Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht © KUNST HAUS WIEN 2015 Foto: Antonia Mayer

Japanisch denken lernen mit „Illuminance“ von Rinko Kawauchi

Porträt: Rinko Kawauchi © Arnoldas Kubilius

Bilder von der scheinbar unabsichtlichen Ordnung der Natur

Die zerbrechlich wirkende Japanerin Rinko Kawauchi (*1972) zeigt sich in ihren Fotografie, Filmen und Büchern als durchaus energische Künstlerin. Sie ist stark genug, um ihre Arbeiten in erste Linie Beschaulichkeit ausstrahlen zu lassen. Man hat immer wieder den Eindruck, einfach die fernöstliche Mentalität nicht zu verstehen, oder an dieser uns fremden Gedankenwelt abzugleiten. Erst wenn man lange genug hinschaut, wird man die gemeinsame ideelle Basis entdecken, die ihre Bilder mit unseren Vorstellungen von künstlerischer Fotografie verbinden. Es sind Details, die alles andere als nur den Moment des Auslösens in einem zufälligen Zusammentreffen von Situation, Fotograf und Kamera festgehalten haben.

© Rinko Kawauchi, "œUntitled"€, aus der Serie: AILA, 2004.

Ein Frosch auf der Hand, das Gesicht eines Kindes, Blumen, Wellen oder Baumwipfel von unten betrachtet sind keine Sensationen, trotzdem das sogenannte Besondere im Alltäglichen. Rinko Kawauchi zeigt uns damit, so der Text zur Ausstellung, die fundamentalen Kreisläufe des Lebens, die scheinbar unabsichtliche Ordnung der Natur.

 

Kawauchi arbeitet ganz entgegen jedem Zeitgeist mit einer Analogkamera im Mittelformat. Es spielt dabei offenbar keine Rolle, dass ein Teil der Fotos technisch unzulänglich ist. Die großen Formate in der Ausstellung enthüllen gnadenlos jede Unschärfe und Belichtungsschwäche. Trotzdem wird ihrem Werk eine einzigartige Anziehungskraft bescheinigt. So definiert etwa ein gewisser David Chandler in Kawauchis Buch „Illuminance“ diese Bescheidenheit als Kawauchi-Mythologie, die diese unbedeutenden Dinge und Augenblicke zu etwas Transzendentem von hypnotisierender Schönheit erhebt.

© Rinko Kawauchi, "œUntitled", aus der Serie: Ametsuchi, 2013. courtesy: PRISKA PASQUER

Nur dort, wo Kawauchi vom Engagement gepackt ist, wie im Zyklus „Ametsuchi“, in der sie traditionelle Brandrodungen im Süden Japans und gleichzeitig brutale Zerstörung der Natur anprangert, werden Farben und Inhalte dramatisch und universell begreifbar. Erstmals rückt die Künstlerin dabei auch vom Kleinen und Nahen auf das Große und Umfassende vor und zeigt dabei vor allem bemerkenswerten Mut, sich der Hitze in den Flammen auszusetzen.

 

Die Künstlerin hat auch für die Ausstellung im KUNST HAUS WIEN – übrigens die bisher umfangreichste in Österreich – eine neue Werkgruppe geschaffen.

Dass in Japan die Fotografie allerhöchsten Stellenwert besitzt, braucht man nicht eigens zu erwähnen. Man kennt die Leidenschaft unserer Gäste aus Nippon, alles und jedes mit der Kamera festzuhalten, Motive, die uns verwunderlich erscheinen, weil sie in unseren Augen so Garnichts hergeben.

Damit wird auch deren Begeisterung für eine Künstlerin wie Rinko Kawauchi verständlich. Sie begann 2001 ihre Karriere mit der simultanen Veröffentlichung von drei Fotobänden und sicherte sich ihre Stellung in der zeitgenössischen Fotografie. Fotokunst hat damit in Japan bestimmt einen anderen Stellenwert als hierzulande, und eine Ausstellung wie „Illuminance“ (bis 5. Juli 2015) kann als Botschafterin einer uns möglicherweise weniger vertrauten Einstellung zur Kunst der Fotografie durchaus dazu beitragen, Bilder einmal ganz in japanischer Manier, also losgelöst von unseren Maßstäben, als entspannten Augenschmaus zu genießen.

© Rinko Kawauchi, "€œUntitled"€, aus der Serie: AILA, 2004.

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