Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


David Hockney In the Studio, December 2017 © David Hockney Foto: Tate

David Hockney In the Studio, December 2017 © David Hockney Foto: Tate

DAVID HOCKNEY Eine Chance für männliche Aktmodelle

David Hockney George Lawson and Wayne Sleep, 1972–1975 © David Hockney Foto: Tate

David Hockney George Lawson and Wayne Sleep, 1972–1975 © David Hockney Foto: Tate

Die geheimnisvolle Faszination autonomer Bildwirklichkeiten

Die vielen nackten Männer springen ins Auge. Dem Eintretenden bieten sich Burschen, die sich paarweise in Swimmingpools tummeln, später erscheinen sie auf Radierungen, entspannt zu zweit im Bett liegend, und auf einem Video mühen sich zwei männliche Nackedeis ab, eine Art unbefriedigenden Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Sie sind aber nur ein kleiner Teil des künstlerischen Werks von David Hockney (*1937), einem Briten, der mit seinen ungewöhnlichen Ideen und Ausbrüchen aus gut gepflegten Sehgewohnheiten zu einem der teuersten Bildproduzenten unserer Zeit geworden ist. Er lässt sich nirgends eindeutig einordnen. Weder in der Technik, denn er verwendet gleichermaßen Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie und Film. Noch im Sujet, das von tristen Menschendarstellungen über Landschaften bis zu abstrakten Brüchen mit dem viereckigen Format reicht. Die Perspektive ist ihm schnuppe, er wendet sie dort an, wo er den Blick des Betrachters hinführen will, und nimmt dabei in Kauf, dass sich der in den gewaltigen Breiten des Dargestellten verliert. Er deutet Klassiker wie „A Rake´s Progress“ von William Hogarth (entstanden zwischen 1733 und 1735) in einem Druckgrafikzyklus auf seine ganz eigene radikale Weise. Den Werdegang des Wüstlings, wie der Titel übersetzt werden kann, findet sich hier in Saufszenen, der Hochzeit mit der greisen Braut und dem Tod in Harlem. Diesen Radierungen stehen wieder Gemälde gegenüber, die zu einem Spaziergang auf einem Waldweg oder zum Meditieren über eine idyllische Wiese einladen. Für Vielfalt ist gesorgt.

David Hockney Two Boys in a Pool, Hollywood, 1965 © David Hockney

o.: David Hockney Two Boys in a Pool, Hollywood, 1965 © David Hockney

r.: David Hockney The Arrival of Spring in Woldgat © David Hockney

David Hockney The Arrival of Spring in Woldgat © David Hockney

Man kann die Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien auch ohne profunde Englischkenntnisse genießen. Den Titel „David Hockney: INSIGHTS. Reflecting the Tate Collection“ (bis 19. Juni 2022) braucht man nicht unbedingt zu verstehen, um sich am Phänomen Hockney abarbeiten zu können. Rund 125 Leihgaben aus 24 internationalen Museen, privaten Sammlungen und der Tate Galerie haben es möglich gemacht, mit Schlüsselwerken einen Einblick in sieben Jahrzehnte künstlerischer Arbeit zu gewinnen. Ingried Brugger, Direktorin des Kunstforums, ist begeistert und versucht eine Deutung des gezeigten Schaffens und gibt dennoch neue Rätsel auf, wenn sie sagt: „David Hockney prolongiert mit seinem enormen Werk die Kunstgeschichte über seine eigene Zeitgenossenschaft hinaus. Der Referenzrahmen der Moderne und ihrer Avantgarden – die Errungenschaften autonomer Bildwirklichkeiten jenseits der gesehenen Wirklichkeit – verschleißt sich in dem Maße, wie Hockney ein neues Bild der Wirklichkeit zeichnet, ja die Wirklichkeit neu erfindet.

Bank Austria Kunstforum Wien Logo 600

Statistik