Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Begrüßung der Premierengäste mit Blasmusik

Tschauner Reloaded als Sommer-Operetten-Bühne

Markus Richter, Lilly Kugler, Jürgen Kapaun  © Foto: Bettina Frenzel

Flott trabt das Weiße Rössl durchs schöne Salzkammergut

Die subtile Fremdenverkehrswerbung aus den 1930er-Jahren hat nichts von ihrem Reiz verloren. Ort der Handlung ist das Salzkammergut, ein seit Kaisers Zeiten beliebtes Ferienziel, das wilde Gebirgswelt und eine romantische Seelandschaft in einmaliger Weise verbindet. Wer es sich leisten konnte, setzte sich, angetan mit Wetterfleck, Knickerpocker und Goiserern, dem Vergnügen des berühmten Schnürlregens aus und tat, was er an jedem anderen Urlaubsort auch getan haben würde: Er suchte, so er in festen Händen war, nach Erholung, und wenn er frei war, nach amourösen Abenteuern. Auch daran dürfte sich bis heute nichts geändert haben. „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“, bringt es auf den Punkt und ist gleichzeitig einer der Schlager des bekannten Singspiels „Im Weißen Rössl“ von Ralph Benatzky und anderen Meistern der leichten Muse wie Robert Gilbert („Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?“) und Robert Stolz (mit dem wunderschön swingenden „ Die ganze Welt ist himmelblau“).

	  Lilly Kugler, Markus Richter  © Foto: Bettina Frenzel

Das Weiße Rössl reizt zur Parodie, die es im Grunde auch immer gewesen ist. Tschauner Reloaded hat sich jedoch für eine solide Wiedergabe entschieden. Es wird ernsthaft gesungen und getanzt und die dem Stück immanente Komik lustvoll ausgespielt. Das freundliche Hotel am Wolfgangsee ist Schauplatz eines ausgelagerten Rechtsstreits zweier Berliner Fabrikanten.

Ensemble  © Foto: Bettina Frenzel

Alexander Kuchinka wird als Trikotagenfabrikant Wilhelm Gieseke zur liebenswürdigen Karikatur eines Berliners mit perfekter Schnauze. Sein Widerpart ist Dr. Otto Siedler, der elegante Advokat seines Gegners in der Gestalt von Jürgen Kapaun. Blöd, dass Gieseke eine hübsche Tochter hat (Susanne Seimel als Ottilie Gieseke) und ausgerechnet sie und Siedler sich ineinander verlieben. Auch Josepha Vogelhuber (Lilly Kugler), Chefin des Witwenbetriebes „Zum Weißen Rössl“, hat ein Auge auf den Berliner Rechtsanwalt geworfen.

Damit entzündet sie rasende Eifersucht des in sie rettungslos verliebten Obers Leopold. Als dieser versteht sich Markus Richter blendend auf das Jammern auf höchstem Niveau, schluchzt zum Steinerweichen „Zuschau´n kann i net“, zeichnet für die musikalische Leitung verantwortlich und führt nebenbei auch noch Regie.

 

Unbeeindruckt von den Beziehungskisten der Alten genießen die beiden Jungen Klärchen Hinzelmann mit reizendem Sprachfehler (Petra Kreuzer) und der beindruckend glatzerte Sigismund Sülzheimer (Alexander Donesch) ihr Verliebtsein am Wolfgangsee. Fehlt nur mehr der Kaiser mit „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“.

In diese noble Rolle schlüpft vorübergehend der Piccolo des Hotels Thomas Schreiweis und erntet für sein melancholisch imperiales Auftreten sogar Sonderapplaus. Durch das Programm führt die resche Postlerin Jasmin Bilek. Die Begleitmusik zu den Hits kommt von der „Rössl Combo“ unter der Leitung von Max Hagler, die mit Kontrabass, Schlagzeug, Violine und Keyboard Sommer-Operetten-Feeling auf die Tschauner-Bühne zaubern.

Petra Kreuzer, Alexander Donesch  © Foto: Bettina Frenzel
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