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Drei x zwei Eintrittskarten zur Ausstellung Faszination Japan im Bank Austria Kunstforum gewinnen. Zur Teilnahme brauchen Sie nur den Button

 

Gewinnspiel

 

anzuklicken. Es öffnet sich ein Mail mit dem Betreff Gewinnspiel Faszination Japan. Tragen Sie Name und Adresse ein und abschicken! Die Ziehung erfolgt am So., 21. Oktober 2018. Die Gewinner werden verstndigt. Die Tickets werden per Post zugeschickt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir gratulieren den Gewinnern: Brigitta Scheurer, Gudrun Brückl, Edith Sluszanski-Mattes

Emil Orlik Japanisches Mädchen unterm Weidenbaum, 1901 © Sammlung Dr. Eugen Otto, Wien

FASZINATION JAPAN Mehr als eine Verrücktheit, das ist Leidenschaft

Kasushika Hokusai 36 Ansichten des Berges Fuji: Unter der Welle bei Kanagawa © MAK/Georg Mayer

Davon befallen waren unter anderem Monet, van Gogh oder Klimt

Schuld daran war, so weiß die Kunstgeschichte, die Weltausstellung des Jahres 1878 in Paris. Aus dem Reich der aufgehenden Sonne war Kunst zu sehen, die sich von der in Europa bis dahin gepflogenen Art und Weise grundsätzlich unterschied. Extravagante Vasen, Lackdosen, Stoffe und Farbholzschnitte ließen das Publikum wahrlich rasen vor Begeisterung. Über allem lag dazu der feine Dunst des Geheimnisvollen. Die Menschen standen Artefakten gegenüber, deren Herkunft die Phantasie beflügelte, nicht nur wegen hochstilisierter Erotik, die japanische Zeichnungen meisterhaft wiedergaben, auch wegen deren Meister, die von einer nur von Mythen und abenteuerlichen Reiseerzählungen bekananten Inselwelt im fernen Osten stammten. Noch wenige Jahrzehnte zuvor war Japan eine Terra incognita, bis 1858 für jeden Eindringling versperrt und kein Japaner durfte das Land Richtung Westen verlassen. Die selbstgewählte Isolation hatte weder Handel noch den Austausch von Gedanken und schon gar nicht die christliche Mission erlaubt, die damals gern mit kolonialistischen Begehrlichkeiten einherging.

Alfred Stevens Die japanische Pariserin, 1872 © Musée des Beaux-Arts de La Boverie, Lüttich

Was sich hinter dieser unsichtbaren Wand entwickelt hatte, überschwemmte nun mit der Gewalt eines Tsunamis den Westen und begann von sich aus in diesem für Japan „neuen“ Erdteil Wurzeln zu schlagen. Die kräftige Pflanze, die daraus entwuchs, wurde „Japonismus“ genannt und infizierte mit seinen Blüten die bedeutendsten Künstler dieser Zeit sowohl in Paris, aber auch in Wien. Erstaunt notierte der französische Kunstkritiker Ernest Chesneau: „Das ist keine Mode mehr, das ist Leidenschaft, das ist Verrücktheit.“ So kann in aller Bescheidenheit auch der Titel der Ausstellung „Faszination Japan: Monet, Van Gogh, Klimt“ (bis 20. Jänner 2019) lauten.

Gustav Klimt Nixen – Silberfische, um 1902/03 Bank Austria Kunstsammlung, Wien

Freilich sind auch Werke japanischer Meister zu sehen. Es gibt die zarten Frauenbildnisse von Utagawa Kunisada I. zu sehen, oder die dramatischen Farbholzschnitte von Utagawa Hiroshige und eine in ihrer Realität beeindruckende Languste eines unbekannten japanischen Bildhauers. Die eigentliche Attraktion sind aber die europäischen Künstler, die sich vom Japonismus anstecken ließen. Sie übernahmen von ihren Kollegen in Nippon die Kunst der Darstellung einer fließenden, vergänglichen Welt. Die ersten waren Claude Monet, Vinzent van Gogh, Edgar Degas und Paul Gauguin. Sie waren angetan von den neuen Möglichkeiten der Komposition eines Gemäldes, bisher unbekannten Inhalten und Formaten von extrem breit bis hoch. Figuren wurden nun in extremer Verkürzung, oft in Kombination mit der Vogelperspektive und starker Nahsicht umgesetzt. Dekorative Elemente wurden mit Momentaufnahmen verschmolzen und die Linie subtil verändert. Alltägliche Verrichtungen wurden zum Thema, aber auch Geisterszenerien und eine mit anderen Augen als bisher betrachtete Tier- und Pflanzenwelt.

In Frankreich folgten den Pionieren keine geringeren als Henri de Toulouse-Lautrec, Pierre Bonnard oder Édouard Vuillard. Im Kreis des Blauen Reiters wurden Franz Marc und Wassily Kandinsky von der japanischen Kunst beeinflusst. Der Japan-Hype, der sich von der Weltausstellung über den ganzen Kontinent ausbreitete, erreichte bald auch Wien. Fernöstliche Ästhetik hielt Einzug in die Werke von Gustav Klimt und führte zu einer bis heute einzigartigen Formensprache eines Josef Hoffmann. Dass diese Richtung durch das jeweilige Genie eigenständige Ausdrucksweisen erhielt, versteht sich von selbst. Auch Alfred Kubin und Edvard Munch konnten sich dem Japonismus nicht verschließen und schufen Zeichnungen, die deutlich fernöstlichen Einfluss ausstrahlen.

Damit wird die Liste der in der Ausstellung gezeigten Künstler zu einer unglaublichen Parade der Größten von der zweiten Hälfte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, die von der Kuratorin Evelyn Benesch im Bank Austria Kunstforum unter diesem Gesichtspunkt zusammengefasst wurde. Das viele Wissenswerte, das sich hinter all den Bildern und Plastiken verbirgt, findet sich im dazu erschienen Katalog, der den Besucher gut strukturiert in diese grandiose Schau einführt.

Katsushika Hokusai Seltene Ansichten berühmter Brücken in verschiedenen Provinzen, Privatsamm., Wien
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