peter Sandbichler

Heimo Zobernig ist mit seinem 1997 für den alternativen Sender UTV geschaffenen „ins Dreidimensionale gekippten Bildern“ vertreten. Heinrich Dunst lässt „Ohne Titel“ die Malerei in ihre archetypischen Elemente Farbe, Fläche und Rahmen zerfallen. Aus handelsüblichen Bic-Kulis gewonnene Kugelschreibertinte ist das Material von Herbert Hinteregger, um damit Fragen zu den aktuellen Möglichkeiten der Malerei und vielem mehr stellen. Gerwald Rockenschaub beschränkt sich routiniert auf seine piktogrammartige Bildsprache, artikuliert mit Plexiglas und farbigen Folien. Schlagschnurmarkierungen reflektieren in Sofie Thorsens Arbeiten auf einzelnen Bildträgern und Markierungen im Raum die Grenzen.

Michael Kienzer nimmt Materialbefragungen nach ihrer Eignung zur Skulptur vor, während eine vierteilige, in sich geschlossene Wandfolge von Ernst Caramelle als Raumkörper definiert wird, dem Luisa Kasalickys formale Anordnung in den Realraum wuchernder Materialmalerei gegenübersteht. Helga Philipp reüssiert mit dem in den 1980er-Jahren entstandenen Werk Domino, Peter Sandbichler mit Kunstharzmodulen, die eine Maximierung der Fläche zur Folge haben (Faltungen von Zeitungsseiten in Origamitechnik), Esther Stocker unter anderem mit einer maximal reduzierten Farbpalette in der Rauminstallation Beyond the Walls und Ingo Nussbaumer als Lichtkünstler mit Working Shade . Formed Light.

Die zentrale Halle ist einer Produktion des donaufestivals in Kooperation mit der Kunsthalle Krems und den Wiener Festwochen 2017 vorbehalten. Zwischen 29. April und 9. Mai 2016 werden zum letzten Mal unter der langjährigen Intendanz von Tomas Zierhofer-Kin Performances, neue Theaterformen, Installationen, Konzerte, Ausstellungen und aktivistische Interventionen in dichter Form aufeinanderprallen. Die ebenfalls bis 19. Juni 2016 eingerichtete Ausstellung SAINT GENET. WHO WITH THEIR FEAR IS PUT BESIDE THEIR PART wird zum Schauplatz einer 72-stündigen Performance unter dem Motto FRAIL AFFINITIES (was steckt hinter all diesen mysteriösen englischen Titeln? Gibt es eine Antwort auf die seltsamen toten Kaninchen?) werden.

Ernst Caramelle Ohne Titel, 2016  Foto: Oliver Ottenschläger

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