Kultur und Wein

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L´Isola Disabitata Ensemble © Babrara Palffy

L´ISOLA DISABITATA Haydn-Oper wie zu Fürst Esterházys Zeiten

Hyunduk Kim (Gernadno), Megan Kahts (Constanza) © Barbara Palffy

Großes „Dramma per musica“ auf der unbewohnten Insel

Die beiden Frauen Constanza und deren jüngere Schwester Silvia verbringen ihre Tage aufgrund unglücklicher Umstände auf einer einsamen Insel. Constanza war mit ihrem Gatten Gernando nach Westindien unterwegs, als sie von einem anhaltenden Sturm gezwungen waren, dieses unbewohnte Eiland anzulaufen. Die beiden Damen werden in einer Höhle in Sicherheit gebracht, während Gernando von Piraten entführt wird. Constanza vermeint, von ihrem Gatten verlassen worden zu sein und beginnt, ihren Jammer in einen Stein zu meißeln. Sie nennt in dieser Inschrift ihren Gemahl einen Verräter und appelliert an Fremde, die eventuell hier vorbeikommen, diese Anklage zu lesen. Die heranwachsende Silvia wird hingegen zum Naturmenschen, freundet sich mit einem Reh an und hat keine Ahnung von menschlicher Kultur. Die Zeit vergeht, bis im 13. Jahr Gernando, begleitet von seinem Gefährten Enrico wieder auf die Insel zurückkehrt. Damit setzt auch die Handlung der Oper L´Isola Disabitata ein, die Joseph Haydn nach einem Libretto von Pietro Metastasio komponiert hat.

Misaki Morino (Silvia) © Barbara Palffy

Es war nicht die erste Vertonung dieses Stoffes, aber eben eine von Joseph Haydn, der sich in Instrumentierung und in seinem Einfallsreichtum bezüglich wunderschöner Melodien keinerlei Zwang anzutun brauchte. Er hatte sowohl in seinem Orchester die entsprechend virtuosen Musiker als auch bei den Solisten ein Best-of seiner Zeit. Was die Musik betraf, gab es für seinen Brotgeber Fürst Nikolaus Esterházy keine sparsame Zurückhaltung. Ort der Uraufführung am 6. Dezember 1779 war das fürstliche Marionettentheater auf Schloss Esterház. Das eigentliche Theater war acht Tage zuvor abgebrannt, was aber weder für Haydn noch für den Fürsten einen Hinderungsgrund darstellte.

Megan Kahts (Constanza) © Barbara Palffy

Bernd R. Bienert hat dieses Kleinod der Opernliteratur wieder möglichst genauso inszeniert, wie es zu Haydns Zeit aufgeführt wurde. Die Bühnenbeleuchtung erscheint wie von Kerzen geschaffen, die Kulissen den barocken Vorbildern nachempfunden, die Kostüme wie die Vorbilder geschneidert und die Musik wird auf Originalinstrumenten gespielt. Die Gesten der Sänger sind genau so einstudiert, wie sie einst den italienischen Text für die Zuhörer verständlich machen sollten.

Ort des beeindruckenden Erlebnisses ist der historische Theatersaal des Congress Casino – Baden, dessen Ambiente ein solches Unternehmen durchaus erlaubt. Christoph U. Meier leitete vom Hammerklavier aus das Ensemble TEATRO BAROCCO. Constanza ist die stil- und stimmsichere Megan Kahts, die schon etliche Produktionen von Bernd R. Bienert in bewährter Weise bewältigt hat. Sie leidet sehenswert unter der Absenz ihres Gatten und haut verzweifelt mit einem Schwert die Buchstaben in den Felsen. Bei ihrer Arie „Se non piange felice un´infelice“ versteht man, warum die Leute verrückt nach der Musik von Joseph Haydn waren und sind. Die jüngere Schwester Silvia hat mit Misaki Morino einen außerordentlich reizenden Sopran gefunden. Bei „Fra un dolce deliro“, wenn sie eine ihr fremde Verliebtheit in sich entdeckt, möchte man sie am liebsten küssen.

Die Kleine fürchtet sich vor einem Schiff, das sie noch nie gesehen hat und glaubt ein Monster mit Flügeln zu sehen und wickelt dennoch, obwohl sie nicht die geringste Ahnung von Männern hat, mit ungemein natürlichem Charme den bärtigen Enrico (Sreten Manojlović, Bariton) um den Finger. Gernando wird von Hyunduk Kim gesungen, einem hellen, schlanken Tenor, der sich damit wunderbar in dieses Ensemble fügt. Es ist ein Vergnügen, dabei zuzuhören, wie sich zwei liebende Eheleute wieder finden und sich Gernando für sein erzwungenes Fernbleiben quasi mit „Non turbar quand‘io mi lagno“ entschuldigt. Dazu kommt ein Mann wie Enrico, der dem Mädchen Silvia zärtlich beibringt, dass es nicht nur Rehe als Freunde gibt, sondern hinter dem Meer auch eine Welt, von der Silvia bis dato keine Ahnung hatte, und der vor allem Heiratsgedanken hegt: „Prendi d‘amore in pegno, cara, la man di sposo“. Man ist als Zuhörer hingerissen. Wo sonst als bei Bernd R. Bienert und seinem TEATRO BAROCCO wird die Zeit so konsequent und mit so viel musikalischer Professionalität zurückgedreht?!

Sreten Manojlović (Enrico), Misaki Morino (Silvia) © Barbara Palffy
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