Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Reflections Ausstellungsansicht

REFLECTIONS James F. Gill und Kilian Saueressig zu Gast in Wien

Kilian Saueressig Lichtwandskulptur 2020

Bedingungsloser US-Realismus versus wechselndes Farbenspiel von Lichtwandskulpturen

Kilian Saueressig als Inspirationsquelle für Innenarchitekten? Diese Frage stellt sich spontan angesichts seiner Werke, die bis 16. August 2020 in einer Gastausstellung im Kunstforum Bank Austria die Besucher anstrahlen. Irritierende Frauengesichter und weiche weibliche Körperformen leuchten aus sich heraus, spielen mit wechselnden Farben und laden den Besucher ein, ihnen ganz nahe zu treten. Erst der Blick von der Seite offenbart die angedeutete Dreidimensionalität, mit der sich Nase, Mund oder Busen aus dem Bild erheben. Für den deutschen Künstler Kilian Saueressig, der in Österreich mit seinen, wie er sie nennt, Lichtwandskulpturen erstmals zu sehen ist, definiert darin seinen eigenen Kunstkosmos. Verarbeitet sind vier Ebenen, die „Globes“, die „Cycles“, die „Segments“ und die „Variations“. Er selbst vergleicht diese geheimnisvollen Bildinhalte mit dem Aufbau eines Atoms, um dessen Kern, den Globe, die drei anderen, oben erwähnten Elemente kreisen.

James F. Gill Michael 2007 bis 2009

Saueressig fügt noch hinzu, dass analog zu den Variationen die verschiedenen Energiezustände bzw. Anregungen des Atoms zu interpretieren sind. Er ist überzeugt, dass bei genauer Betrachtung die Zusammenhänge dieses Kunstuniversums deutlich werden. Für alle aber, die sich beim Bilderschauen nicht zu sehr den Kopf zerbrechen wollen, bieten diese mit Form, Farbe, Licht und Material spielenden Kompositionen einfach die Faszination eines bisher noch nicht erlebten Ausdrucks, den man einfach daheim haben möchte, im entsprechend großzügigen Ambiente, weil es ähnlich beschaulich wie ein Kaminfeuer wirkt, das man ebenfalls stundenlang beobachten kann, ohne sich daran satt zu sehen.

James F. Gill Thinking Colors and Close Up

Der Kunstverlag Edition Minerva präsentiert unter dem Titel „REFLECTIONS“ diesen deutschen Künstler im Kunstforum Wien (Kurator ist der Verleger Manfred Möller persönlich) gemeinsam mit dem US-Maler James Francis Gill (*1934 in Tahoka, Texas). Seine Gemälde strahlen ebenfalls, was aber den vom ihm verwendeten Farben und der genialen Beleuchtung zu verdanken ist. Obwohl sie bewusst abseits der Pop Art stehen, ließ es sich kaum ein Film- oder Popstar nehmen, in seiner besten Zeit von Gill porträtiert zu werden. So sind in Wien John Wayne, die Beatles, Michael Jackson oder Marilyn Monroe zu sehen.

Gesammelt wurde seine Kunst auch unter anderem von Dennis Hopper, Richard Chamberlain und Tony Curtis. James F. Gill verzichtet dabei vollkommen auf räumliche Tiefe und weicht nur in einigen wenigen Werken, den „Metamagen“ oder „Pop Surrealismen“ seines Spätwerks, vom strengen Realismus ab, der sein Œuvre bis heute bestimmt. So entstand für die Ausstellung in Wien in kürzester Zeit eine beeinruckende Serie von Bildern, die sich mit einem seiner Lieblingsthemen beschäftigen und gleichzeitig einen amerikanischen Traum ansprechen:

Gill ist offenbar fasziniert und inspiriert von der erotischen Sinnlichkeit einer Frau in einem Auto. Teils blicken die Damen sehr distanziert auf den Neugierigen, der ihnen gegenüber steht. Sie haben aber auch keine Hemmung, sich in höchster sinnlicher Erregung zu zeigen oder einfach einladend, doch auf dem Beifahrersitz neben ihr Platz zu nehmen. Ebenfalls bis 16. August 2020 sollte man diese Gelegenheit zu einer flotten Mitfahrt durch James Francis Gills Amerika benutzen.

Kilian Saueressig Detail einer seiner plastischen Lichtwandskulpturen
Bank Austria Kunstforum Wien Logo 600

Statistik