Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Installation am Eingang zur Schallaburg

Installation am Eingang zur Schallaburg

80er – GRENZEN WAREN GESTERN

Ein Jahrzehnt knallig bunter Gegensätze

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

Rückblick auf eine Zeit, in der kein Aufbruch unmöglich schien

Dass Österreich damals hart am Eisernen Vorhang lag, kümmerte die Leute hierzulande erstaunlich wenig. Ungarn war ohnedies bereits einfach zu bereisen. Es brauchte nur ein Formular ausgefüllt werden, mit der sonderbaren Frage nach dem Mädchennamen der Mutter, und schon öffnete sich der massive Schlagbaum zu Billigangeboten wie Salami, Törley-Sekt oder Zahnarzt. Der Rest des Ostblocks war diesbezüglich uninteressant. Aber er war da, mit seinen Zäunen aus Stacheldraht und Wachtürmen, auf denen Soldaten mit Kalaschnikows sofort bereits waren, auf eventuelle Flüchtlinge tödliche Schüsse anzufeuern. Europa war in zwei Hälften geteilt, bis zum 9. November 1989, als die Berliner Mauer fiel und mit einem Freudenfest die Hoffnungen auf eine grenzenlose Zukunft gefeiert wurden.

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

Genau dort, am wunderschönen Ende der 1980er-Jahre, setzt die heurige Ausstellung in der Schallaburg ein. Beim Zugang steht rechter Hand am Zugang zum Garten ein Stück dieser einst gefürchteten Trennwand. Die eigentliche Zeitreise beginnt aber wie üblich im Arkadenhof, der allein schon mit seinem einmaligen Figurenprogramm aus Terrakotta eine Sensation zum Verweilen bietet. Gestaltet wurde der weitere Rundgang von Christina Zettl und Thomas Untersweg von BUERO41A. Zugrunde gelegt wurde das Motto „Anything goes“ als englischer Ausdruck für das Lebensgefühl eines Jahrzehnts, das trotz aller Bedrohungen von unerschütterlichem Optimismus geprägt war. Nach einem inszenierten Sonnenuntergang gerät man unvermittelt zwischen die Fronten des Kalten Krieges, der zum Glück nur in den Nachrichten geführt wurde. Die Österreicher genossen das Musical Cats, begannen am Commodore 64 zu computern, plagten sich am Rubik´s Cube ab und begleiteten ihre Joggingrunden mit der Musik aus dem Walkman.

Ein Stück der Berliner Mauer

Ein Stück der Berliner Mauer

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

Station für Station begegnet man nun Reminiszenzen an die 80er, die dafür kräftig ausgewrungen wurden. Die ehrwürdigen Wände des alten Gebäudes sind mit Fotos überzogen oder mit den Titelseiten von „Bravo“, dem unentbehrlichen Ratgeber, ob man „modisch“, „punkig“ oder „sportlich“ rüberkommen wollte. Viel Raum wird den damaligen Querelen um „Natur und Umwelt“ eingeräumt, die in der „Pressekonferenz der Tiere“ den Startpunkt der heute noch existierenden grünen Partei markierte. Musik war zwischen den Generationen penibel aufgeteilt. Die damals Jungen finden ihre Stars mit Michael Jackson, Falco und dessen „Amadeus“-Jacke oder in Madonnas Glitzer-BH. Für deren gesetzte Zeitgenossen wartet der Dirigentenstab von Herbert von Karajan. Nicht zu entdecken ist allerdings die allgemein beliebte „g´scherte“ Musik mit ihrem Straßenfeger „Musikantensstadl“. In Raum 10 kommt die Liebe zu Wort. Pille und Kondom wären die große sexuelle Befreiung gewesen, wenn nicht eine schreckliche Seuche dazwischen gegangen wäre, wie ein Kampagnenplakat zu AIDS bestätigt. Kunst war umstritten, wie das blutige Malhemd von Hermann Nitsch, wurde aber auch in bissig bösen Kommentaren von Manfred Deix oder Gerhard Rühm den Leuten nahegebracht.

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

80er – Grenzen waren gestern, Ausstellungsansicht

Einen Dämpfer erhielt die Lebensfreude durch den Super-GAU von Tschernobyl. Vergegenwärtigt wird die Katastrophe u. a. mit hilflos wirkenden Schutzverkehrungen und der Frage „Wo waren Sie (am 26. April 1986)“. Es bleibt besinnlich, wenn im letzten ZEITRAUM die Bronzefigur des auf der Straße knienden Juden von Alfred Hrdlicka, das Skandalstück „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard oder, womit man wieder an den Anfang zurückkehrt, ein armierter Brocken der Berliner Mauer zum Grübeln anregen. Was wurde nun aus dem gesellschaftlichen, politischen und technischen Aufbruch dieses Jahrzehnts? Wohin wird er uns noch führen? In ein Dasein, das mehr und mehr von Algorithmen und künstlicher Intelligenz beherrscht wird oder doch zur Erfüllung der gewagten Aussage „Grenzen waren gestern“?

Schallaburg TRÄUME… TRÄUMEN, Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

Schallaburg TRÄUME… TRÄUMEN, Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

TRÄUME...TRÄUMEN Die Wirklichkeit abseits der Realität

Schallaburg TRÄUME… TRÄUMEN, Gartenansicht © Klaus Pichler

Schallaburg TRÄUME… TRÄUMEN, Gartenansicht © Klaus Pichler

Wanderung durch eine faszinierende Parallelwelt, inspiriert vom traumhaften Ambiente des Renaissance-Schlosses

Träume sind Schäume! Oder doch viel mehr als eine „Gaukelei der Götter“? In drei Kapiteln wird bis 2. November 2025 die Schallaburg zum Traumlabor, das vom Schlaferlebnis über die Tagträume bis zur „hellwachen“ Utopie die Vielschichtigkeit dieses Phänomens begreifen lässt. Die Deutung der Träume ist so alt wie die Menschheit und wurde von Sigmund Freud wissenschaftlich zur Psychoanalyse eingesetzt. Wahrträume sind auch praktisch, wenn Ideen über das Aufwachen hinaus gerettet werden. Ein paar Schritte weiter findet sich in den stimmungsvollen Gewölben eine Einladung, im Wachzustand den schönsten Gedanken nachzuhängen; Narrenkastlschauen als Labsal für unsere Seele. Zuletzt: Was wäre das Dasein ohne Visionen?! Wie das „I Have a Dream“ von Martin Luther King für eine bessere Zukunft der USA.

Schallaburg TRÄUME… TRÄUMEN, Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

TRÄUME… TRÄUMEN, Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

TRÄUME… TRÄUMEN, Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

TRÄUME… TRÄUMEN, Ausstellungsansicht © Klaus Pichler

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