Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


The Cindy Sherman Effect, Fotoinstallation von Fiona Tan, Ausstellungsansicht © Nilo Klotz

THE CINDY SHERMAN EFFECT als Frage der Identität

Cindy Sherman Untitled#93,1981 Courtesy of the artist and Metro Pictures, NewYork

Eine Ausstellung, die nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Augen zu erfassen ist

Cindy Sherman (*1954) ist eine US-amerikanische Künstlerin und Fotografin. Sie gilt in ihrem Bereich seit den 1980er-Jahren als Ikone der Kunstgeschichte. In den USA soll sie Generationen von nachfolgenden Künstlern dazu angeregt haben, Identität und Transformation in diversen Medien zu erkunden, ohne jedoch selbst einmal die erarbeiteten künstlerischen Verfahrensweisen zu verändern. Was hier in wahrlich unverständlichem Kuratorendeutsch ausgesagt wird, kann der Besucher anhand zahlreicher Werke zumindest erahnen. Ausgehend von dieser Kopfgeburt mit dem Titel „The Cindy Sherman Effect. Identität und Transformation in der zeitgenössischen Kunst“ (bis 21. Juni 2020) werden Arbeiten von weiteren 21 Künstlern gezeigt. Sie alle haben einfach starke, vor allem sehenswerte Werke geschaffen haben, die sich in irgendeiner Form unter diese Definition subsumieren lassen.

DouglasGordonSelf-PortraitofYou+Me (RichardBurton), 2006 © Bildrecht,Wien 2020 Foto:Paul Seewer

Es geht um das Selbstbildnis, das Rollenspiel und die Sexualität, die in den 1960er- und 1970er-Jahren zumeist von Frauen in der Kunst verwirklicht wurden. Sie spiegeln die revolutionären gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Jahre, die mit der 68er-Revolution und der Erfindung der Pille bis dahin gültige Normen obsolet gemacht haben und ein neues Lebensgefühl, auch für die Männer, entstehen ließen.

Zu sehen sind neben den die Betrachter nach wie vor irritierenden Fotografien von Cindy Sherman beispielsweise eine 14-Kanal-Video-Installation von Candice Breitz in Film-Stills von Alexander Fahl. Douglas Gordons verunstaltete Self-Portaits aus 2006 hängen neben Tonskulpturen von Gavin Turk und der Vitrine mit persönlichen Objekten von Sophie Calle, benannt „Birthday Ceremony (1986)“. Wenn es um den Zwang zur Selbstdarstellung geht, darf auch Elke Silvia Krystufek nicht fehlen, die mit „Day Dream Series“ aus 1996 vertreten ist. Es gibt also genug zum Schauen und Staunen, wenngleich man vor dem großen Anliegen dieser Ausstellung kapituliert und sich einfach in diese beeindruckende Leistungsschau des Kunstforum Wien hineinfallen lässt.

Samuel Fosso The Liberated American Woman of the 70s © Samuel Fosso, courtesy Jean Marc Patras,Paris
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