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FAMILIE TRAPP #ein Chor flieht vor Hitler

Familie Trapp Ensemble © Benjamin Epp

Anschaulicher Geschichtsunterricht, der Emotionen weckt

Es musste erst das Musical „The Sound of Music“ erfolgreich werden, um die Familie Trapp auch hierzulande bekannt zu machen. In Amerika war dieser Familienchor in den 1950er-Jahren längst eine Legende. Dort allerdings, wo er hergekommen ist, eben aus Österreich, staunte man nicht schlecht, besser gesagt, man war offenbar paralysiert von der wundersam klingenden Story. Bezeichnend ist dafür das Datum der ersten deutschsprachigen Aufführung. Sie fand am 9. März 1982(!) in Deutschland (Stadttheater Hildesheim) statt. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass der Background zumindest teilweise real ist. Georg Ritter von Trapp, ein Offizier (Kommandant eines U-Bootes) in der kaiserlichen Armee, war mit sieben Kindern zum Witwer geworden.

Familie Trapp Ensemble © Benjamin Epp

Die junge Hauslehrerin Maria, aus ärmsten Verhältnissen kommend, wird seine Frau. Unter der Leitung des Geistlichen Dr. Franz Wasner singt sie mit den Kindern und gründet damit den später berühmt gewordenen Chor. Ihr Mann ist mittlerweile verarmt, hadert mit Stolz und Standesbewusstsein, entschließt sich aber doch zur Emigration, als er und seine Söhne in Gefahr geraten, für Hitler tätig werden zu müssen. Die Familie und Pater Wasner schaffen es, den Nazis zu entkommen und in Übersee Fuß zu fassen. Damit unterscheidet sich die Handlung, die Richard Rodgers und Oscar Hammerstein gebastelt haben, allerdings in wesentlichen Punkten von der Realität. Maria war keine Novizin, sondern Lehrerin, Pater Wasner wird gänzlich ausgespart und dem durchaus nachgiebigen Familienoberhaupt wird ein strenger Charakter angedichtet. Diese Veränderungen waren wohl für einen Broadwayhit erforderlich, tragen aber zur wahren Geschichte der Familie Trapp wenig bei.

Eva Billisich, Corinna Pumm, Roman Kollmer © Benjamin Epp

Helmut Korherr, Dramatiker und Spezialist für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat penibel recherchiert und mit „Familie Trapp #ein Chor flieht vor Hitler“ eine ungemein berührende Geschichtsstunde geschrieben. Er gibt den Hauptfiguren menschlich nachvollziehbare Charaktere, lässt sie Emotionen zeigen und legt ihre Beweggründe detailliert in straffen Dialogen offen. Für die Produktion des Kulturvereins SABA im KIP (Kunst im Prückel) wurde als Regisseur wieder Kurt Ockermüller gewonnen.

Er schafft es faszinierend geschickt, die Geschichte eines ganzen Chores auf die kleine Bühne dieses Kelleretablissements zu stellen. Es genügen dafür fünf Schauspieler, zwischen den Szenen Einspielungen von originalen Aufnahmen des Trapp-Chores, sparsame Requisiten und Projektionen, um die jeweiligen Schauplätze wie Zell am See, die Trapp-Villa, Salzburg, die Ozeanquerung oder das Haus in den USA sichtbar zu machen.

 

Roman Kollmer ist Baron Trapp, dem man seine Verzweiflung abnimmt, die er über den Zusammenbruch der Monarchie und 20 Jahre später über den Verlust des letzen Restes von Österreich erleidet. Das Stück beginnt mit der Auseinandersetzung mit Auguste Lammer (Eva Billisich), die mit einem Zusammenbruch ihrer Bank auch das Vermögen von Trapp vernichtet hat, um mit einem warmherzigen Gespräch zwischen Maria Augusta, der nunmehrigen Frau Baron, und Pater Dr. Franz Wasner fortzusetzen und so die aktuellen Familienverhältnisse zu umreißen.

Corinna Pumm als energische junge Mutter und Stiefmutter der sieben Kinder von Trapp traut man durchaus zu, einen ganzen Chor zu managen. Kurt Hexmann ist, wie man sich auf den Projektionen überzeugen kann, sogar äußerlich dem von ihm dargestellten Pater Wasner ähnlich. Als einziges „Kind“, das übrigens mittlerweile auch sein Medizinstudium abgeschlossen hat, unterstreicht Sohn Rupert (Reinhard Steiner) die Abneigung der Familie gegen die Umtriebe der Nazis, die mit dem Einmarsch der Deutschen auch in Salzburg ab 1938 ihr Unwesen treiben. In einer Doppelrolle gibt Eva Billisich die Opernsängerin Lotte Lehmann, die selbst nach Amerika fliehen musste, aber noch in ihrer Zeit als Sängerin bei den Salzburger Festspielen den Trapp-Chor entdeckt und damit keine unwesentliche Rolle für den Aufstieg dieser Formation gespielt hat. Das ist, so darf man mit gutem Gewissen annehmen, die Wahrheit um die Familie Trapp, die sich überraschenderweise nicht mit „Edelweiss“, sondern mit dem „Carol Of The Drum“ vom Publikum verabschiedet.

Eva Billisich als Opernsängerin Lotte Lehmann © Benjamin Epp
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