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Buehnenbildentwurf zu "Kasimir und Karoline" von Caspar Neher zur Uraufführung, Leipzig 1932 © KHM

ÖDÖN VON HORVATH UND DAS THEATER fürs Museum inszeniert

Einblick in die Ausstellung Theatermuseum © KHM-Museumsverband

Kritische Vorahnungen im Bühnenspektakel sichtbar gemacht

Um Ödön von Horváth kommt man als Theaterfreund nicht herum. Seine „Geschichten aus dem Wiener Wald“ sind zum Volksstück schlechthin geworden. So düster die Handlung auch sein mag, sie spiegelt dennoch die Wirklichkeit derart ungeschminkt wider, dass sich jeder Zuschauer in einer der Rollen zu finden vermag. Man braucht Ödön von Horváth also nicht näher vorzustellen. Seine Stücke werden regelmäßig in großen und kleinen Theatern aufgeführt, meist mit Erfolg. Der Name Horváth ist bereits Garant genug für regen Publikumszulauf. Regisseure haben bei ihm Gelegenheit, die bösartigen Tiefen seiner Charaktere bis zum Gruseln deutlich zu machen und die Schauspieler lieben seine der Alltagssprache nahen Texte, die Horváth nachvollziehbaren Typen in den Mund gelegt hat. Trotzdem kann man nicht genug von ihm reden, zumal in einem von einer Gesinnung geprägten Umfeld, das deutlich wie schon lange nicht demjenigen gleicht, in dem Horváth seine Romane und Stücke geschrieben hat.

Einblick in die Ausstellung Theatermuseum © KHM-Museumsverband

Er selbst hat sich nicht zu Unrecht als „Chronist seiner Zeit“, also auch der unseren, gesehen und an einer steten „Demaskierung des Bewusstseins“ mittels seiner Tätigkeit gearbeitet. Allen wachen Geistern wurde er zum Vorbild, so den Autoren Peter Handke, Peter Turrini, Wolfgang Bauer, Franz Xaver Kroetz, Werner Schwab, auch der Schriftstellerin Elfriede Jelinek, und nicht zuletzt einem Felix Mitterer. Horváth selbst wurde nur 36 Jahre alt, als ihn in Paris in einem Park während eines Sturms ein Ast erschlug.

 

Für das Theatermuseum hat der Bühnebildner und Ausstellungsgestalter Peter Karlhuber Horváth inszeniert. Er lässt den Besucher in die Bühnenwelt des in der Ausstellung vorgestellten Autors regelrecht eintreten, besser, ihn selbst dort auftreten. Er findet sich am Oktoberfest vor dem Ringelspiel aus „Kasimir und Karoline“ wie im Lachkabinett im Spiegel wieder, erschrickt in der „Italienischen Nacht“ zwischen Scherben von Bierkrügen und zertrümmerten Wirtshausbänken als Folgen einer von den Nazis angezettelten Saalschlacht und gruselt sich vor dem Fleischhauer, wenn der sich in Gestalt von Helmut Qualtinger über das Abstechen einer Sau seine blutigen Gedanken macht. Für Emotionen ist in diesere Ausstellung also gesorgt.

Das Wissen liefern Videos, Bilder und Saaltexte, die von Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar stammen, zwei Experten für diesen Schriftsteller. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Autorin, vor allem aber Mitarbeiterin bei der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke von Ödön von Horváth. Er ist seit 2008 Mitarbeiter an dieser Ausgabe und Herausgeber mehrerer Teilbände wie dem zuletzt erschienenen Band: Ödön von Horvath: Sportmärchen, Kurzprosa und Werkprojekte Prosa. Im wahrsten Sinn zu erleben ist „Ödön von Horváth und das Theater“ bis 11. Februar 2019.

Einblick in die Ausstellung Theatermuseum © KHM-Museumsverband
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