Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Katharina Weiß: „In Vitro“ © Katharina Weiß

Bleistift, Heft & Laptop als erste literarische Sonderausstellung

Zeichnung von Teresa Präauer © Teresa Präauer

Gegenwärtige Grenzgänge zwischen den Künsten

Zehn Literaturschaffende in sauberer Parität der Geschlechter, fünf Frauen, fünf Männer, waren eingeladen, in der ersten Sonderausstellung des Literaturmuseums der Österreichischen Nationalbibliothek auf ihre persönliche Weise zu beweisen, dass der Vorgang des Schreibens durchaus auch für eine Ausstellung taugt. Die unter dem Titel „Bleistift, Heft & Laptop“ (bis 12. Februar 2017) geforderte Kreativität zeitigte erstaunliche Ergebnisse, vor allem die Erkenntnis, wie viele Doppelbegabungen sich unter Literaten verbergen und wie reizend eine solche Aufgabe auf Kooperationen mit anderen Künstlern wirken kann. Schließlich ist ein Buch ein Buch, das es je nach Auflage beliebig oft gibt und trotz der historischen Regale des Literaturmuseums nichts anderes als an eine Buchhandlung erinnern würde. Zeichnungen, Fotos, Videos und andere künstlerische Techniken machen das Schreiben jedoch anschaulich, sind in vielen Fällen sogar Teil des schöpferischen Prozesses, der Inspiration und Recherche.

Collage von Hanno Millesi © Hanno Millesi

Eine alles andere als selbstverständliche Erkenntnis aus diesem Projekt ist die Tatsache, dass alle Beteiligten ihr Werk über ein solches Wechselspiel definieren und Grenzüberschreitungen für den Schreiber Teil ihrer Arbeit sind. Schließlich kann der Inhalt eines Buches auch zur Grundlage eines Hörspiels, eines Films oder, wie in letzter Zeit sehr beliebt, eines Theaterstücks werden.

Screenshot von Philine Rinnert / Gerhild Steinbuch © Philine Rinnert / Gerhild Steinbuch

Teresa Präauer ist Autorin und Zeichnerin. Sie tritt in (selbst)ironischer Reflexion als Bleistift auf, der von Papierobjekten, Arbeitsmaterialien, Zeichnungen und Audioaufnahmen umkreist wird. Einblick in die Recherche für ihren Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ gibt Anna Weidenholzer. Zu hören sind Gespräche „zwischen Kaffeetassen und Aschenbechern“. Die von ihr bereitgestellten Buchattrappen soll der Besucher in die Hand nehmen und Recherchematerialien und einen Teil von Weidenholzers Privatbibliothek dort vorfinden.

„Leset und höret!“ fordert Ferdinand Schmatz zum Einstieg in seinen Ausstellungsbeitrag. Aus der langjährigen Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Heimo Zobernig stammen großformatig angelegte Druckbögen für deren gemeinsame Veröffentlichung „Die Kunst der Enzyklopädie“, und Schnipsel seines Tagebuches collagierte Schmatz zu einem Alphabet, das einen Raum in der Sprache errichten soll.

Grafik von Brigitta Falkner © Brigitta Falkner

Clemens J. Setz tritt mit seiner persönlichen Malerin Katharina Weiß gemeinsam auf. Sie hat zu Einzelzitaten seiner Bücher Gemälde gemacht und dem Autor damit eine Welt erschaffen, in der er lieber leben würde als in der seiner Bücher. Wie er seine Literatur ausstellen könnte, hat sich Thomas Stangl gefragt und ist einen Schritt zurückgegangen, vom Text zum Material und hat so, wie er sagt, ein neues Netz geknüpft: Wege, die Zimmer und Wüsten durchqueren, Städte, Metropläne, Landkarten, Epochen – und stellt dahinter ein große Fragezeichen. Die Theaterautorin Gerhild Steinbuch und die Bühnenbildnerin Philine Rinnert arbeiten seit mehreren Jahren kontinuierlich zusammen und haben mit „schon schön“ eine Installation als Ausdruck ihrer theatralischen Interaktion zur Ausstellung beigetragen. Hanno Milesi setzt auf Collagen, um seinen Hunger nach Bildern zu stillen, die wiederum aus Bild- und Textmaterial bestehen und von ihm auf humorvolle Weise neu kombiniert werden und aus Gehörtem und Gesehenem neue Zusammenhänge entstehen lassen.

Einen Querschnitt durch ihr literarisches, grafisches und audiovisuelles Schaffen bietet Brigitta Falkner, während Kathrin Röggla mit Prosatexten, Hörspielen und Theaterarbeiten einen Blick in die Arbeitswelten des Risikomanagements und der Unternehmensberatung öffnet.

Sie umkreist damit das Katastrophen- und Krisenhafte unserer Wirtschaftsordnungen und unsere „alarmbereiten“ Medienwelten. In einer Ausstellungsinstallation als Arrangement aus Bildern und Objekten macht Richard Obermayr seine bildreiche, präzispoetische Sprache sichtbar. Scheinbar unbedeutende Alltagsgegenstände formen für ihn eine feingliedrige Bildwelt der Erinnerung, die wiederum unmittelbar in seine literarische Arbeit zurückführt, wenn er schreibt: „Ich erinnere mich zu sehr. Ich erinnere mich an ein Mädchen, das nie existiert hat ... das aber hätte existieren sollen – es hätte ein Anrecht darauf gehabt.“

Fotografie von Thomas Stangl © Thomas Stangl
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