Kultur und Wein

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Elena Sverdiolaitė © Barbara Pálffy

Elena Sverdiolaitė © Barbara Pálffy

10 JAHRE FESTIVAL Tod der Dido & Il maestro die cappella

Il maestro die cappella: Jinxin Chen © Bernd.Bienert

Il maestro die cappella: Jinxin Chen © Bernd.Bienert

Lachen und Schluchzen ganz wie in den alten barocken Tagen

Um eine ganze, meist todernste Oper zu überstehen, brauchte es seinerzeit offenbar kurzweilige Abwechslung für die erlauchte Schar der Zuschauer. Wehe, der Fürst oder eine seiner Damen hätte zu Gähnen begonnen! Eine Katastrophe für den Komponisten, der meistens selbst am Pult des Orchesters stand. Also wurde zwischen den Akten mit durchwegs tragischer Handlung sicherheitshalber ein Intermezzo eingefügt. Dessen war sich auch Domenico Cimarosa (1749-1801) bewusst. Als Experte der Opera buffa wusste er genau, was die Zuschauer zum Lachen brachte. Er nahm sich einfach selber auf den Arm, indem er einen Maestro di cappella schuf, der von der Bühne aus seine Musiker malträtiert. Er verspricht zwar gleich zu Beginn, eine „Arie im sublimen alten Stil“ vorzusingen, doch dazu kommt es nicht. Viel mehr krächzt er den Oboen vor, wie sie ihre Einwürfe zu gestalten haben und hadert mit den Hörnern, die seinem Gefühl nach falsch einsetzen. Dass der Kontrabass virtuose Soli zaubert und die Streicher mit süßen Kantilenen aufspielen, beeindruckt ihn nur mäßig. Der zweifelhafte Erfolg: Das Orchester steht auf und will abgehen. Nur auf sein inständiges Bitten bleibt es bis zum Ende der Probe.

Tod der Dido, Ensemble © Barbara Pálffy

Tod der Dido, Ensemble © Barbara Pálffy

Ayelén Paula Mose (Selene) © Barbara Pálffy

Ayelén Paula Mose (Selene) © Barbara Pálffy

Bernd Roger Bienert hat sich dieses Kleinod der italienischen Oper als ersten Teil zur Feier 10 Jahre des von ihm gegründeten Teatro Barocco erwählt. In Musikkreisen ist er längst als einer bekannt, der barocke Oper bis ins kleinste Detail rekonstruiert, jeder Note in der Partitur und jeden Satz im Libretto penibel prüft, Kulissen schafft, wie sie einst in fürstlichen Bühnenhäusern standen, und das Bewegungsprogramm der in historischen Kostümen auftretenden Solisten bis zum Fingerzeig bestimmt. Dazu hat er das passende Ensemble engagiert. Die Musiker spielen ausschließlich auf Originalinstrumenten, das heißt auf Naturtrompeten, Hörnern, an deren Pulten eine Reihe von Bögen hängt, und Geigen, die mit Darmsaiten bespannt sind. Geleitet wurden sie heuer von Christoph Ulrich Meier an einem Hammerklavier, wie es schon Mozart verwendet hat. Es ist also durchaus spannend, immer wieder die Arbeit im Orchester zu beobachten, während sich auf der Bühne ein Maestro (der Bariton Jinxin Chen) mit feiner Komik um den richtigen Klang bemüht.

 

Der zweite Teil des Abends steht dem um nichts nach. Mit „Tod der Dido“ gab es am 20. August 2022 die österreichische Erstaufführung einer der ersten deutschen Opern. Iganz Holzbauer, ein zu Unrecht vergessener Meister, erzählt die letzten Szenen im Leben der Königin von Karthago. Es heißt hier „Singspiel“, ist aber eigentlich eine weit nach vorne weisende Oper, in der kein Wort gesprochen wird und die Rezitative durchkomponiert sind.

In der Rolle der Dido, einer ungemein anspruchsvollen Sopranpartie, treten alternierend Elena Sverdiolaitė und Katharina Adamcyk auf, denen Ayelén Paula Mose als Selene laut Libretto von Anton Klein nicht nur den Geliebten Äneas ausgespannt hat. Mit einer gewaltigen Koloratureinlage schafft sie einen Szenenapplaus, wenn sie in „Ich seh´ den Tod“ höchste Hysterie glaubhaft macht. Der treue Diener Osmida (Jakob Nistler / Christopher Willoughby) kann Dido weder zur Ehe mit dem bösen Jarbas (Jinxin Chen singt den heiratswilligen Maurenkönig), noch zur Flucht bewegen. Was bleibt einer entmachteten Königin wie ihr dann noch über. Angesichts der brennenden Stadt betrauert sie sich selbst in der Arie „Ich muss sterben und niemand weint mir nach“, bevor sie mit dramatischer Geste den Dolch in ihr Herz sticht. Das Fazit für das begeisterte Publikum: Opera seria, wie man sie in dieser Form wohl nur im Teatro Barocco findet.

Elena Sverdiolaitė (Dido). Jinxin Chen (Jarbas) © Barbara Pálffy

Elena Sverdiolaitė (Dido). Jinxin Chen (Jarbas) © Barbara Pálffy

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