Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


(vorne) Daniel Hafner RM200608242045 (2006), (hinten) Birgit Knoechl hybrid-archive I-LXXX (2008)

ba ≠ b+a oder MUSA feiert 10 kunstvolle Jahre

Kathi Hofer Portrait manqué (2009)

Was macht eigentlich ein Museum mit so viel gesammelter Kunst?

Der Gedanke ist wahrhaft festlich, würdig den 10 Jahren, die das MUSA in diesen Tagen feiern kann. Kein Geringerer als Aristoteles wurde bemüht, um das Wesen dieser Institution zu definieren. „Das, was in der Weise zusammengesetzt ist, dass das Ganze Eines ist, ist nicht wie ein Haufen, sondern wie eine Silbe. Die Silbe aber ist nicht dasselbe wie ihre Buchstaben, BA ist nicht dasselbe wie B und A“, schreibt der griechische Philosoph. Eine Weisheit, die sich bestens auf das MUSA übertragen lässt. Schließlich haben sich durch Schenkungen und Ankäufe seit der in den 1950er-Jahren erfolgten Gründung der Kunstsammlung der Stadt Wien 40.000 Werke angesammelt, von denen Kurator Franz Thalmair gerade einmal 36 auszuwählen hatte, so viele soviel, wie es an Ausstellungen seit der Eröffnung des MUSA gegeben hat. Direktor Berthold Ecker kann also zufrieden und glücklich zurück schauen auf eine positive Wandlung im Zugang zu dieser Art von Kunst, die in dem von ihm geführten Haus seine Heimat gefunden hat. Wer die bisherigen Präsentationen verfolgte, wird es gern bestätigen:

Edith Payer Schaukästen aus der Serie Sloane´s Agony (2013)

Die gezeigten Arbeiten fühlen sich in der geräumigen hellen Architektur des Teams Kiskan Kaufmann sichtlich wohl. Wie es den Werken ergehen mag, die im Depot auf ihren Auftritt warten, bleibt der Fantasie jedes einzelnen überlassen. Aber zumindest sind sie in der sicheren Obhut eines Museums, das sich derlei Artefakte nicht zufällig angeeignet hat, sondern immer mit dem Blick auf ein Ganzes, also auf BA, das, wie die Jubiläumsausstellung beweist, etwas ganz anderes ist als nur die Summe aus B und A.

Bürokratie

Franz Thalmair will in seiner Gestaltung den Besucher zur Frage lenken, wie Mechanismen, Funktionsweise und Logiken einer Sammlung zeitgenössischer Kunst sprichwörtlich und buchstäblich ins Bild kommen. Die Lösung dafür lag darin, die Schau „ba ≠ b+a“ in neun Kapiteln einzuteilen: Archive des Alltags (+ Zufall), Auratismus, Bricolage, Bürokratie, KünstlerInnen-KünstlerInnen, Display Randzonen, Reziproker Imagetransfer, Theoriebildung und Wertschöpfungskette.

Was die teil geheimnisvollen Ausdrücke bedeuten, erklärt der Text einer Begleitbroschüre. Anstelle von Titeln ermöglicht der jeweilige Standort das Erkennen. Auf einem Plan des Museums finden sich Nummern, die relativ einfach dem Werk zugeordnet werden können. Der Text, betitelt mit dem passenden Schlagwort, enthält wiederum diese Zahlen und dabei den Namen des Künstlers inklusive einer Kurzerklärung seines Werks.

Voyages Kartonage des Harpune Verlags (2013-2014)

So toll ausgerüstet sollte also nichts mehr schief gehen, wenn man vor einem amtlichen Schreiben steht, das seine Kunst nur dadurch verrät, dass es feierlich gerahmt ist. Es ist die Nr. 16, Ohne Titel, zur Kunst erhoben von Maria Anwander und Ruben Albrecht, die damit nicht ohne Ironie Kritik an den zuständigen Behörden üben. Es handelt sich um den Absagebrief der Kulturabteilung der Stadt Wien, den die beiden Künstler auf ihre Bewerbung um einen Förderungspreis erhalten haben.

Nunmehr gerahmt haben Anwander und Albrecht diesen Brief als Schenkung an die Kulturabteilung zurück gegeben und, so Thalmair, eine für sie negative Nachricht in ein positives Erlebnis verwandelt, das überdies die Magistratsstrukturen unterwandert. Mehr ins Auge fällt Nr. 12.

Es handelt sich um eine Installation von Kathi Hofer. „Porträt manqué“ (2009) ist inspiriert von Rene Magrittes La reproduction interdite aus 1937. Auf einem Tischchen, das dem eines Zauberers nachempfunden ist, will Hofer die Magrit´sche Logik der Verkennungen, deren Elemente nicht Abbild und Modell identifizieren, sondern Fragen der Wahrnehmung künstlerischer (Re-)Produktion aufwerfen. Randzonen wurden in die Mitte gerückt, um ganz konkrete Handlungen wie etwa das Lagern, Aufbewahren, Transportieren, Verstauen, Abstützen und Sichern der Kunst ins Blickfeld zu rücken. Was sich nun hinter Bricolage verbirgt, ist ebenso zu erfahren, wie das Wesen des Auratismus, der mit einer händischen Kopie von Giorgiones „Laura“ in Form von „L´Aura“ (2007) von Peter Fritzenwallner deutlich gemacht wird. Die Ausstellung eröffnet als nicht nur einen Blick auf die Kunst unserer Tage, sondern auch auf die für viele undurchschaubaren Mechanismen dieser Produktionen und nicht zuletzt gibt sie eine Antwort auf die nicht unberechtigte Frage, was ein solches Museum wie das MUSA eigentlich die ganze Zeit über so treibt.

Luise Kasalicky Installation Delay Tactics of Second Rate Qualitiy (2008)
Musa Logo 300

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