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Bruno Gironcoli Ausstellungsansicht © mumok/Photo: Stephan Wyckoff

BRUNO GIRONCOLI Der Bildhauer und sein grafisches Werk

Bruno Gironcoli Säule mit Totenkopf © BRUNO GIRONCOL I WERK VERWALTUNG GMBH

In der Arbeit schüchtern bleiben, trotz der Präsenz der eigenen Werke

Wenn man die Stufen zum mumok erklommen hat, wird man von einem Gironcoli empfangen. Das Werk hat zwar keinen Titel, aber es reizt sofort, der fantastischen Figur einen Namen zu geben. Es könnte alles mögliche sein, von einem Elefanten angefangen bis zur Kuh aus österreichischen Alpen. Für diese Interpretation sprechen die zahlreichen Edelweiß-Blüten, mit denen die Skulptur geschmückt ist. Sie begegnen dem Besucher wieder im Stiegenhaus des Museums. Dort haben sie sich auf dem weißen Kubus von Heimo Zobernig wie Metastasen ausgebreitet. Sie vermitteln den Eindruck, aus Gold oder Silber zu sein. In Wirklichkeit sind sie aber Gips, der mit Metallfarbe bestrichen ist. Nix ist also echt, genauso wenig wie das Klischee der Nettigkeit von Österreich, dem der Bildhauer Bruno Gironcoli in feiner Satire entgegengetreten ist. Seine dreidimensionalen Arbeiten vermitteln neben aller Kritik eine seltsam unbestimmte Freundlichkeit. Man möchte sie angreifen, die blanken, schimmernden Rundungen auf der Handfläche fühlen und sich ganz einfach an der Harmonie, die dem plastischen Werk Gironcolis innewohnt, erfreuen.

Bruno Gironcoli Ohne Titel © BRUNO GIRONCOLI WERK VERWALTUNG GMBH

Mit Plastiken ist Gironcoli im allgemeinen Bewusstsein fest verankert. Der Bildhauer musste sich dazu allerdings auch Skizzen schaffen, Zeichnungen, in denen er nachgedacht hat. Und aus vielen dieser „Vorbereitungen“ für große Skulpturen sind eigenständige Kunstwerke geworden. Überzeugen kann man sich davon bis 27. Mai 2018 im mumok, das dem grafischen Werk von Bruno Gironcoli unter dem Titel „In der Arbeit schüchtern bleiben“ eine Ausstellung gewidmet hat.

Der 1936 in Villach geborene und 2010 in Wien verstorbene Künstler ist als Bildhauer vor allem im Spätwerk mit gigantischen Steinplastiken die Öffentlichkeit prägend aufgetreten. Seine Bilder scheinen dagegen leiser, zumindest auf den Blick von weitem. Wenn man sich ihnen jedoch nähert, entfalten sie ihre volle Kraft. Es sind die verschiedensten Materialien, die dick auf Papier aufgetragen bereits an Reliefs erinnern. Manche von ihnen gemahnen an den Surrealismus. Aus Schablonen gefertigte Männergestalten knien zwischen kopulierenden Hunden in düsterer Umgebung. Sie haben in dieser Form nie ihre Umsetzung im bildhauerischen Werk gefunden. Anders der Entwurf von „Säule mit Totenkopf“. Mit Metallpulverfarbe, Tusche und Gouache entstand auf dem Papier eine gespenstische Gestalt, eine aus Ringen aufgebaute menschliche Figur mit Totenkopf und an der Leibesmitte ein Hakenkreuz, stehend vor einer Hakenkreuzfahne und einem Gasrechaud. Man begegnet ihr ein paar Schritte weiter in einer bedrückenden Installation, deren Zusammensetzung der „Skizze“ nachempfunden ist.

Paulina Olowska Provocative , 2001

Gironcoli hat seine Botschaften nie versteckt. Mit etwas gutem Willen sind sie sowohl im bilderhauerischen als auch im grafischen Werk zu entdecken. Die Interpretation steht jedem frei, aber es drängt sich eine Deutung auf. Zu unmittelbar spricht Bruno Gironcoli, der Künstler aus der zweiten Hälfte des verwichenen Jahrhunderts, auch zum Betrachter im 21. Jahrhundert. Es ist zeitlose Kunst, die man auch in den darüber liegenden Stockwerken des mumok erleben kann. „Optik Schröder II“ präsentiert Werke aus der Sammlung Alexander Schröder. Einzelnen Künstlern wurde im Rahmen dieser Ausstellung eine eigene Schau gewidmet. So hat Kai Althoff, ein deutscher Maler, Installations- und Videokünstler einen eigenen Raum, in dem seine in der Sammlung Schröder befindlichen Werke vollzählig gezeigt werden.

Es sind aber auch Tom Burr, Bernadette Corporation, Claire Fontaine, Gelitin, Isa Genzken oder Pierre Klossowski vertreten. Sie alle wurden von Alexander Schröder angekauft. Dass eine Sammlung mit derart bedeutenden Positionen der Gegenwartskunst nun bis 27. Mai 2018 in Wien zu sehen ist, ist unbestreitbar ein Verdienst von Direktorin Karola Kraus, die damit einmal mehr ihr faszinierend weites internationales Netzwerk beeindruckend unter Beweis gestellt hat.

Ausstellungsansicht Optik Schröder II © mumok, Photo: Stefan Korte
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