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Don Camillo & Peppone Ensemble © VBW/Deen Van Meer

DON CAMILLO & PEPPONE raufen sich musicalisch zusammen

Andreas Lichtenberger (Don Camillo) Ensemble © VBW/Deen Van Meer

Guareschi würde staunen, wie gut seine Helden singen können

Man kennt die reizenden Geschichten des italienischen Landpfarrers Don Camillo und seines kommunistischen Widersachers Bürgermeister Peppone. Sollten diese beiden liebenswerten Raufbolde jemanden noch nichts sagen, bitte sofort die Bücher von Giovanni Guareschi besorgen und lesen. Sie sind ein Vergnügen, ebenso wie die alten Filme mit Fernandel und Gino Cervi. Ob einen bei solchen Vorgaben auch ein Musical begeistern kann? Ja, es kann, und wie! Grammy-Preisträger Michael Kunze hat Guareschis Romane zu einem wunderbar stimmigen Libretto verdichtet. Vertont wurde es von Dario Farina, einem der prominentesten italienischen Komponisten der Gegenwart. Dazu kommt ein toll singendes und tanzendes Ensemble, das bis in die kleinste Rolle absolut passend besetzt ist, und ein Orchester, das die zwischen italienischen Klängen, Ohrwurm-verdächtigen Melodien und zeitgemäßen Rhythmen angesiedelte Musik schwungvoll umzusetzen vermag. Das Publikum, das zwischen Lachen und Tränen der Rührung hin und hergerissen war, hat die Aufführung mit Standing Ovations gewürdigt.

Andreas Lichtenberger (Don Camillo), Frank Winkels (Peppone) © VBW/Deen Van Meer

Zurück in die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg führt ein gefühlvoller Auftrittssong der alten Gina (Maya Hakvoort als Greisin mit der jungen Stimme), der Frau, die als junges Mädchen (Jaqueline Bergrós Reinhold) mit dem Burschen Mariolino (Kurosch Abbasi) in ihrer Not einst Romeo und Julia gespielt hat. Sie stammt aus reichem Elternhaus. Reinhard Brussmann ist als ihr Vater Filotti ein richtig unsympathischer Familientyrann und grausam hartherziger Mensch.

Ernst Dieter Suttheimer (Nonno), Ensemble © VBW/Deen Van Meer

Er denkt nicht im Traum daran, der Verbindung seiner Tochter mit dem Sohn des armen Bauern Brusco (Thorsten Tinney) zuzustimmen. Nonno, ihr Großvater (Ernst Dieter Suttheimer) hält sich aus der Auseinandersetzung heraus. Er genießt es, zu sterben, um sofort wieder quicklebendig aufzuspringen und sich letztendlich mit Erfolg an die junge kommunistische Lehrerin Laura Castelli (Femke Soetengo) heranzumachen. Das einzige was ihn an dieser Verbindung stört, ist, dass die Frau – etwas zu rot ist.

Frank Winkels macht auf ungemein wichtigen Kommunalpolitiker. Dass Bürgermeister Peppone nichteinmal die Grundschule ordentlich absolviert hat, ist zwar ein Fressen für seinen politischen Gegner Don Camillo (Andreas Lichtenberger), wird aber ausgerechnet durch dessen Hilfestellung behoben. Es ist eben eine Hassliebe, die beide verbindet. Bis sie aber gemeinsame Wege gehen, haben sie allerdings noch einiges auszuraufen. Mächtig wie sein Faustschlag ist auch die Stimme Don Camillos, pardon, Lichtenbergers. Die zwei Hauptdarsteller erinnern übrigens in ihrem Aussehen frappant an die beiden Filmhelden, ohne diese jedoch sklavisch zu kopieren.

 

Der gute Pfarrer des kleines Dorfes am Po wäre ja noch viel fieser zu Peppone, wäre da nicht die Stimme seines Gewissens (Marlon Wehmeier). Der gekreuzigte Jesus sorgt immer wieder mit Ermahnungen für Fairness. Auf dem Weg zum Stromsegen muss er sich jedoch kräftig anhalten.

Don Camillo sich haut sich mit dem Kreuz mit den Weg durch rote Fahnen frei. Wenn er am Fluss angelangt ist, den Segen ausspricht und die Kommunisten verflucht, sorgt er mit dem Song „Wunder geschehen“ für eine der vielen ergreifenden Szenen, in denen es keine Schande ist, wenn einen das Wasser in die Augen steigt. Emotionen und Menschlichkeit sind groß geschrieben in diesem modernen Musical, in dem sich Don Camillo und Peppone wie vor gut sechzig Jahren in wundersamer Weise zusammenraufen.

Maya Hakvoort (alte Gina), Ensemble © VBW/Deen Van Meer
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