Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


 

Weintage im MuseumsQuartier Wien 2011

Plattform für den Aufstieg

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Di., 11. Oktober 2011, 14-21 Uhr

Für engagierte Weinfreunde sind die Weintage längst ein Pflichttermin. Der Ort, das MuseumsQuartier Wien, ist durchaus passend gewählt. Ähnlich wie bei einer Ausstellung moderner Kunst darf hier noch über Qualität debattiert werden, anders als bei den großen Verkostungen, bei denen man von Preisträger zu Preisträger wandelt, um deren Kreszenzen andächtig wie die Alten Meister zu bewundern.

Burgenland ROT am 27. Jänner 2011 war dafür ein gelungenes Beispiel. Keine Frage, beim Rotwein hat das Burgenland die Nase vorn. Dabei reduziert sich das Interesse vielfach auf die beiden gängigen Sorten, ZW und BF. Sie wurden auch bei dieser Verkostung in gewohnt hoher Qualität präsentiert. Ein Blaufränkischland hält eben, was es verspricht, genauso wie das Südburgenland, das mit einer stattlichen Abordnung und genügend Eisenberg DAC im Gepäck angereist war.

Zu leicht übersieht man dabei aber die Sortenvielfalt, die pannonische Weingärten gerade beim Rotwein bieten. Bei Burgenland ROT im Rahmen der Weintage hatte man genügend Gelegenheit, diesbezüglich neugierig zu sein. Es hat sich ausgezahlt, die Nase kritisch in Pinot Noir oder St. Laurent zu stecken, einen Syrah oder sogar einen Blauburger eingehend zu bereden oder noch im Abgang die Persönlichkeit einer Cuvée aus Bordeaux-Trauben zu analysieren.

Bemerkenswerte Winzer im MuseumsQuartier

 

Ein Herz für die Vielfalt der Sorten

Im pannonischen Konzert im MuseumsQuartier gaben selbstverständlich Zweigelt und Blaufränkische den Ton an. Aber was wäre die schönste Musik ohne beherzte Solisten. Dass in dieser Beziehung auch wenig geachtete Sorten durchaus das Zeug zum Star haben, bewies die Winzerfamilie Haselbauer aus Purbach (Neusiedlersee Hügelland). Sie waren die einzigen, die einen Roesler und einen Blauburger dem wie immer sehr kritischen Publikum zur Verkostung präsentierten.

 

Ab nun soll keiner mehr die Nase rümpfen, wenn die Rede auf diese zwei Sorten kommt. Sie haben beide genügend Potential, um genauso ernst genommen zu werden wie die großen Geschwister im Rotweingarten.

 

Der „junge“ Roesler, er wurde erst 1970 in Klosterneuburg gezüchtet, hat bei Haselbauer einen liebevollen Ziehvater gefunden. Der von Natur aus dunkle Wein dankt ihm die feine Erziehung 1) mit samtenem Tannin und ausgeprägtem Aroma von Wildbeeren, wobei sich darüber streiten lässt, ob es sich eher um elegante Schlehe oder süße Heidelbeere handelt, und 2) mit Gold bei der Burgenländischen Weinprämierung.

Der Blauburger dagegen ist eine gestandene Sorte, ein Roter, den man seit jeher neben dem Blauen Portugieser bei den Heurigen an der Südbahn trinkt. Die Purbacher haben ihn ins Burgenland geholt und in ihren Rieden – wie man es von ihnen gewohnt ist – zur Höchstform gebracht, allen voran die Winzerfamilie Elisabeth und Franz Haselbauer, die auch hier auf Gold bei der Burgenländischen Weinprämierung verweisen kann. Dem Leithaberg verdankt ihr Blauburger wohl seine anregende Säurestruktur und eine für einen Rotwein erstaunliche Lebendigkeit und Frische in der Frucht.

Foto © Winzerfamilie Haselbauer

 

Kunstvolle Kulturpflege

Wenn Künstler ans Werk gehen, wird gern auch anders gedacht, abseits der vielbegangenen Pfade. Dann muss auch das Holz für die Fässer nicht unbedingt aus Eiche sein. Das Blaufränkischland bringt neben der namensgebenden Rebsorte auch großartige Kesten (Kastanien) und Nüsse hervor. Der Schritt zum Kastanienholz ist damit nicht weit, eine gesunde Portion Kreativität vorausgesetzt.

 

Im Hause Moritz herrscht daran garantiert kein Mangel. Alfred T. Moritz, der seit 2004 die Geschicke des kleinen Weingutes leitet, und seine Lebensgefährtin Barbara Blagusz sind Künstler – nicht nur, was den Wein betrifft. Alfred T. Moritz ist Maler, Babara Blagusz, oder besser, Anna Frasz (warum? Einfach ihre Homepage anklicken!) Schöpferin von Keramikskulpturen und exklusivem Kunsthandwerk wie Ringen, Ketten, Handtaschen oder Schuhwerk.

