Kultur und Wein

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Der Hochzeitbraten, Pablo Cameselle, Marcus Pelz, Megan Kahts © Barbara Palffy

BASTIEN & BASTIENNE Ein Hochzeitbraten zum Schäferspiel

Bastien & Basteinne, Megan Kahts, Pablo Camaselle © Barbara Palffy

Musik des zwölfjährigen Mozart und eines launigen Schubert in der Stiftsbibliothek von Altenburg

Wolfgang Amadeus Mozart war in vielerlei Beziehungen ein recht frühreifer Bursche. Dass er schon als Kind die großartigsten Kompositionen geschaffen hat, ist bekannt. Aber dass er auch in Liebesdingen schon recht früh zumindest geahnt hat, worum es dabei geht, beweist die Musik zu „Bastien & Bastienne“. Mozart war gerade 12 Jahre alt, als er dieses zauberhafte Singspiel ganz in seiner Art vertonte, zu einer Zeit, als noch große Barockopern entstanden sind. Die von ihm in Noten gesetzten Emotionen der beiden Verliebten sind jedoch absolut unbarock, sind unmittelbar spürbar, sofern das Orchester diese Intention verwirklicht. Die von Bernd R. Bienert engagierten Musiker des Ensembles TEATRO BAROCCO unter der Leitung von Romanos Papazoglou jedenfalls ließen auf ihren Originalinstrumenten durch überraschende Dynamik und exakten Rhythmus den Dudelsack des Zauberers Colas (Marcus Pelz) deutlich anklingen und machten das Beleidigte der zwei streitenden jungen Leute ebenso deutlich wie deren Freude, sich endlich wieder lieb haben zu können.

Bastien & Basteinne, Megan Kahts © Barbara Palffy

Megan Kahts als die hübsche Schäferin Bastienne und der durchaus nette Bastien Pablo Cameselle sind ja wirklich ein reizendes Paar. Just als er ein Hallodri sein will, erwischt sie ihn dabei und ist deswegen verständlicherweise todtraurig. Sie spart dabei nicht an dramatischen Gesten, schließlich soll das Konzept von Bernd R. Bienert umgesetzt werden, das eine „von den Urhebern intendierte gestische Inszenierung“ vorsieht.

Bastien & Bastienn, Marcus Pelz, Pablo Camaselle © Barbara Palffy

Nach dem vom Konzertmeister Dimitris Karakantas geführten Divertimento in D Dur (KV 136) von W. A. Mozart mit einer Tanzeinlage von Bettina Knett geht´s mit dem „Hochzeitsbraten“ flott weiter. 1827, also ein Jahr vor seinem Tod, hat Franz Schubert einen von Franz von Schober verfassten Text zu einer sehr launigen Minioper komponiert. Es geht darum, dass ein Hochzeitspaar am Tag vor dem großen Fest auf Hasenjagd geht. Schließlich soll auf dere Festtafel ein ordentlicher Braten stehen.

Wenn da nicht der Jäger wäre, der die beiden bei ihrem Versuch der Wilderei ertappt. Wieder sind Megan Kahts (Therese) und Pablo Camaselle (Theobald) die zwei Jungen, denen der alte Caspar in Gestalt von Marcus Pelz in die Quere kommt.

Aber da dieser auch ein Mensch und damit bestechlich ist, lässt er Gnade vor Recht ergehen und beteiligt sich am Schmause des gebratenen Hasen. Geflissentlich überhört er dabei, dass Theobald jammert: „Statt den Hasenrücken muss ich den Jäger spicken.“

 

In der Stiftsbibliothek von Altenburg unter den gewaltigen Fresken eines Paul Troger und einer geheimnisvollen Sonnenuhr in den Stuckfiguren  von Johann Michael Flor bietet TEATRO BAROCCO mit diesen beiden Juwelen – so klein sie sind, so sehr glänzen sie – eine musikalische Zeitreise Deluxe. Das Drumherum, also die Ergebnisse der peniblen Recherche von Bernd R. Bienert, sind erstens auf der Bühne bereits deutlich umgesetzt und zweitens nachzulesen. Es gibt auch heuer wieder ein ausführlich gestaltetes Programmheft, das alle die Informationen enthält, um das Publikum als Reiseführer in die Welt der noch jungen Klassik von Mozart und einer sich nicht so ganz ernst nehmenden Romantik seitens eines Schubert zu begleiten.

Bastien & Bastienne, Marcus Pelz © Barbara Palffy
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