Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Tamara TRojani, Konstantin Schenk © Schönbrunner Stöckl

YES, SIR! Ein (kulinarisches) Rendezvous mit Zarah Leander

Tamara Trojani als Zarah Leander © SChönbrunner Stöckl

Heut´ Abend lad´ ich mir die Liebe ein zu Köttbullar und Chokladbollar

Tamara Trojani, pardon, Leander! Also Tamara Leander und Konstantin Schenk, er ist noch kein Schwede, entführen ihr „genusssüchtiges“ Publikum mit „Yes, Sir!“ zurück in die Zeit, als aus Trichtergrammophonen und Röhrenradios die tiefe erotische Stimme von Zarah Leander zum Hinhören lockte. Diese schwedische Schauspielerin und Sängerin hat über die Jahrzehnte nichts von ihrer Faszination verloren. Wenn dann Tamara in ihre Rolle schlüpft, kann man sich einfach zurücklehnen und in Nostalgie eintauchen, mitsummen, wenn sie Evergreens wie „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“, „Bei mir bist du schön“, „Er heißt Waldemar“, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ oder „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ mit dem Timbre der von ihr verehrten Diva singt. Tamara, die dem Glamour der großen Zeit des aufkommenden Tonfilms mit einem stets zum Kleid passenden Stirnband – ihr charmantes Markenzeichen – noch eins draufsetzt, darf sich sogar beschweren. Es fehlt noch die Showtreppe, über die sie auf die Bühne des Schönbrunner Stöckls einschweben könnte.

Tamra Trojani als Zarah Leander © Schönbrunner Stöckl

Wer ist schuld dran? Natürlich Konstantin Schenk. der aber alles daransetzt, um seinen Gesangsstar, eben Tamara Leander, glücklich zu machen. Bis es soweit ist, wird zwischen den Songs auch aus der Biografie von Zarah Leander vorgelesen. Die Gäste dieses Abends erfahren, dass ihr Star aus gutem Grund nur über die Liebe gesungen hat. Sie hat selbst gesagt, dass 90 Prozent der Menschen die Liebe gegenüber der Politik bevorzugen, die für Zarah Leander ein dreckiges Geschäft war – wie recht sie doch hatte! Im letzten Moment wird der Bühnenaufbau geschafft. Jetzt fehlen nur mehr die Tänzer, die mit geschmeidigen Bewegungen die Dame umschwirren. Auch solche finden sich unter den Zuschauern. Kostümiert mit Instant-Frack werden sie, so der Pianist Schenk witzig, zu „Männerschnitten für die Schwedenbombe“.

 

Das Schönbrunner Stöckl nicht nur unter Theaterfreunden, sondern auch unter Gourmets längst eine beliebte Adresse. So wurde die Speisekarte für „Yes, Sir!“ ganz dem Anlass gerecht gestaltet. Ein Blick auf das Angebot macht neugierig auf schwedische Spezialitäten wie Baltik (Dorschleber mit Schalottenzwiebel in Balsamico auf Toast), Oxsvanssoppa (Ochsenschwanzsuppe mit Fleischstrudel), eine fisk plattan (Fischplatte), Köttbullar (faschierte Kugeln mit Schafkäse gefüllt) und zum Dessert besonders „myklet fin!!“ (köstlich) Chokladbollar.

Die Schokokugel mit Weichsel und Marzipan ist übrigens eine Erfindung der nunmehrigen Wahlschwedin Tamara, um den Show-Abend auch kulinarisch zu versüßen. Was hätte dazu der Kaiser gesagt, der seinerzeit garantiert immer wieder vom Schloss herüber auf einen huldigen Plausch mit seinen Untertanen gewandelt ist? Hätte er Schwedisch gekonnt, dann wohl „Smaklig Maltid! (Guten Appetit), nachdem er von den Wirtsleuten mit einem herzlichen „Välkommen!“ begrüßt worden war.