Fotos (Porträt A.T.Moritz u. Weinflasche) © Rotweinbau Moritz

Ihr Weingut in Horitschon selbst besteht gerade einmal aus rund drei Hektar Rebflächen, allerdings in den besten Rieden des Blaufränkischlandes, reduziert auf die beiden Sorten Zweigelt und Blaufränkisch. Zum Teil sind es bis zu 40 Jahre alte Weinstöcke, von denen jeder einzelne liebevoll betreut wird. Dass dabei nach biologischen Richtlinien gearbeitet wird, ist eigentlich selbstverständlich.

 

Ein Teil davon wird in Kastanienholz ausgebaut, wie der „Blaubart“, ein Zweigelt aus Biotrauben oder die blaufränkische „Kastanie“. Beide Rotweine heben sich in ihrem Barrique überraschend angenehm vom gewohnten Holzton ab. Deutlich Kastanien! In beiden Fällen fein abgestimmt auf die ansprechende Gesamterscheinung, die vor allem durch frische Fruchtigkeit besticht. Nicht zu verachten ist auch die „Kirsche“, ein samtiger BF, gereift im Kirschenholzfass.

 

Übrigens, jede der 15.000 Flaschen wird mit einem handgefertigten Filz-Etikett geschmückt und ist damit „begreiflich“ eine Rarität. Schließlich wird mit jeder Flasche und mit jedem Karton aus dem Rotweinbau Moritz ein Stück Kunst erworben.

 

Kontrolliert und integriert

Es ist sicher nicht einfach, sich in einer Rotwein-Hochburg wie Gols durchzusetzen. Michaela und Gerhard Lunzer haben es geschafft. Seit 1985 führen sie ihr Weingut als Familienbetrieb und haben sich nach und nach dem Rotwein verschrieben.

Dazu gehört allerdings Mut und viel Zuversicht ins eigene Können. Der Erfolg hat sich eingestellt. Bei Prämierungen finden sich ihre Weine in den letzten Jahren regelmäßig unter den Besten. „Kein Wunder“, meint Gerhard Lunzer selbstbewusst, der seinen Betrieb den strengen Richtlinien der „kontrollierten und integrierten“ Produktion unterworfen hat, „denn wir betreiben rigorose Beschränkung der Quantität zugunsten der Qualität“, was dazu führt, dass seine Weine neben dem günstigen Klima rund um den Neusiedlersee und dem hervorragenden Boden auch von der Persönlichkeit des Winzerpaares getragen sind.

Foto © Weingut Michaela und Gerhard Lunzer

Ein köstlicher Beweis dafür ist der Falstaff-prämierte Syrah 2008 - sinnlich würzig wie Tausend und eine Nacht, mit einem Hauch Kardamom, sogar Piment und duftender Orangenschale.

 

Ein Strauß aus romantischen Düften und kein bisschen Schwere zeichnen den Pinot Noir 2009 aus. Er ist ein ebenso eleganter Franzose wie die Cuvée aus Cabernet/Merlot, die bei der Verkostung im MuseumsQuartier schon als Fassprobe einen großen Rotwein erahnen ließ.

 

Freilich, die Hinwendung zum Rotwein bestimmt das Weingut Lunzer. Man hat aber auch ein Herz für junge Kunst, die abgesehen von einer ständigen Präsentation von Kunsthandwerk bei Vernissagen und Ausstellungen regelmäßig mit dem Wein zusammengeführt wird.

 

Großes kommt vom Kaiserberg

Der edle Riedenname Kaiserberg wurde einst wohl mit gutem Grund vergeben. Der bestens wasserführende, mittelschwere Boden ist den ganzen Tag der Sonne und damit pannonischer Wärme ausgesetzt. Wie gut solch optimales Klima im Zusammenspiel mit all den Tugenden eines zeitgemäß arbeitenden Winzers den Trauben bekommt, beweisen die Weine aus dem Hause Silvia und Gerhard Pitzer. Das Familienweingut aus Halbthurn hat sich auf Rot spezialisiert und den Kaiserberg für zwei für´s Burgenland gar nicht so typische Sorten, nämlich Merlot und Syrah, erkoren.

Die Trauben werden – nicht nur bei diesen beiden Weinen – „selbstverständlich“, so Gerhard Pitzer, „von Hand geerntet und schon im Weingarten selektioniert“, und das heißt: „Qualität vor Quantität, die wir durch die grüne Lese, das heißt, Ausdünnen der Triebe und rigoroses Ausschneiden auf maximal fünf bis sechs Trauben pro Stock, erreichen.“

 

Der Syrah vom Kaiserberg 2008, 18 Monate zu 100% in neuen, französischen Barrique-Fässern gereift, hat schon jetzt ein beeindruckendes Sortenaroma entwickelt. Auf Empfehlung des Winzers sollte man ihm jedoch noch einige Jahre Zeit geben. Erst dann wird er seine Persönlichkeit zur Gänze entfaltet haben.

Das Gleiche gilt für den zweiten Kaiserberg, einen Merlot 2008. Er wurde ein Jahr lang in kleinen Eichenfässern gelagert. Dort wurde ihm unter anderen guten Eigenschaften ein jugendlich kräftiger Körper mitgegeben, der ebenfalls nach Jahren der Reife zur vollständigen Harmonie seiner Stärken finden wird.