Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Schreibkästchen,Inschrift 1210 © Bamberg/ Berlin, Bumiller Collection, Foto: Ulf Saupe

ISLAM Historische Räume für einen akutellen Dialog

Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

Ein alter Nachbar will sich endlich vorstellen

Türken-Minister warnt vor „Religionskrieg“ in Europa – mit dieser Schlagzeile erregt am 17. März 2017 eine österreichische Tageszeitung die Gemüter, just an dem Tag, als in der Schallaburg die Ausstellung ISLAM eröffnet wird. Aus dem Zeitungsartikel geht mit Deutlichkeit hervor, dass sich gerade die Türkei, in der vor 100 Jahren von Kemal Atatürk Staat und Religion getrennt wurden, in beängstigendem Tempo zurück zu einem Gottesstaat entwickelt. Kann sich dagegen die Botschaft einer Ausstellung überhaupt Gehör verschaffen? Auf der Schallaburg geht es um den Dialog, der durchaus kontroversiell geführt werden darf. Man soll sogar seine Meinung sagen, wenn man durch die mit wenigen Objekten, dafür umso mehr Papier bestückten Mauern des Renaissanceschlosses wandert. Es gibt Moderatoren, die als geduldige Ventile für so manchen aufgestauten Unmut gegen einen nicht selten ungeliebten Nachbarn herhalten. Ihnen obliegt die undankbare Aufgabe, das Gleichgewicht zwischen Religion und Laizismus auszubalancieren und beides penibel zu trennen.

Skateboarderin, © Linz, Oona Valarie Serbest

Im ersten Teil wird der Besucher in die Geschichte und die Gedankenwelt des Islam eingeführt. Ohne dieses Wissen hätte es wenig Sinn, sich im restlichen Teil des Rundgangs damit auseinander zu setzen. Denn was man später sieht, kennt man ohnehin bis zum Überdruss aus seiner nächsten Umgebung. Kebapstand reiht sich an Kebapstand, überall steht „halal“ drauf, Koranverkäufer betreiben in den Einkaufsstraßen in unangenehmer Aufdringlichkeit ihre Missionstätigkeit, beim Sprechtag in der Schule drängen sich in erstaunlicher Überzahl Mütter mit Kopftuch und über den Brunnenmarkt weben Frauen in gespenstischer Vollverschleierung.

Wer darüber Bescheid wissen will, erfährt in der Ausstellung natürlich alles, neben den persönlichen Beweggründen der Frauen für die Verhüllung auch die korrekte Bezeichnung für die einzelnen Bekleidungsstücke. Aber dieses Wissen trägt wenig dazu bei, Sympathien dafür zu entwickeln. Es wurden deswegen Fragen in den Rundgang eingebaut und ein Begegnungsraum geschaffen, die möglicherweise den Widerspruch zu einer wie immer gemeinten „europäischen Gesellschaft“ erklären könnten.

Ausstellungsansicht Begegungsraum © Klaus Pichler

Anhand der acht Themenbereiche besprochen, bewohnt, beseelt, begrenzt, bekleidet, bedroht, berufen und beliebt wird die Problematik abgearbeitet. Man braucht nicht ein Prophet zu sein, um behaupten zu können, dass den meisten der Besucher auf der Schallaburg Religion wurscht ist.

Übrig bleibt damit das Anliegen, einen Zugang zu einem hierzulande längst abgelegten religiösen Eifer zu öffnen. „Beim Reden kommen d´Leut´ z´samm“ lautet eine alte Weisheit. Sie könnte sich besonders bei dieser Ausstellung bewähren, falls, und das erscheint als eine der wichtigsten Voraussetzungen für jeden Dialog, es auch muslimische Besucher gibt, Menschen, die in Österreich leben und bereit sind, sich an dem hier gebotenen Kulturleben auch zu beteiligen.

Islam Ausstellungsansicht © Klaus Pichler
Schallaburg Logo quer 600

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