Helfer aus dem Publikum, Tamara Trojani, Konstantin Schenk © Schönbrunner Stöckl

Der Bühnensaal im Schönbrunner Stöckl © Michael Schuster

VIVE LA FRANCE Cabaret und Speisen – C´est magnifique

Szenenfoto Vive la France © Schönbrunner Stöckl

Ganz Paris träumt von der Liebe und von einem so zarten Bœuf Bourguignon

Tamara Trojani und Konstantin Schenk reisen nach Paris, in die Traumstadt aller Verliebten und sonstigen Genießer. Zuerst heißt es allerdings lernen, zum Beispiel die Sprache, die zwar wunderschön klingt, aber gar nicht so leicht zu beherrschen ist. Trottoir, Lavoir oder ordinaire mögen uns geläufig sein, wenn es aber darum geht, ein Schnitzel, also ein Escalope zu bestellen und der Kellner bringt eine Portion Escargot (Schnecken), wird die Sache schon komplizierter. Mit Musik lassen sich solche Schwierigkeiten jedoch viel leichter und vor allem köstlicher bewältigen. Sie ist auch das Grundrezept des reichhaltigen Menüs, das die beiden Künstler-Wirtsleut´ im Schönbrunner Stöckl mit ihrem neuen Programm „Vive la France“ dem Publikum servieren. Das Entrée mit dem Titel C´est magnifique verbannt jeden Zweifel, dass es anders werden könnte als großartig, genau wie die Les Hors d´œuvres, bestehend aus Entenbrust mit Orangenchutney und Chicoree, einer Gänseleberpraline im Mandelmantel auf karamellisiertem Apfel und einer Wildpastete, begleitet von Honigzwiebel und Estragon.

Tamara TRojani in Paris © Schönbrunner Stöckl

Der feine Teller hat den ersten Hunger beseitigt. Nun können sich alle Sinne auf den zweiten Teil der Show richten. Die beiden Parisbesucher finden einen charmanten Reiseführer namens Gilbert in der Person von Lado, einem begnadeten Entertainer. Ganz Franzose erobert er im Sturm das Herz von Tamara Trojani mit einer Stimme, die Gilbert Becaud und Charles Aznavour nach zwanzig Gitanes filterlos alle Ehre macht.

 

Genau in dem Moment, in dem sich wieder Appetit auf einen neuen Gang im Magen rührt, wird ein Bœuf Bourguignon serviert, das einem Paul Bocuse nicht zarter gelingen hätte können. So gestärkt übersteht man auch die Taxifahrt in einem Citroën 2CV, die am Eiffelturm vorbei ins Moulin Rouge zum Restaurant Le Consulat am Montmartre führt.

Immerhin ist ganz Paris ja auch ein Theater, das seine Kulissen braucht. Sie stammen vom südburgenländischen Künstler Norbert Art-Uro, der mit ein paar wenigen Aufbauten wie sich brav drehende Flügel der roten Mühle, einer Straßenszene mit Metro-Schild und dem französischen Kultauto aus Pappe Pariser Flair auf die Bühne des Schönbrunner Stöckls zaubert. Wenn Lado der Crème brûlée mit „L´important c´est la rose“ so richtig die Karamelkruste aufbrennt, indem er den Damen Rosen streut, ist es um Tamara völlig geschehen. Mit „La vie en rose“ wird sie ganz und gar zu Edith Piaf und lässt sich sogar hinreißen, beim Can-Can die Beine zu schmeißen, um letztendlich mit Überzeugung zu singen, dass sie nichts bereut, oder ganz original „Non, Je ne regrette rien“. Irgendwann schafft es Konstantin Schenk doch, seine Tamara von Gilbert loszureißen, um das Publikum bei Käsepotpourri und Baguette das musikalische Gourmetdinner, das übrigens unter der Patronanz der französischen Botschaft steht, genüsslich finalisieren zu lassen.

Konstantin Schenk, Tamra Trojani © Schönbrunner Stöckl
Dinner Theater im Schönbrunner Stöckl Lgo 300

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