Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die schwarze Erde © KHM

Ein spannendes Phänomen als neue Dauerausstellung DIE EVOLUTION DER MINERALE

Diamant © NHM Wien, Alice Schumacher

Die Reise durch das Farbenspiel der Erde von schwarz über rot und weiß bis zum heutigen Grün

Bei der Entstehung des Sonnensystems gab es, so weiß die Wissenschaft, nur eine Handvoll Minerale. Heute sind auf der Erde über 5000 bekannt und noch immer werden neue entdeckt, weil man bisher nichts von ihnen gewusst hat oder weil sie sich ganz einfach neu gebildet haben. Robert M. Hazen von der Carnegie Institution for Science in Washington D.C. gilt als „Entdecker“ der Evolution der Minerale. Er stellte Zusammenhänge zwischen der Neubildung von Mineralien und der Entwicklungsgeschichte der Erde fest und kam zur Erkenntnis, dass die Mineralvielfalt auf der Erde weit größer ist als auf allen bisher untersuchten Planeten und Monden unseres Sonnensystems. Einer der Hauptgründe für diese Vielfalt ist, so Hazen, der bei der Eröffnung der Schausammlung die Festrede hielt, das Leben auf der Erde, dem 50% der Minerale ihre Existenz verdanken. Ihren Ursprung nahm die mineralische Evolution nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren, bei dem sich als erste Elemente Wasserstoff und Helium bildeten. Bei Sternexplosionen blieben von Sternen nur Gaswolken übrig, die sich rasch ausbreiteten und die Elemente im Weltall verteilten. Beim Abkühlen bildeten sich daraus die allerersten Minerale, bezeichnet als die 12 Urminerale.

Ausstellungsansicht "Evolution der Minerale" © Nhm Wien, Alice Schumacher

Damit hatte eine Entwicklung eingesetzt, die der Erde ein erstaunliches Farbenspiel verpasste. Vom zu Basalt erkalteten Magma wurde sie schwarz, wurde dann rot vom Rost, das Eis, erstaunlicherweise ebenfalls ein Mineral, eben nur mit sehr niedrigem Schmelzpunkt, färbte unseren Planeten weiß, bis herauf zu den Pflanzen, die nach wie vor die Erde grün überziehen.

Smithsonit © NHM Wien, Alice Schumacher

Dr. Uwe Kolitsch von der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien hat die wechselnden Farben als Leitfaden für die neue Dauerausstellung „Evolution der Minerale“ verwendet. Sie beginnt mit einem respektablen Rohdiamanten als Eye-Catcher, gefolgt von einem Zirkon, dem ältesten erhaltenen Mineral, das auf der Erde entstanden ist. Es ist 4,4 Milliarden Jahre alt, damit älter als das älteste bekannte Gestein, das es immerhin auch auf beachtliche vier Milliarden Jahre bringt.

Im reinen Zustand als Minerale bezeichnet ergeben sie in einem Gemenge das uns vertraute Gestein. Wir befinden uns nun auf der schwarzen Erde vor 4,55 bis 3,8 Milliarden Jahren. Vor 2,5 Milliarden Jahren war die Atmosphäre weitgehend sauerstofffrei.

Aus dieser Periode findet sich das Eisensulfid Pyrit, das in feuchter Umgebung mit dem Sauerstoff der Luft reagieren und verwittern würde. Der von Lebewesen im Meer durch Photosynthese produzierte Sauerstoff verbreitete sich allmählich auch in der Atmosphäre und brachte die Erde zum „Rosten“. Die schwarzen Vulkangesteine wurden rot, da aus der Oxidation von Eisen neue, oft rötliche Minerale entstanden. Ihre Zahl war mittlerweile von 1500 auf über 4000 angewachsen.

