Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


La Petite Veuve (Die kleine Witwe) 1988

La Petite Veuve (Die kleine Witwe) 1988

REBECCA HORN Ein eigenwilliges Künstlerleben in ihren Werken

Concerto dei Sospiri 1997

Concerto dei Sospiri 1997

Auf der Freyung klapperts und pumperts recht ordentlich, es tut sich was!

Ein gewaltiger Haufen, bestehend aus dem Bauschutt aus abgerissenen Venezianischen Palazzi – oder waren es doch nur Häuser? jedenfalls aus der Serenissima, lädt den erstaunten Eintretenden ein, eine Entdeckungsreise als Miststirler anzutreten. Zwischen Scherben von Kacheln finden sich u. a. Stoffbahnen und modernde Paletten. Darüber kriecht wie die Hydra eine Art Trompete mit etlichen Schalltrichtern, die aus einem Sockel am Ende der Halde unaufhörlich heraus zu wuchern scheint. „Concerto dei Sospiri“ hat die Künstlerin diese Installation betitelt, auf Deutsch „Ein Konzert der Seufzer“, das aber stumm bleibt, ganz im Gegensatz zum Konzertflügel, der mit den Beinen nach oben von der Decke hängt und in bestimmten Zeitintervallen mit einem klangvollen Rumms seine Tasten ausspeit, um diese nach Ablauf von ca. einer Viertelstunde wieder geräuschvoll einzusaugen. Es ist ein „Concert for Anarchy“, das diese Konstruktion aus Klavier, Hydraulikkolben und Kompressor derzeit im Bank Austria Kunstforum Wien gibt.

Rebecca Horn Concert for Anarchy, 1990 © Rebecca Horn, Bildrecht Wien, 2021

Concert for Anarchy, 1990 © Rebecca Horn, Bildrecht Wien, 2021

Blue Monday Strip 1993

Blue Monday Strip 1993

Majestätisch entfaltet das maschinell betriebene Hinterteil eines Pfaus sein Rad, während ein paar Räume weiter der „Dialog der Silberschaukeln“ durch kräftiges Aneinanderknallen der Alu-Sitzbretter die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Durch Spiegel vervielfältigte Pistolen zielen dazwischen bedrohlich auf den Besucher, schießen beruhigender Weise aber nicht, wenngleich ihrem Dasein der „Raum der gegenseitigen Zerstörung“ gewidmet ist.

 

Wohin man blickt, anregende Irritation ist allgegenwärtig. Die deutsche Künstlerin Rebecca Horn schöpft seit nunmehr fünf Jahrzehnten aus einer offenbar unendlichen Fülle an Ideen, um ihre Sicht der Welt so deutlich zu machen, dass man beim besten Willen nicht einfach darüber hinweg schauen kann. Entstanden ist ein symbolisch aufgeladener Kosmos, in dem Realität und Fiktion ineinander übergehen. Es beginnt bei Zeichnungen, Fotos, Filmen, Collagen, Body Art und reicht bis zu abenteuerlichen, den jeweiligen Raum dominierenden „Skulpturen“.

Raum der gegenseitigen Zerstörung 1992

Raum der gegenseitigen Zerstörung 1992

Rebecca Horn zählt damit längst zu den ganz Großen, die man erst einmal für eine Ausstellung hierzulande gewinnen muss. Und doch ist es dem Bank Austria Kunstforum gelungen, eine stattliche Reihe von ikonischen Werken, wie Direktorin Ingried Brugger betont, aus namhaften Sammlungen bis 23. Jänner 2022 mit mutig finanziellem Aufwand in den so herrlich hellen Räumlichkeiten auf der Freyung zu versammeln und vor allem zu beachtlicher Wirkung zu bringen. Erschienen ist dazu selbstverständlich auch ein Katalog (Rebecca Horn. Concert for Anarchy) mit Beiträgen der Herausgeberinnen Ingried Brugger und Kuratorin Bettina M. Busse sowie der international tätigen Kunsthistorikerinnen Emma Lavigne und Chus Martinez. Die Texte enthalten eine Fülle an Fachwissen, teils gespickt mit Termini technici, die während der Lektüre laufend Prof. Google beschäftigen, um neben intuitivem Spaß auch den Background ernsthaften Wissens zu vermitteln.

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