Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Scbloss Schwarzenau Illustration S. 15

Es geschah im Waldviertel – lesenswerte Neuigkeiten von gestern

Groß Siegharts Illustration S. 86

Von hohen Besuchen, gestohlenen Schätzen, Meuchelmördern und mutigen Lebensrettern

„Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ lautet eine gern zitierte Lebensweisheit. Trotzdem macht es Sinn, in Archiven die ganze Zeitung oder zumindest verschiedene Meldungen aufzubewahren. So man Gelegenheit hat, darin zu stöbern und zu schmökern, taucht man wundersam ein in diese vergangene Zeit, die dank guter Redakteure von damals wieder lebendig wird. Den Beweis dafür liefert Thomas Hofmann, der aus solchen Berichten ein ganzes Buch gestaltet hat. In „Es geschah im Waldviertel – Neuigkeiten und Bilder von damals“ erzählen Zeitungsartikel über Ereignisse, die zu ihrer Zeit die Menschen bewegt haben und heute, teils mehr als hundert Jahre danach, noch immer erstaunlich spannend zu lesen sind. Begleitet wird diese Zeitreise von einer reichlichen Illustration mit Fotos von anno dazumal, die längst als das Markenzeichen für Ausgaben der Edition Winkler-Hermaden bekannt und beliebt sind.

Titelseite Welt-Blatt Illustration S. 113

Gerade das Waldviertel mit seinen endlosen Wäldern, geheimnisvollen Granitformationen und Bewohnern, die stets mit kargen Böden und einem rauen Wetter zurechtgekommen sind, denkt man, müsste eine Fundgrube merkwürdiger Begebnisse sein, und man wird nicht enttäuscht. So hat das Kaisermanöver anno 1891 durch die Anwesenheit von gleich zwei Kaisern, einem König, einem Prinzen und Erzherzögen und Herzögen freudigen Glanz in die herbe Gegend gebracht. „Das Vaterland“ veröffentlichte am 4. September dieses Jahres einen detaillierten Bericht über diesen allerhöchsten Besuch, der am 3. September in Horn begonnen hat. Das Gedränge von Schaulustigen kann man sich leicht vorstellen, wenn man liest: „Der Bahnhof war auf das prächtigste decoriert. Vor dem Bahnhofe standen die Leibpferde für die Majestäten und an 100 Pferde für die Suiten bereit.“

Schloss Artstetten Illustraion S. 21

Menschenmassen haben sich auch zu einem weit traurigeren Anlass eingefunden, als nämlich die sterblichen Überreste des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und der Herzogin von Hohenberg auf Schloss Artstetten erwartet wurden. Die Neue Freie Presse berichtet am 4. Juli 1914 ausführlich über den Leichenzug von Pöchlarn über die Donau. Dabei wird jedoch, wohl aus patriotischer Rücksichtnahme, der Gewittersturm unterschlagen, der die fliegende Brücke beinahe zum Kentern gebracht hätte.

Im Sinne von „bad news are good news” haben die Berichte über kunstverständige Diebe auf der Rosenburg (Arbeiter Zeitung, 9. Juni 1920), die Ermordung eines Gendarmerie-Wachtmeisters (Das Vaterland, 25. August 1895) oder der Meuchelmord in Neupölla (Morgen-Post, 2. April 1870) garantiert zu einer größeren Auflage geführt. Gelesen wurden aber auch Reportagen über einen Wolkenbruch im Waldviertel (Linzer Volksblatt, 28. Mai 1890) und die spannende Beschreibung der Errettung zweier Schwestern vor dem Ertrinken durch einen wackeren Soldaten in Gmünd-Nasterzeil (Österreichische Land-Zeitung, 31. Juli 1915).

Gefeiert wurden eine Denkmal-Enthüllung in Karlstift (Salzburger Volksblatt, 21. August 1909), die feierliche Eröffnung der Landesausstellung in Horn (Ybbser Zeitung, 15. September 1928) und „Die erste elektrische Oberleitungs-Automobillinie in Oesterreich“ (Neues Wiener Tagblatt, 17. Juli 1907). Sie alle, die großen und kleinen Sensationen, ergeben zusammen einen reizvollen Blick in die jüngere Geschichte und dazu Gelegenheit, manches zu entdecken, das vom Waldviertel bisher nur Druiden, Hexen und anderen Eingeweihten bekannt gewesen ist.

Schloss Raabs Illustration S. 63

Thomas Hofmann: Es geschag im Waldviertel,

Edition Winkler-Hermaden 2016,

ISBN 978-3-9504199-6-2, Preis €  19,90


Dreimal die Chance auf das Buch Wege aus Eisen im Industrieviertel, erschienen in der Edition WINKLER-HERMADEN. Zur Teilnahme einfach

 

Gewinnspiel

 

anklicken. Ein Mail öffnet sich mit dem Betreff Gewinnspiel Wege aus Eisen im Industrievertel. Mit Namen und Adresse absachicken. Die Gewinner erhalten ein Exemplar direkt vom Verlag zugeschickt.