Rutil © NHM Wien, Alice Schumacher

Zwischen 1,0 und 0.54 Milliarden Jahren war die Erde weiß, ein „Schneeball“, den das Mineral Wasser fast zur Gänze bedeckte. Durch einen Treibhauseffekt, verursacht durch Vulkanausbrüche, schmolzen die Gletscher, was wiederum mächtige Karbonatschichten in den dadurch entstandenen Flachmeeren zur Folge hatte. Mit dem Ende der Kaltzeit entfaltete sich auch das Leben explosionsartig. Lebewesen entwickelten erstmals Hartteile. Man darf nicht vergessen: Panzer, Schalen, Knochen und Zähne bestehen aus Mineralien.

Die nunmehr grüne Erde verdankte ihre Farbe dem warmen, feuchten Klima und einem hohen Sauerstoffgehalt. Dadurch verwitterte jedoch das Gestein und durch Oxidation bildeten sich viele neue, oft kompliziert aufgebaute und farbenprächtige Minerale. Eines der erstaunlichsten unter ihnen ist mit Sicherheit das Hazenit, benannt nach Dr. Robert M. Hazen, das je nach Wasserstand im Mono Lake, seinem Fundort in Kalifornien, einfach verschwindet oder wieder auftaucht.

Die weiße Erde Die weiße Erde: 1,0 bis 0,54 Milliarden Jahre

AL HANSEN Regalo Venus, 1990
AL HANSEN Gold Buddha Goddess, 1993
AL HANSEN Kabuki Venus, 1983

VENUS, VENUS, VENUS, die Muse von Al Hansen

Ausstellungsansicht "Al Hansen. Venus, Venus, Venus"

Fluxus-Kunst mit einer 29.500 Jahre alten Dame

Der amerikanische Künstler Al Hansen (1927-1995) war offenbar von den Formen unserer Venus von Willendorf derart angetan, dass er ihr eine komplexe Werkgruppe mit mehreren tausend Arbeiten widmete. Er schuf eine exemplarische Figur, deren Umrisse sichtlich von den drallen Rundungen der altsteinzeitlichen Figur inspiriert wurden. Zugegeben, die nur ein paar Zentimeter große Frauengestalt ist bei genauem Hinsehen schon für sich ein ungemein komplexes, oder sagen wir so, ein vollendetes Kunstwerk. Damit passt zu ihr auch der Name Venus, der ihr in Hinblick auf die römische Liebesgöttin verliehen wurde.

 

Der Fluxus-Künstler Al Hansen, bekannt durch seine Perfomances und seine Verbindung zu John Cage und Andy Warhol, setzte sowohl beim Alter als auch bei der Interpretation dieser Venus an. Die frühesten überlieferten Kunstwerke sind Frauenfiguren. Also wurde von Al Hansen auch der archaische Aspekt in den Mittelpunkt gesetzt.

Al Hansen in his Studio in Cologne 1993

Er nahm sich die Freiheit, die Figur nicht genau abzubilden, sondern frei zu interpretieren. Geblieben sind lediglich die Andeutung der äußeren Form und die plastische Fülle. Venus ist für ihn das Übermodell einer Frau, die viele potentielle Rollen in sich vereinigt – von der Mutter bis zur Göttin.

Die originale Venus von Willendorf ist im Naturhistorischen Museum Wien zu bewundern. Auf dem Weg zu ihr begegnet man bis 26. Juni 2017unter dem Titel Al Hansen Venus, Venus, Venus einer Auswahl von dessen Werken, die aus den Sammlungen des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, der Galerie Christine König und der französischen LMV Collection zur Verfügung gestellt wurden. Al Hansen hat Venus aus Zigarettenstummeln, goldener Ferrero Rocher Verpackung oder aus Zeitungspapier gefertigt. Die jeweiligen Titel wie Gold Buddha Goddess, Tut´s Valkyr oder Temple Dancer verweisen immer wieder auf das trotz der teils respektlos erscheinenden Materialien tiefe Verhältnis zu einer für diesen Künstler nur mit vielen Annäherungen erfassbaren Frauengestalt aus ferner Vergangenheit.

AL HANSEN Temple Dancer Tempeltänzerin, 1990
Naturhistorisches Museum Logo 300

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