Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


"Peter Dressler. Wiener Gold" © KUNST HAUS WIEN 2016, Foto: Thomas Meyer

Fotokunst & Kunstfotografie aus viereinhalb Jahrzehnten

P. Dressler, Aus Tie Break, 1996 © Fotohof Archiv

Wiener Gold von Peter Dressler & Running Blind von Nasan Tur

In einer Zeit, in der Instagram und Facebook mit Klicks und Likes über Wert und Unwert von Fotos urteilen, ist es durchaus ein lohnendes Unternehmen, sich mit fotografischen Arbeiten auseinanderzusetzen, die in diesen Foren wohl kaum mehr als eine Hand voll Follower generieren würden. Die beiden Fotokünstler Peter Dressler und Nasan Tur sind bis 5. März 2017 Gäste des KUNST HAUS WIEN. Sie zeigen jeder für sich auf seine ganz besondere Art, wie man mit der Kamera weitab vom Bild mit dem Wow-Effekt Kunst machen kann, zumindest als Künstler anerkannt zu werden. Im Grunde sind die Motive durchwegs wenig sensationell, bei Dressler beispielsweise in einsamer Tennisspieler, ein netter, obzwar hässlicher kleine Hund oder ein Koch, der anstelle eines feinen Gerichtes Trommeln oder Matador-Spielzeug präsentiert. Nasan Tur hingegen setzt auf Gesichter mit Emotionen, deren Anlass wir nicht wissen, die wir aber jeden Tag in den Zeitung sehen: Menschen, die vor Freude den Mund aufreißen oder in Tränen ausbrechen, je nachdem ob eine Wahl gewonnen oder verloren wurde.

P. Dressler, Aus Eher seltene Rezepte, 1987 © Fotohof Archiv

Das Werk Peter Dresslers (1942 – 2013) erhält mit „Wiener Gold“, so der Titel, die erste Retrospektive in Wien. Ein Grund für diese Würdigung, so die KuratorInnen Christina Frisinghell, Rainer Iglar und Michael Mauracher, ist die Tatsache, dass Dressler wie wenige andere Persönlichkeiten als Fotograf und Filmemacher, Akademielehrer, Sammler und kritischer Teilnehmer der Kunstszene die österreichische (Kunst)Fotografie seit den 1970er-Jahren mit beeinflusst.

Aus der Serie „Political Supporters“, 2016 © Nasan Tur/Bildrecht, Wien 2016

Den Stoff für seine frühen dokumentarischen Serien und Bild-Erzählung hat Dressler in Wien gefunden, dort, wie er selbst gesagt hat, „wo noch die Substanz, Qualität, schlechthin die Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist.“ Es folgen Entwicklungsphasen und das Bemühen, Fotografie von der Bildinformation oder der Faszination sensationeller Blickwinkel getrennt als Kunstwerk zu etablieren. Er setzt sich dabei selbst als Akteur ein, um mit Humor gefundene und erfundene Szenarien, so der Ausstellungstext, durch seine Person zu verlebendigen und kunstgeschichtliche Zusammenhänge und menschliche Verhaltensweisen zu artikulieren.

 

Nasan Tur ist internationaler Künstler, geboren in Deutschland, vorübergehend aufhältig in der Türkei, in London und Rom, der sich wohl damit den unabhängigen Blick auf das politische Geschehen bewahrt hat.

Seine Arbeit, die für die Garage des KUNST HAUS WIEN entstanden ist, führt dem Betrachter die politischen Leader, die „Verführer“ vor. Deren Werkzeug ist die Rede an sich, mit der die sogenannte Masse dorthin getrieben werden soll, wo sie vom Stimmvieh bis zum Exekutor diverser Ideologien missbraucht werden kann. Die Art und Weise, wie Nasan Tur seine Botschaft weiterzugeben versucht, löst sich vom rein Visuellen. Gesprochene Worte werden mittels Computerprogramm in Notationen umgewandelt und die so musikalisch gewordenen Reden von einem professionellen Pianisten gespielt. Quasi die Bestätigung findet sich in den parallel in der Galerie gezeigten Bildern mit den Political Supporters, eben den Verführten. Die Gesichter, die durchwegs große Mimik zeigen, wurden aus dem Zusammenhang gelöst und die Perspektive voll und ganz auf sie fokussiert. Mit der Größe der Porträts soll die Distanz des Betrachters zu den dargestellten Emotionen vermindert werden.

 

Unbeantwortet bleibt in beiden Fällen die Frage, wie mit einem derartigen Engegement die auf den Fotos angesprochenen Menschen erreicht werden.

Im Fall von Dressler bleibt das Lächeln über die Seltsamkeit des Gezeigten, ein wenig Nostalgie bei den älteren, so schön analogen Arbeiten in einer Welt, aus der durch electronical Devices eine Virtual Reality geworden ist. Bei Nasan Tur braucht es wohl mehr an Einarbeitung in eine Ausdrucksweise, die sich weg von der Gegenständlichkeit in abstrakten Klängen und zu gut versteckten Botschaften manifestiert, wie sie wenigen Ausstellungsbesuchern speziell in der so verständlichen und verspielten Architektur des Hundertwasserhauses vertraut sein dürfte.

P. Dressler, Aus Zwischenspiel, 1970-74 © Fotohof Archiv
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