Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Igor Storozhenko (Sarastro) © Reinhard Podolsky

DIE ZAUBERFLÖTE beschwört die Geister einer alten Burg

Siyabonga Maqungo (Tamino), Adriana Gonzalez (Pamina) © Reinhard Podolsky

Den Geheimnissen der wohl rätselhaftesten Oper auf der Spur

Die beiden Freimaurer Mozart und Schikaneder haben uns mit der Oper „Die Zauberflöte“ die wohl schönste Lehre geschenkt, wie aus einer verwilderten Menschheit höhere Wesen werden könnten. Weisheit, Vernunft und Natur sind die Ziele, die über die Tugenden Standhaftigkeit, Duldsamkeit und Verschwiegenheit erreicht werden. Die Musik zu dieser Anweisung für ein besseres Dasein ist allerdings so schön, dass man diese Forderungen zu gerne überhört. Was wirklich mit dieser Story um einen Prinzen, eine Königin der Nacht und deren Tochter oder den vor Güte strotzenden Sarastro (Igor Storozhenko) gemeint ist, weiß man ohnehin nicht so genau. Dafür gibt es viel zu viele Widersprüche in einer Handlung, die schwer nachzuerzählen ist. Im Grunde hat das aber noch niemanden wirklich gestört. Es ist eine dichte Abfolge grandioser Melodien. Kaum hat sich die eine ins Ohr eingenistet, folgt schon die nächste, bei der man am liebsten mitsummen würde. Nachdem der Opernbesucher „Die Zauberflöte“ bereits als Kind kennengelernt hat, weiß er auch, wann was zu kommen hat.

Wolfgang Resch (Papageno) © Reinhard Podolsky

Er erfreut sich an der kurzweiligen Abwechslung zwischen pompösen Tempelszenen, schmachtenden Liebesschwüren und dem lustigen Treiben von Papageno und seiner Papagena oder an den Missetaten der seltsam zwiespältigen Kreatur, dem Mohr Monostatos (Benedikt Kobel), der einerseits ein Bösewicht ist, aber herzergreifend seinen Jammer beklagen darf, dass man ihn ausgerechnet in diesen heil´gen Hallen nicht als Mensch anzusehen gewillt ist.

Tehmine Zaryan (Königin der Nacht) und die drei Damen © Reinhard Podolsky

In der Burg Gars hat Regisseur Kurt Josef Schildknecht den Genius loci genützt und ihm einige Antworten auf die großen Fragen dieser Oper abgetrotzt. Die viele Jahrhunderte alten Mauern sind mehr als eine stimmungsvolle Kulisse. Sie spielen aktiv mit. Die leeren Fensterlöcher der verfallenden Mauer lassen den Zuseher einen Blick auf die Strenge der Prüfung von Tamino und Pamina werfen und sind im nächsten Moment der hehre Tempel des Mysterienkults von Isis und Osiris.

Sie schaffen aber auch genügend diskreten Raum für die feinen Liebesfäden zwischen den Sterblichen. Die Mauerkrone, von der aus der Blick über das Waldviertel überwältigend sein muss, wird zum (nicht gerade idealen) Palast der Königin der Nacht, die in freier Höhenluft mit ihrer ersten großen Koloraturarie beinahe überfordert war (eine tapfere Tehmine Zaryan). Ebenso viel Mut beweist Wolfgang Resch als eingesprungener Papageno, der singend durch das Publikum tanzt und sogar von Weitem mit dem Orchester einigermaßen beisammen bleibt. Warum ausgerechnet ein solcher Luftikus wie er im Tempel eingeweiht werden soll, ist auch ihm selbst ein Rätsel. Seine Papagena Katharina Tschakert hat es diesbezüglich etwas einfacher. Sie braucht nur als alte Vettel von draußen kommen, um anschließend als hübsches Mädchen auf der Bühne von den vielen lieben Kinderlein zu singen.

Adriana Gonzalez (Pamina) mit den drei Knaben © Reinhard Podolsky

Adriana Gonzalez ist eine selten lebensvolle Pamina, die nicht nur mit ihrer kräftigen Stimme, sondern auch mit ausdrucksvollem Spiel klar macht, worum es ihr geht. Sie will ganz einfach mit ihrem Geliebten beisammen sein und hat als gestandene Frau wenig Verständnis für das Brimborium, das von diesem Männerbund betrieben wird. Tamino, der grundsätzlich zu ihrer Rettung ausgezogen ist, lässt sich hingegen sofort davon faszinieren. Er wechselt umgehend die Seiten von der Nacht zur Sonne.

Siyabonga Maqungo sorgt bereits in seiner ersten großen Arie, wenn er Paminas Bildnis an sein Herz drückt, für einen ganz großen Moment. Er ist ein Tenor mit einem selten schönen Schmelz und einem Gefühl in der Phrasierung, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.

Orchester, Chor, die drei Damen (Isabell Seebacher, Monika Schwabegger, Anna Agathonos), die drei Knaben vom Mozart Knabenchor Wien als uralte, von Lebensweisheit gezeichnete Männern und die beiden Solisten Sarah Pascher auf der Flöte und Andrej Vesel am Glockenspiel werden mit sicherer Hand von Johannes Wildner zusammengehalten. Ihnen allen merkt man an, dass sie zumindest einige Geheimnisse dieser wohl rätselhaftesten Oper zu ergründen versuchen und streckenweise dabei sogar erfolgreich sind.

Wolfgang Resch (Papageno), Katharina Tschakert (Papagena) © Reinhard Podolsky
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