Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Morganit aus Brasilien © NHM Wien, Alice Schumacher

EDELSTEINE IN NEUEM GLANZ schmücken das NHM

Schmucksteine aus Ambras © NHM Wien, Alice Schumacher

Spannende Geschichten zu glitzernden Steinen

Gefährlich schön sind Rubine, Smaragde und Diamanten. Um sie ranken sich nicht nur freundliche Geschichten spendabler Galane, sondern auch wilde Krimis und Abenteuerromane. Um an die schönsten Stücke zu gelangen, wurde seit jeher, und man darf dabei weit zurück blicken, kein Verbrechen gescheut. Dennoch erscheint jeder der dieser glitzernden Steine, sobald er sich im Schmuck an einer schönen Frau befindet, unschuldig wie ein Neugeborenes. Mit dem Feuer seiner Facetten blendet er die Augen und versteht es, hinter dem Glanz seine Aura, seine ganz besondere Vergangenheit nur vage durchschimmern zu lassen und neugierig zu machen. Experten, die ihr Studium den Edelsteinen gewidmet haben, wissen jedoch darum und können, wenn sie nur wollen, auch darüber erzählen. Eine davon ist Dr. Vera M. F. Hammer, Leiterin der Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museums Wien. Es macht ihr gewaltigen Spaß, über „ihre“ Edelsteine zu sprechen, dem erstaunten Zuhörer das Faszinosum dieser Materie nahezubringen.

Edelsteinstrauß, Geschenk  von Maria Theresia an Franz I. © NHM

Sie klärt ihn darüber auf, wie man die Echtheit eines Steins feststellen kann, ohne ihn zu verletzen, und was letztlich seinen Wert ausmacht. Über ein Jahr war sie damit beschäftigt, die weltweit bekannte Edel- und Schmuckstein-Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Es handelt sich dabei um eine Vitrine und besonders gesicherte Schaukästen, in denen sich der Besucher auf Texttafeln zumindest das Grundwissen über Edelsteine erwerben kann, während sich seine Augen an der dargebotenen Pracht kaum satt sehen können.

Geheimnisvoller Schimmer Mondstein aus dem Zillertal © NHM Wien, Alice Schumacher

Die Edelsteinzeit, wie sie heute präsentiert wird, hat im 16. Jahrhundert mit Ferdinand II. von Tirol begonnen. Die Mirabilien wanderten aus Sicherheitsgründen im 19. Jahrhundert von der Ambraser Kunst- und Wunderkammer ins Naturhistorische Museum. Bei den Fundorten von Edelsteinen denkt man unwillkürlich an ferne Kontinente. Jeder Mineraliensammler weiß jedoch, dass Österreich diesbezüglich durchaus mithalten kann. Einer der Beweise ist der Mondstein aus dem Zillertal. Er besteht aus zwei unterschiedlichen Feldspäten, die geschliffen das Licht diffus streuen. Sogar Smaragde gibt es aus eigenen Landen. Im Habachtal in Salzburg wurden sie bereits im 17. Jh. erwähnt.

Um 1880 wurden die begehrten grünen Steine vom Wiener Juwelier Samuel Goldschmidt systematisch abgebaut. Der mächtige Citrin aus der Wiener Schatzkammer zählt zu den Gründersteinen der Sammlung, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen kaufte die Naturaliensammlung des florentinischen Gelehrten Jean de Ballou, den der Kaiser auch gleich dazu engagierte, die Neuwerbung wissenschaftlich zu betreuen. Auf dem Bild am Aufgang des NHM ist der Kaiser in erlauchter Gesellschaft zu sehen. In der Hand hält er einen Smaragd aus Kolumbien.

Alchemistisch anmutende Versuche des Kaisers, aus mehreren kleinen Diamanten einen großen zu schmelzen, ging zwar schief, aber zumindest wurde die Brennbarkeit dieses aus reinstem Kohlenstoff bestehenden Minerals entdeckt. Mag sein, dass er für sein missglücktes Experiment als Trost von seiner Gattin Maria Theresia einen unvergleichlichen Edelsteinstrauß bekommen hat. Er ist eines der Highlights der neugestalteten Sammlung, die sich harmonisch in den mit allegorischen Figuren geschmückten Saal IV des Naturhistorischen Museums einfügt.

Ausschnitt aus der Systematischen Edelsteinsammlung im NHM Wien © NHM Wien, Alice Schumacher
Naturhistorisches Museum Logo 300

Statistik