Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Salon zuckerkandl Ensemble © Barbara Palffy

SALON ZUCKERKANDL Eine Einladung, die man gerne annimmt

Roman Kollmer, Ulli Fessl © Barbara Pallfy

Berta Zuckerkandl: In meinem Salon war Österreich!

Berta Zuckerkandl war Journalistin, geblieben ist von ihr aber der Name ihrer Gesellschaften, der berühmte Salon Zuckerkandl. Die Liste der Personen, die dort verkehrten, liest sich wie das Who´s Who der Kunst- und Kulturszene des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Alexander Girardi, Johann Strauß Sohn, Hermann Bahr, Arthur Schnitzler oder Franz Theodor Csokor nützten das Zusammentreffen zum Gedankenaustausch, Gustav Mahler wurde mit Alma bekannt gemacht, von Gustav Klimt die Secession gegründet und Max Reinhardt hub gemeinsam mit Hugo von Hofmannsthal eben dort die Salzburger Festspiele aus der Taufe. Als deren „Herold“ rührte Berta Zuckerkandl in ihren Zeitungsartikeln erfolgreich die Werbetrommel. Es war eine Ehre, im Salon Zuckerkandl eingeladen zu sein und die Eingeladenen, so bedeutend und berühmt sie auch waren, wussten um die Bedeutung, die ihnen damit zugemessen wurde. Heute können wir nur mehr neidvoll an diese Konzentration an Geist und Kreativität blicken, die Österreich ohne Zweifel zu einer wahren Kulturnation erhoben hat.

Ulli Fessl, Kurt Hexmann © Barbara Palffy

Der Autor Helmut Korherr ist Spezialist für diese Zeit. Er hat uns mit einem Theaterstück eine Einladung in den SALON ZUCKERKANDL verschafft. Über ein Jahrhundert danach wird man noch Teil dieser wunderbaren Gesellschaft, ohne deren Genialität die Kultur unseres Landes undenkbar wäre. Aber man wird auch Zeuge der unbegreiflichen Verblendung einer Nation, die während der Nazizeit ohne Respekt vor den Leistungen der Dichter und Wissenschaftler diesem Salon ein bitteres Ende setzte. Ein guter Teil von den Gästen im Salon Zuckerkandl waren Juden.

Ulli Fessl, Kurt Hexmann © Barbara Palffy

Sie wurde von den Nationalsozialisten zu Untermenschen und ihre Werke im freundlichsten Fall zu entarteter Kunst erklärt. Berta Zuckerkandl konnte 1938 noch rechtzeitig fliehen. Im Exil erlebte sie noch das Ende des „Tausendjährigen Reiches“, bevor sie im Oktober 1945 in Paris verstarb. Im Stück sagt sie selbst, gefangen auf dem Familiensitz in Purkersdorf, dass sie Jakob Wassermann, Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzer um deren frühen Tod beneidet, der sie vor den grausamen Erfahrungen dieser Tage bewahrt hat.

Kurt Ockermüller hat den Salon mit viel Emotion auf die Bühne gebracht. Der erste Teil ist eine schonungslose Abrechnung mit dem (damaligen) Umgang mit den Juden in Österreich. Aufgerollt wird auch der längst in Vergessenheit geratene Fall Halsmann, eines jungen Mannes, der verdächtigt wird, seinen Vater im tirolerischen Gebirge zum Absturz gebracht zu haben. Erst eine Intervention von Berta Zuckerkandl bewahrt ihn vor einer mehrjährigen Gefängnisstrafe, die über ihn als Juden im Zuge zweier Fehlurteile verhängt worden war. Der zweite Akt öffnet endlich die Tür zum eigentlichen Salon, nicht ohne die Begeisterung eines Hofmannsthal oder eines Wassermann für den Ersten Weltkrieg offen zu zeigen.

 

Einer, der in diesem Zusammenhang das Recht hat, auch eine Zuckerkandl zu schelten, ist Karl Kraus. Mit der Stimme von Itze Grünzweig lässt er seine in der Zeitschrift Die Fackel veröffentlichten Tiraden gegen ein seiner Meinung nach süßlich gutbürgerliches Getue im Salon Zuckerkandl abfeuern. Ulli Fessl als die souveräne Gastgeberin ist davon nur wenig beeindruckt. Damit konnte ihre Berta Zuckerkandl zeitlebens offenbar bestens umgehen.

Damit konnte ihre Berta Zuckerkandl zeitlebens offenbar bestens umgehen. Ihr zur Seite steht in etlichen Rollen, angefangen von einem gewissen Dr. Fritz Hirsch aus Hamburg, ihrem Gatten Prof. Dr. Emil Zuckerkandl, einem Strafverteidiger oder Arthur Schnitzler Roman Kollmer. Kurt Hexmann verwandelt sich in atemberaubendem Tempo von Sohn Fritz Zuckerkandl in Hugo von Hofmannsthal, Gustav Klimt, Gustav Mahler, den bereits schwer erkrankten Sigmund Freud und auf offener Bühne vom Richter in die Zeugen des Prozesses um Philipp Halsmann. Neben dem als Vatermörder angeklagten Halsmann ist Reinhard Steiner auch Kellner, Universitätsprofessor und Jakob Wassermann. Mit Projektionen von Benjamin Epp wird im Handumdrehen, besser gesagt, im kurzen Umschalten aus der Bühne ein Kaffeehaus auf der Weltausstellung in Paris 1937, das Sanatorium in Purkersdorf, die von Itze Grünzweig gezeichnete Karikatur von Karl Kraus oder eben der Salon Zuckerkandl, an den mit mehr als einem Hauch von Wehmut in diesem Stück erinnert wird.

Ulli Fessl (Berta Zuckerkandl) © Barbara Palffy
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