Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


HELMUT NEWTON LEGACY, Ausstellungsansicht

HELMUT NEWTON LEGACY, Ausstellungsansicht

HELMUT NEWTON LEGACY Faszinierende Fotos von starken Frauen

Helmut Newton Fashion, Melbourne, 1955 © Helmut Newton Foundation

Helmut Newton Fashion, Melbourne, 1955 © Helmut Newton Foundation

Die anregende Bildsprache einer künstlerischen Modefotografie, wie sie nur damals möglich war.

Mode und Weiblichkeit sind eine untrennbare Einheit. Und doch wird man selten zwischen dem Model, das eine Kreation präsentiert, und deren späterer Trägerin erkennbare Ähnlichkeit entdecken, auch nicht, seit #Metoo seine erklärten Opfer aus diesen meist selbst gewählten Zwängen gewaltsam befreien will. Wer will schon für die anderen Zeitgenossen unattraktiv erscheinen?! Helmut Newton (1920-2004) brauchte sich um solche Skrupel noch nicht kümmern, als er das Weib an sich in den Mittelpunkt seines fotografischen Schaffens stellte. Es durfte nackt sein, reizvolle Details wie das Strumpfband blitzen lassen und in animalischen Posen seine Schönheit gegen karge Landschaften und Autoleichen setzen. Begleitet wurde der aus einem jüdischen Elternhaus stammende Künstler bei den Shootings meist von seiner Frau June, einer ebenfalls begnadeten Fotografin, die er im Exil in Australien kennengelernt hat. Nicht, dass ihm dadurch spätere Kritik wegen Frauenverachtung erspart geblieben wäre. Aber es wurde der Diskussion viel Wind aus den Segeln genommen, zumal die Patina der Zeit das ihre dazu beigetragen hat.

Helmut Newton John Bates, British Vogue, London, 1966 © Helmut Newton Foundation

John Bates, British Vogue, London, 1966 © Helmut Newton Foundation

Helmut Newton Tied-up Torso, Ramatuelle, 1980 © Helmut Newton Foundation

Tied-up Torso, Ramatuelle, 1980 © Helmut Newton Foundation

Im Kunstforum Wien auf der Freyung ist nun bis 15. Jänner 2023 quasi das Erbe von Helmut Newton zu sehen, als postumes Geburtstagsgeschenk zum 100er, der coronabedingt erst jetzt nachgefeiert werden kann. 250 Arbeiten dokumentieren sein vielseitiges Schaffen, von Schwarzweiß bis zu Farbabzügen. Etliche kennt man vom Durchblättern hochglänzender Modejournale wie Vogue, Elle oder Queen in ärztlichen Wartezimmern, andere stammen aus den zahlreichen Bildbänden, die Newton selbst herausgegeben und mit stattlichem finanziellen Erfolg vermarktet hat. Der Meister gilt als Ikone, aber auch als kontroversielle Figur, die bis heute fasziniert und provoziert, heißt es im Kunstforum zur Ausstellung. Stark formuliert, aber die Gemüter dürften sich mittlerweile beruhigt haben. Es ist einfach ästhetischer Schaugenuss und Nostalgie. Zu sehen sind keine Hungerhaken, sondern lebensvolle „Objekte der Begierde“, die in schrille theatralische Settings gebettet Geschichten erzählen, Respekt gebietend in ihrer Mächtigkeit, Aggressivität und dem sichtbar gemachten Selbstbewusstsein.

Bank Austria Kunstforum Wien Logo 600

Statistik