Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Joel Meyerowitz, amerikanischer Fotokünstler – eine Retrospektive

New York,1963 © Joel Meyerowitz,Courtesy Howard Greenberg Gallery

Das Schaffen eines von der Neugierde getriebenen Blicks

Mit 200 Arbeiten aus fünf Jahrzehnten künstlerischen Schaffens stellt das KUNST HAUS WIEN einen Fotokünstler vor, der für viele Bereiche dieses Genres Maßstäbe gesetzt hat. Das Wirken von Joel Meyerowitz (*1938) spannt sich von der Street Photography über frühe Experimente mit Farbe bis zu jüngeren Arbeiten, in denen er mit der Kamera Resten ungestörter Natur in der Kulturlandschaft nachgeht bis zu seinen letzten Bildern, die in der Toskana entstanden sind. In der Art von alten Meistern zeigen sie einfache, teils bäuerliche Gegenstände, deren Funktion in Vergessenheit geraten ist. Die Ausstellung (bis 1. November 2015) wird damit zu einem Gang durch die jüngere Geschichte der künstlerischen Fotografie, die von Meyerowitz bis heute entscheidend beeinflusst wurde und wird.

 

Begonnen hat alles mit einer Begegnung.

Florida, 1978 © Joel Meyerowitz, Courtesy Howard Greenberg Gallery

1962 nimmt er als Art Direktor in New York an einem Fotoshooting mit Robert Frank teil. Der Absolvent eines Kunststudiums wird von der Fotografie gepackt. Er beschließt, Fotograf zu werden und hat damit seine wahre Berufung gefunden. Das erste Arbeitsfeld ist die Straße, sind „The Things I Saw“. Er zeigt in einer scheinbar alltäglichen Umgebung neue inhaltliche und formale Zusammenhänge. Es war die Zeit, als sich die Kunst aus den gewohnten Strukturen gelöst hat und an das Geschaffene neue Parameter gelegt wurden. Wie mit Jackson Pollocks Action-Painting gab es auf diese Weise „Action Photography“. Meyerowitz schuf Malerei des flüchtigen Moments. Ihn faszinierte, wie er selber im Begleitheft zur Ausstellung schreibt, die Absurdität des Vorgangs, wenn Personen, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten, von ihm in einen Rahmen gestellt wurden und dadurch einen neuen Kontext erhielten.

New York City,1975 © Joel Meyerowitz, Courtesy Howard Greenberg Gallery

Mit dem Beginn der 1970er Jahre entscheidet sich Meyerowitz für die Farbe, zur Malerei mit Licht und Kamera. Wieder ist sein Wirken richtungsweisend, in diesem Fall prägt er mit William Egglestone und Stephen Shore die New Color Photography. Er wechselt von der 35-mm-Kamera zur großformatigen 8x10-Inch-Plattenkamera und setzt diese am Cape Cod 1976 erstmals ein. Die nun entstehenden Bilder stehen in vollkommenem Gegensatz zu den spontanen Aufnahmen auf der Straße oder vom fahrenden Auto aus.

Sie atmen Ruhe, die Farben, nicht der Inhalt, sind die Protagonisten und das Gegenüber ist immer Cape Cod. 1978 veröffentlicht Meyerowitz sein erstes Buch mit dem Titel „Cape Cod“, das die Fotografie endgültig in der Kunst verankert.

Es folgen Porträts, die im Band „Red Heads“ 1990 zusammengefasst werden, ebenso wie menschenleere Schwimmbäder und immer wieder die blaue Stunde am Wasser. Meyerowitz schreibt dazu: Wie das Wasser ist auch die Stunde der Dämmerung sowohl zahm als auch wild. Die Franzosen haben einen speziellen Ausdruck für diese Tageszeit – „entre chien et loup“, also zwischen Hund und Wolf. In den letzten Jahren hat sich der Künstler in die Toskana zurückgezogen. Dort entsteht als fortlaufendes Projekt eine Serie von Stillleben, das eine neuerliche formale und inhaltliche Wendung in dessen Œuvre markiert und dennoch als Konstante die ausnehmende Neugier, die ihn antreibt, die Dinge, die er sieht, über das gesamte Schaffen gelegt werden kann.

Sarah, Provincetown, Massachusetts, 1981 © Joel Meyerowitz Courtesy Howard Greenberg Gallery
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