Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 Tobias Eiselt (Leim), Martin Bermoser (Zwirn), Christian Strasser (Knieriem) © Stephan Mussil

LUMPAZI verhilft zu einer überraschenden Einsicht

Patricia Puff (Gertrud) © Festspiele Stockerau/Stephan Mussil

Der Komet? Hoppla, das sind ja wir selber!

„Der Mensch ist gut, nur die Leut´ san a Bagage“, zieht Stellaris, der König im Feenreich, als Resümee, mit Blick auf die drei Handwerksburschen, die desperat vor ihm hocken. Nachdem das Stück sehr oft gegeben wird und damit die meisten Theaterbesucher einigermaßen Bescheid wissen um die Wette, die zwischen Fortuna und Amorosa abgeschlossen wird, erübrigt es sich, näher auf den Inhalt von „Der böse Geist Lumpazivagabundus oder das liederliche Kleeblatt“ einzugehen. Viel eher stellt sich die Frage, warum gerade ein Regisseur wie Zeno Stanek diese beliebte Zauberposse auf die Bühne vor der Pfarrkirche Stockerau geholt hat. Gibt es bisher noch unentdeckte Botschaften in dieser Welt zwischen Götterhimmel und Menschenerde? Was kann man neu und anders machen, ohne sich vom genialen Text eines Johann Nestroy zu trennen? Oder steckt ganz einfach das schnöde Kalkül dahinter, dass ein alter Reißer auch hier eine ausverkaufte Festspielsaison bringen wird? Vorweg die Antwort zur letzten Frage: Blöd wäre ein Theatermacher, der einen solchen Erfolgsgaranten links liegen lässt.

Tobias Eiselt, Martin Bermoser, Christian Strasser, Okan Cömert (LUMPAZI) © Stephan Mussil

Zur neuen Botschaft: Der Mensch scheint Mächten ausgeliefert, die mit ihm im günstigsten Fall ein Wettspiel veranstalten. Wenn es nicht so angenehm läuft, dann ist er eben abhängig von internationalen Konzernen mit all den technischen Segnungen wie Handy und Internet, die ihn gnadenlos kujonieren. Sind es nun Herrschaften aus dem Feenreich, die ihn diesbezüglich unterjochen, irgend eine obskure Weltverschwörung oder anderes fantastisches Zeugs? Unsinn!

Lumpazivagabundus Ensemble © Festspiele Stockerau/Stephan Mussil

Knieriem, der besoffene Schustergeselle, bringt es in dem von Christian Strasser mit grazilen Tänzeleien untermalten Couplet auf den Punkt: Wir selbst sind es, die unsere Welt so gründlich zu zerstören verstehen wie es kein Komet imstande wäre. Was bleibt einem also übrig, als zu saufen?! Mit einem derart fatalistischen Blick auf das nahe Ende rentiert es sich doch wirklich nicht, strebsam oder sonst wie gut zu sein.

 

Zeno Stanek hat sich, abgesehen von einigen fetzigen Musiknummern, virtuos schräg begleitet von Adula Ibn Quadr (Violine), Franz Haselsteiner (Akkordeon) und Jimi Dolezal (Gitarre), getreulich an das Original gehalten.

Sein Zwirn in der Person von Martin Bermoser darf so hemmungslos blödeln, dass es ein Vergnügen ist, ihm beim Geld hinauswerfen zuzuschauen. Schließlich ist er kein Schneider, sondern ein Designer. Der Leim (Tobias Eiselt) ist und bleibt der Brave, dem man sein Glück mit der Tischlertochter von Herzen gönnt. Er hat eben das Glück, um glücklich zu sein.

 

Die Bewohner des Feenreiches sind, sofern sie sich da oben befinden, mit rötlich schimmernder Gaze uniformiert und deswegen nicht so einfach zu unterscheiden. Sie werden erst zu Individuen, wenn sie als Irdische auftreten und machen dabei durchaus gute Figur. Fortuna als Frau von Palpitti (Erika Mottl), Amorosa als Gertrud (Patricia Puff) oder Stellaris himself, der sich hinieden als Pantsch und Hobelmann manifestiert (Joesi Prokopetz), lassen das Werkl zwischen den Welten ordentlich flott laufen.

Etwas mehr Einsatz an Bösartigkeit hätte man sich von Lumpazivagabundus erwartet. Der einzige Hinweis auf Verruchtheit mögen die schwarzen High Heels sein, mit denen Okan Cömert gekonnt die etwas wackelige Himmelstiege auf und ab stöckelt. Im Übrigen greift er selten ins Geschehen ein, vielleicht aus dem einen guten Grund, dass er sich gar nicht zu bemühen braucht, die Menschen zu verderben. Die besorgen das schon von ganz allein, ohne jede Hilfe aus dem Zauberreich.

Joesi Prokopetz (Stellaris) © Festspiele Stockerau/Stephan Mussil
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