Einsendeschluss ist der 11. Dezember 2016.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir gratulieren den Gewinnern: Ernst Marx, Richard Stadler und Angelika Müller

Personenzug 4820 mit 1072.01 am 3. Mai 1959 im Bahnhof Schwechat

Wege aus Eisen im Industrieviertel – die historischen Fakten

Eilzug 1751 mit Lok Reihe 1044 bei der Fahrt über Kalte Rinne Viadukt Semmeringbahn

Die Wahrheit über den Busserltunnel und viele schöne Eisenbahnbilder

Seine exakte Bezeichnung in der Eisenbahnersprache ist „Gumpoldskirchner Tunnel“, besser bekannt ist er aber als „Busserltunnel“. Aufgrund seiner extremen Kürze und vor allem seiner Lage auf einer Strecke, an der es weit dahinter und weit davor keinen Tunnel gibt, haben sich jedoch Legenden gebildet. Die beliebteste geht darauf zurück, dass Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Südbahn, die damals nur bis Gloggnitz ging, eher Vergnügungsreisende unterwegs waren.

Lok 42.2717 am 12.11.1954 im Bahnhof Ebenfurt

Der kurze Moment der Dunkelheit sollte, so wird gerne erzählt, verliebten Paaren die Möglichkeit zum raschen Austausch von Zärtlichkeiten geben. Peter Wegenstein räumt in seinem Buch „Wege aus Eisen im Industrieviertel“ allerdings damit auf. Bei seinen Recherchen zur Geschichte der Eisenbahnen im Viertel unter dem Wienerwald ist ihm der von Mathias Schönerer aus dem Jahr 1841 erstellte Baubericht in die Hände gelangt.

Darin werden detailliert die Gründe aufgezählt, warum der Katzbichl im Weingebirge, ein Ausläufer des Anninger, überwölbt wurde. 87 Klafter misst der Tunnel mit einer lichten-Höhe von 24 und einer Weite von 28 Fuß. Gebaut wurde er bereits aus solidem Stein und erfüllt bis heute seine Aufgaben, auch in Zeiten der Elektrifizierung der Südbahn, als Schutz vor Schnee und vor allem als Gelegenheit, mit einem Mitreisenden über dieses Bahnkuriosum ins Gespräch zu kommen.

Lok 2043038 mit Eilzug 1943 am 15.01.1995 über das Ungerbach-Viadukt II

Auf derartige Plaudereien hat Autor Peter Wegenstein in diesem Buch weitgehend verzichtet. Es geht ihm um die historischen Fakten rund um den Ausbau des doch extrem dichten Eisenbahnnetzes im Industrieviertel. Im Vorwort zählt er die von ihm verwendeten Unterlagen auf, so das „Notizenblatt für Eisenbahn- und Dampfschifffahrt-Unternehmungen“ aus 1860, 1861 oder das „Centralblatt für Eisenbahnen und Dampfschifffahrt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie“ aus 1870-1887. Entsprechend sachlich sind auch die Texte ausgefallen, in denen die Streckenführung, deren Entstehung und leider in vielen Fällen auch Auflassung und das Jahr des Abtrags der Bahn aufgezählt werden.

Es wäre aber nicht ein Buch der Edition Winkler-Hermaden, hätte man nicht für eine großartige Illustration gesorgt. Eisenbahnfreunden muss das Herz lachen, wenn sie beim Durchblättern auf Fotos von Anno dazumal stoßen, mit dampfenden und rauchenden Lokomotiven, die im Bildtext exakt mit ihren Nummern angeführt sind, mit Bahnstrecken wie diejenige über den Semmering, auf der die Eisenbahnzeit zumindest in den faszinierenden baulichen Anlagen stehengeblieben zu sein scheint und wenngleich mit großem Erhaltungsaufwand doch auch die modernen Züge bewältigt werden. Es sind zum guten Teil Fotos aus eigenen Beständen des Autors, aber auch von passionierten Eisenbahnfotografen und aus Archiven von Sammlern, die zu diesem Überblick über mehr als eineinhalb Jahrhunderte Eisenbahngeschichte im Industrieviertel beigetragen haben.

Wege aus Eisen im Industrieviertel Cover 900

Peter Wegenstein: Wege aus Eisen im Industrievertel,

Edition Winkler-Hermaden 2016,

ISBN 978-3-9504199-7-9, Preis € 19,90


Edition Winkler-Hermaden Logo 300

Statistik